„Den Bock umstoßen“

Der Fußball ist prall gefüllt mit Floskeln, die man nur allzu gerne anwendet, wenn denn mal ein klassischer Fehlstart auf den Rasen gebolzt wurde. Die die Spieler raushauen, Verantwortliche und wir Fans sowieso. „Den Bock umstoßen“, „Die Kuh vom Eis bringen“, „Den Bären bezwingen“ (letztere habe ich gerade erfunden). Und so sehr diese Sprüche auch als Floskeln zu bezeichnen sind, so sehr steckt da aber auch meistens die harte Realität hinter. Nicht, dass jemand jetzt tatsächlich eine reale Kuh vom Eis (welches wohl gerade nur an der Hammer Straße im Münsteraner Stadion zu finden ist) holen soll. Aber nach nur einem Punkt aus den ersten vier Spielen, ist es tatsächlich an der Zeit zu liefern. Bock, Kuh, Bär, meinetwegen auch ein Eichhörnchen.

Nun ist es nicht so, dass ich ein Anhänger oder Befürworter des frühen Nervenverlierens bin. Dafür gehe ich zu lange zum Fußball, zu lange zur Hafenstraße und bin ganz allgemein (viel) zu gelassen. Ich schlafe zur Zeit nicht weniger, das Schnitzel schmeckt nicht schlechter und das Bier nicht schaler. Ab und lasse ich einen dummen Spruch in Richtung meiner Freundin ab, aber die ist das gewohnt und geht lässig damit um, schließlich ist sie jetzt schon ein paar Jahre mit einem Typen zusammen, der, wenn er von der Hafenstraße kommt, hin und wieder verschiedenen Stimmungsschwankungen unterliegt und diese auch rauslässt. Aber wirklich nichts, was den Hausfrieden ernsthaft gefährden könnte.

Aber trotz aller demonstrativen Gelassenheit: Dieser eine Punkt bis jetzt, der wurmt. Und das nicht, weil ich etwas verpeilt von einem Durchmarsch in die 2. Bundesliga träumte oder mich an ein oder zwei Niederlagen pro Spielzeit gewöhnt habe. Wer davon ausging, der sollte sich ernsthaft hinterfragen. Nein, mich wurmen die viel zu vielen Gegentreffer, eine teilweise nicht akzeptable Körpersprache, die vielen Stockfehler. Man merkt, dass es dieser Mannschaft noch an dem unabdingbaren Selbstbewusstsein über 90 Minuten mangelt, dass einige Spieler zwar offiziell, aber in ihren Köpfen noch nicht in der 3. Liga angekommen sind. Dass der Trainer offensichtlich noch keine – mehr oder weniger – dauerhafte Startformation gefunden hat, mag verschiedene Gründe haben. Ich betrachte aber nicht nur die Testspiele vor einer Saison als Findungsprozess, sondern auch die ersten Pflichtspiele in einer Saison. Mancher mag das anders sehen, gut. Aber ich kann ein Eis auch erst dann essen, wenn es eine gewisse Zeit im Eisfach lag.

Was mir fürchterlich auf die Eier (pardon) geht, das ist diese Stimmungsmache im Internet, die über sachliche und selbstverständlich angebrachte Kritik weit hinausgeht. Sorry, aber ich kann mit „Dabrowski raus!“, „Nowak auch raus!“, „Heber muss weg!“ und ähnlichen Stilblüten nichts anfangen. Ja, wir müssen uns austauschen, wir sollen selbstverständlich Kritik üben, wir dürfen auch unzufrieden sein. Aber wenn das Grundrauschen dieser Kommentare, dieser Diskussionen nur noch aus selbstgefälliger und selbstgerechter Abneigung besteht, nur noch aus den üblichen „Raus!“-Brüllereien, dann bringt das niemanden auch nur 5 Meter Feldweg weiter. Nicht dich, und nicht Rot-Weiss Essen. Im Stadion nehme ich das in dieser Form gar nicht wahr, und das ist gut so. Denn am Samstag sollte dieser scheiß Bock endlich umgestoßen werden, im Stadion an der Hafenstraße, nicht im Internet. Von uns allen.

3 Kommentare zu „„Den Bock umstoßen““

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