Sommer!

Man, was für ein Sommer! Über das Wetter müssen wir ja eigentlich gar nicht mehr reden – Anfang August trägt man Pulli, eine leichter Herbstjacke und winterfeste Schuhe. Selbstschutz. Im Großen und Ganzen hatten wir bisher weniger wahrhafte Sonnentage, als Schalke Deutscher Meister wurde. Drei? Vier?

Auch sonst ist in Essen ja einiges los. MdB Petra Hinz, die ihren Lebenslauf so vortrefflich gefälscht (Nein, aufgehübscht! So nennt man das!) hat, heißt am Ende wahrscheinlich gar nicht Petra Hinz, sondern Petra Uschi Tönnies. Eventuell wird ihr auf Schalke auch Asyl gewährt, mit einen lebenslangen Posten im Aufsichts- oder Ehrenrat inklusive. Dazu braucht man noch nicht mal einen Schulabschluss. Es reicht, wenn man sich das Leben so zurecht bastelt wie es einem gerade gefällt. Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

Was war heute? Dr. Mabuse Harttgen war mal wieder ganz raffiniert. Er hat sich gesagt – „Ey, ich möchte heute echt noch nicht ein Urteil zur Kenntnis nehmen, das mein Ansehen und meine Ehre für immer und endgültig ruiniert. Ich hätte das lieber erst im Oktober. Ich erweitere einfach meine Klage!“ Schlau, Dr. Harttgen. Nur, wenn man gewisse Dinge zu lange hinauszögert, dann kann das aber sowas von mächtig in die Hose gehen. Da kannst du meine Ex-Frau fragen. Oder deine baldige, Dr. No.

Uwe-Harttgen

Hey, das wäre doch ein schönes Pärchen. Dr. (?) Uwe Harttgen und Prof. Dr. Dr. Petra Hinz. Moralisch integer, Vor- und Leitbilder für die Gesellschaft, so wie wir alle sie uns wünschen. Und dann ein Leben führen wie Bonnie & Clyde reloaded. Ich denke aber nicht, dass diese Version jemals verfilmt wird. Uwe Harttgen hat auch irgendwie nichts von Warren Beatty. Und Prof. Dr. med. dent. Dr. biol. hum. Dr. nat. techn. Petra Hinz… ach, lassen wir das. Dr. Dre, Prof. Dr. Welling und Dr. House schämen sich nur noch. Dr. Sommer auch, aber das aus anderen Gründen.

Und morgen? Yes! Freitag steigt das erste Heimspiel der laufenden Saison, endlich. Und das Schöne daran – das Wetter ist ziemlich egal, es zählt: Freitag! Flutlicht! Wochenende! Kann da etwas schiefgehen? Nein, eigentlich nicht. In diesem Sinne – Uwe & Petra, ich wünsche euch ab nun ein… was auch immer für ein Leben. Aber bitte weit weg von Essen. Und mit Fußball hattet ihr ja eh nie was am Hut.

Ach so, mein Tipp für morgen: Rot-Weiss Essen vs Bonner SC 3:1. Cheers.

Foto © Imago

I got you Babe

Gastbeitrag

 

“Then put your little hand in mine. There ain’t no hill or mountain we can’t climb”

– Sonny and Cher


Zugegeben, es hat ein bisschen gedauert, bis wir uns zu ein paar Zeilen aufraffen konnten. Warum sollte sich jemand für unsere Gedanken zum Thema „sportliche Perspektive von Rot-Weiss Essen“ interessieren? Wir tun es ja manchmal selber nicht! Wir sind einfach nur zwei Typen mit Mitgliedsausweis und Dauerkarte für die West, so wie Tausende andere auch – so what.

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Außerdem ist es jedes Jahr das Gleiche. Same Procedure as every Year – und täglich grüßt das Murmeltier. Ok, vielleicht ein bisschen spannender als die zitierten Winterklassiker. Deshalb verschonen wir euch an dieser Stelle mit Kommentaren zu Transfers (DANKE TIMO!), Vorbereitungsspielen (58:3 Tore!) und auch die Welling’sche Relegationstheorie soll an dieser Stelle nur sekundäre Bedeutung erhalten.

Wir wissen nicht wie es euch momentan so geht, aber wir haben Bock! Denn selten war das Gefühl so stark, dass wir jetzt einfach mal wieder dran sind, mit ’ner geilen Saison. Und auch wenn es natürlich irgendwie jedes Jahr dasselbe ist, standen die Vorzeichen selten so gut, dass vermeintlich hohle Marketingphrasen (#WirEssenGemeinsam, #ZusammenHoch3) von Mannschaft und Fans verinnerlicht und umgesetzt werden.

Nach unseren persönlichen Tiefpunkten des letzten Jahres, dem freiwilligen Stimmungsboykott, bei dem der Begriff „freiwillig“ eine ganz neue Bedeutung bekam, dem Bruch zwischen Mannschaft und Fans, inklusive Kabinensturm-Versuch, der Sache in Ahlen und offenen Anfeindungen, fühlt es sich nun so an, als ob wir eine neue Chance bekämen. Die Mannschaft scheint sich gefunden zu haben (wir wiederholen uns hier gerne: 58:3 Tore!), und sollte sich das im Liga-Alltag bestätigen, haben wir die Gelegenheit aus der desaströsen Endlosschleife (Vorfreude, Enttäuschung, Neuanfang, repeat) herauszukommen.

Das neue Selbstbewusstsein des Vereins mag für manche erzwungen und herbeigeschrieben wirken, dazu nach der letzten Saison fast schon wie blanker Hohn klingen. Trotzdem ist das Fundament so gesund wie nie, und wir können den Tag kaum erwarten, an dem Vergangenheit, Selbstdarstellerei, Unstimmigkeiten, Schiedsrichterentscheidungen und Bierpreise scheißegal sind und man sich besoffen von Ergriffenheit und Stauder in den Armen liegt und sagen kann: Das Murmeltier ist tot, lang lebe Rot-Weiss Essen.

Wir jeden falls lassen uns darauf ein. Mit ganz viel Pathos, Energie und Optimismus. Alle sind eingeladen mitzumachen. Warum nicht einfach mal ein Jahr lang eine Party im Stadion feiern. Naiv? Blauäugig? Bekloppt? Mit Sicherheit! Kennen wir uns gut mit aus. Schließlich ist der absolute Lieblingssport bei Rot-Weiss immer noch auf die Fresse fallen… und wieder aufstehen. Nur der RWE.

Mit freundlichem Dank an Dennis Hasemann (Bill Murray) & Steven Smith (Andie MacDowell)

Ist eben ein geiler Verein

Ein schönes Interview, welches Rückkehrer und Fanliebling Timo Brauer da auf VICE SPORTS (klick for link) gegeben hat. Eigentlich kann sich jeder Blogger, jeder Schreiberling welcher Art auch immer nun knicken, versuchen zu erklären, warum und weshalb er – man – Fan von Rot-Weiss Essen ist. Ich habe mir den Artikel jetzt zweimal durchgelesen, und vor allem eine Aussage ist hängengeblieben.

„Grundsätzlich bin ich ein positiv denkender Mensch und hab mich damit eigentlich gar nicht beschäftigt. Wenn ich rausgehe, will ich einfach vor der Kurve spielen und mir nicht in die Hose scheißen, dass irgendeiner mich als Arschloch beleidigt. Was in Zukunft passiert, kann man natürlich nicht wissen. Im Fußball passieren die kuriosesten Dinge. Ich bin fest davon überzeugt, dass es in drei Jahren klappt, sonst hätte ich das nicht gemacht. Und wenn’s nicht klappt, wird’s im vierten Jahr klappen. Wichtig ist, dass man den eigenen Charakter in den Hintergrund stellt und immer weiß, dass der Verein größer ist als irgendein Spieler.“

Das Wichtige an Aussagen in dieser Richtung ist, dass sie von Spielern kommen sollten, denen man das auch abnimmt. Zu viele – ich darf hier zum Beispiel an Mario Götze gestern verweisen, nach Bekanntgabe seiner Rückkehr zum BVB – sondern den immer gleichen Buchstabensalat ab, vorgefertigte Worthülsen ohne wirklichen Inhalt. Nicht, dass ich etwas gegen Mario Götze habe. Berufsfußballer üben einen Beruf aus. Ihre Sache, wo und für wen. Aber sie könnten dabei etwas leiser sein. Und er hat definitiv nicht das, was man Street Credibility nennt. Er wirkt schon ziemlich lange nicht mehr glaubwürdig, und das auch ohne Wechsel von A nach B oder zurück nach A. Vielleicht hätte C mal gut getan. Ein Timo Brauer hat diese Glaubwürdigkeit, und ich bin sehr froh, dass so ein Typ wieder an der Hafenstraße aufläuft. Übrigens – ich selbst besitze ebenfalls keine Street Credibility, da ich nicht aus dem Essener Norden, sondern aus dem Süden komme. Aber ich erkenne sie, wenn sie mir über den Weg läuft. Und das reicht mir.

Ist eben ein geiler Verein, für alle.

EM? RWE


Was man von der EM für die kommende Saison mitnehmen kann und was nicht.

  • Mannschaften wie Nordirland, Island oder Albanien sind vielleicht irgendwie sympathisch, so à la knuddeliger Underdog, aber das ist nur eine temporäre Anomalie (Cooler Begriff, ne. Habe ich von Captain Jean-Luc Picard aus Star Trek). Im Endeffekt sind sie nämlich wie Wiedenbrück, Verl oder Rödinghausen. Sie stocken das Turnier auf, beleben es sogar etwas, am Ende aber gewinnt eine große Mannschaft wie Frankreich. Also auf die Regionalliga bezogen – Rot-Weiss Essen. Moment, hat Portugal nicht… egal jetzt. Man!
  • Die Begeisterung für die Euro 2016 war zuerst verhalten, steigerte sich im Laufe der Zeit dann etwas, um gegen Ende wieder auf den Anfangszustand einzuschwenken. In der kommenden Regionalligasaison sollte die Begeisterung für RWE von Beginn an recht groß sein, um im Saisonverlauf sukzessive – und parallel zu den Ergebnissen – zu wachsen und gegen Saisonende, wenn der Kampf um Platz 1 entschieden wird, zu einem tosenden Orkan anzuschwellen. Wie gesagt – parallel zu den Ergebnissen.
  • Das Outfit der meisten Fans während der EM, wie schon bei allen anderen Turnieren dieser Art in der jüngsten Vergangenheit, war etwas… gewöhnungsbedürftig. Merkwürdige Plastikhörner, Hawaiiketten, übertriebene Schminke etc. Dies ist im Vereinsfußball zum Glück nicht notwendig. Es reicht ein Trikot, dazu vielleicht noch ein Schal oder ein Basecap. Man nennt das Understatement. Alles andere ist Mumpitz. Außerdem gab es in den Stadien dank der UEFA wohl nur Carlsberg zu trinken. Ich glaube (und das als passionierter Rotwein-Süffler), im Stadion Essen hat man es durchaus besser.
  • Beim Turnier in Frankreich wurden einige Mannschaften auf ihre Leader reduziert. Cristiane Ronaldo bei Portugal, Gareth Bale bei Wales zum Beispiel. Bei Rot-Weiss Essen ist das nicht notwendig. Trotz unbestrittener Star-Qualitäten eines Timo Brauer oder eines Frank Löning zählt allein die Mannschaft, respektive der Erfolg dieser. Der Star ist die Mannschaft, sie soll, darf und wird es hoffentlich auch sein.
  • Die Übertragungen der Öffentlich-Rechtlichen während der EM waren teils grenzwertig, ähnlich der Leistungen von Sport1, wenn dieser Quizsender ein RWE-Spiel überträgt. Vielleicht ist da mal eine Feinjustierung notwendig. Oder man holt direkt den Hammer raus. Speziell bei Sport1.
  • Erstaunlicherweise ist Portugal nun Titelträger und darf sich darüber auch sorgenfrei freuen, ohne noch eine Relegation gegen die Niederlande austragen zu müssen. Okay, der Vergleich hinkt wie Käpt’n Ahab bei schwerem Seegang. Aber Ihr wisst, wie ich das meine.
  • Was von dieser EM wohl am längsten in Erinnerung bleiben wird, sind Internetphänomene wie Will Grigg’s on fire und Huh! Gut. Aber wenn Huh! längst vergessen ist, lebt Adiole immer noch.

Abschließend: Diese EM war die wohl am wenigsten Interessanteste, seit ich Turniere dieser Art halbwegs bewusst verfolge. Also seit etwa 1984, in einem Land vor unserer Zeit. Sie war schlichtweg zu zäh, mit überdurchschnittlich vielen Durchschnitts- und Grottenkicks, trotz einiger Elfmeterdramen. Und bei der nächsten Auflage 2020, dann auch wieder im aufgeblähten 24er-Modus und mit 13 Gastgeberländern – darunter so Kracher wie Rumänien und Aserbaidschan – steht Ähnliches zu befürchten. Gott sei Dank gibt es Vereinsfußball im Allgemeinen und Rot-Weiss Essen im Speziellen. Denn würde es nur Veranstaltungen geben wie diese – theoretisch angedacht – ,mein Verhältnis zu König Fußball wäre wohl ernsthaft belastet.