Der mündige Spieler


Kennt Ihr noch die Zeiten, als es in der Bundesliga, im Fußball allgemein noch jede Menge Spieler gab, die ihre festen Ansichten hatten und diese auch der breiten Öffentlichkeit kundtaten? Typen wie Stefan Effenberg, Lothar Matthäus, Willi Lippens etwas früher bei Rot-Weiss Essen? Oder Eric Cantona, mein erklärter Liebling? Gut, nicht alles, was zum Beispiel ein Lothar Matthäus im Laufe seiner Karriere von sich gab, war zwingend vom hellen Licht der Intelligenz gesegnet. Aber, darum geht es ja auch gar nicht. Manche Profifußballer sind eben keine Atomphysiker, und sie müssen es auch gar nicht sein. Aber ich fand und finde es immer noch gut, sympathisch, wenn ein Profikicker eine Meinung hat und zu dieser auch steht. Da darf die auch gerne mal von der Meinen abweichen. Kein Problem.

Schauen wir auf Heute, auf das Hier und Jetzt. Da musst Du Typen, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten, fast schon mit der Lupe suchen. Die Bundesliga, der Profifußball ist zu einem dreifach chemisch gereinigten Business geworden; vertritt ein Kicker eine Meinung, die außerhalb der manchmal kruden Paragraphenwelt des DFB und fernab der wie auch immer gearteten Richtlinien seines Vereins steht, wird er in der Regel vom Verband sanktioniert und/oder von seinem Club wieder stramm auf Linie gebügelt. Eine abweichende Sicht der Dinge, außerhalb der gelebten und vorgegebenen Wohlfühloase Bundesliga, das darf schließlich nicht sein.

Wisst Ihr noch, als Spieler nach einem Torerfolg ihr Trikot hochzogen, und irgendeine Botschaft kam zum Vorschein? Der eine hatte ein Foto seines Neugeborenen auf seinem T-Shirt, der andere eine Ansage an seine Kumpel, der Brasilianer Paulo Sergio gerne mal einen flotten Bibelspruch. Hat Dich das gestört? Mich nicht. Aber heute ist ja schon allein das Hoch- oder gar Ausziehen des Trikots per Gesetz, per Paragraph-was-weiß-ich verboten. Dreifach chemisch gereinigt. Und jetzt, am vergangenen Wochenende? Spieler wie Marcus Thuram, Weston McKennie oder Jadon Sancho protestierten in für mich durchaus gebührender Form; der eine mit einem kurzen Kniefall, die anderen mit der Botschaft Justice for George Floyd. Fußballer, die eine legitime Meinung haben. Die protestieren, gegen Ungerechtigkeit, gegen untragbare Zustände und das auf angemessene Art und Weise. Und was passiert? Der DFB spielte oder spielt wohl mit dem Gedanken, gegen diese Spieler zu ermitteln. Paragraph-was-weiß-ich.

patrick

Foto: Patrick Heidelberg

Ich kann dazu nur folgendes sagen. Ich finde es sehr schade, dass Rot-Weiss Essen an diesem Wochenende nicht gespielt hat. Denn ich bin mir da sehr sicher: Unsere Spieler Daniel Heber und Amara Condé, die hätten genau das gemacht. Sie hätten auf einem T-Shirt unter ihrem Trikot eine Botschaft parat gehabt. Justice for George Floyd. Und ich wäre verdammt stolz auf sie gewesen. Denn es gibt sie, gegen alle Widerstände, tatsächlich doch noch. Fußballer mit einer eigenen Meinung. Und wir alle sollten darauf achten, dass diese Spieler weiterhin Gehör finden. Wir sollten auf ihrer Seite stehen, gegen eben diese Widerstände.

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