Ich mag Frauenfußball

Ja, ich mag Frauenfußball. Oder sollte ich besser sagen „Fußball der Frauen“ oder „Fußball (f)“? Denn in den letzten Wochen war es nicht so einfach, sich dahingehend richtig auszudrücken, ohne – explizit auf Twitter – Gefahr zu laufen, den Unmut (auf Twitter: Shitstorm) von überaus (vermeintlich?) wichtigen Experten und Expertinnen auf sich zu ziehen. Auch scheint es irgendwie verpönt zu sein, im Zusammenhang mit Fußball von „Damen“ zu reden. Wobei sich mir auch das nicht ganz erschließt, denn es heißt ja z.B. auch Damen-Tennis, und nicht Frauen-Tennis. Aber vielleicht ist das weibliche Geschlecht im Tennis ja aus bestimmten Gründen anders zu benennen, als im Fußball, ich weiß es wirklich nicht. Ich sage einfach weiterhin Frauenfußball und habe damit kein Problem. So wie auch meine Freundin. Manchmal ist es klar von Vorteil, sich nicht über alles Gedanken machen zu müssen, womit man – explizit auf Twitter – konfrontiert wird. Denn das kostet hin und wieder wertvolle Lebenszeit. Vor allem dann, wenn man sich auf Twitter auch noch über den korrekten Hashtag Gedanken machen muss. Correctness wird manchmal überbewertet.

Aber zurück zum Sport. Wenn ich sage, ich mag Frauenfußball, dann beschränkt sich das weitestgehend auf Turniere, die ich im Fernsehen verfolge. So war ich schon im Jahr 2003 nachtaktiv, sprich, ich habe mir den Wecker gestellt (während meine damalige Freundin selig weiterschlief), um das Golden Goal von Nia Künzer im WM-Finale in den USA gegen Schweden live zu goutieren. Und auch in den Folgejahren war ich stets dabei, vor dem Fernseher, wenn auch schon mal erst ab den K.o.-Runden, wenn die deutschen Frauen bei Europa- und Weltmeisterschaften um den Titel kämpften. So wie ich auch immer vor der Glotze hänge, wenn die deutschen Männer es mal verbocken und mal auf die Reihe kriegen. Da bin ich ein ganz einfach gestrickter Mann, der mit Dosenbier und Kartoffelchips Fußball vorm Fernseher zelebriert und sich über jeden deutschen Erfolg freut. Ganz egal, ob die Titel von Männern oder von Frauen errungen werden. Und so verfolgte ich auch gestern Abend mit großer Aufmerksamkeit das Endspiel der Europameisterschaft der Frauen in Wembley, welches leider – aus meiner Sicht – von der falschen Truppe gewonnen wurde. Glückwünsche an England gehen trotzdem raus. Man soll ja immer fair bleiben.

Teilweise gestelltes Foto

Wenn man mich jetzt jedoch fragt, ob ich mir auch Fußballspiele vor Ort in einem Stadion ansehe, die nichts mit meinem Verein Rot-Weiss Essen zu tun haben, egal ob Männer oder Frauen betreffend, dann lautet meine Antwort leider: Nein. Denn ich unterscheide glasklar zwischen Fernseher und Stadion, zwischen „mache ich mal ganz gerne“ und „muss ich unbedingt haben“. So wie ich auch sehr gerne American Football im Fernsehen verfolge, aber nie auf die Idee käme, mir ein Spiel live in einem Stadion anzusehen. Und so sind sie, die einfachen Menschen, die einfachen und ehrlichen Fans auf dieser Welt. Sie nehmen im Fernsehen mit was ihnen gerade so gefällt, und sie gehen ins Stadion aus Gründen einer Herzensangelegenheit. Daran ist nichts falsch, oder verwerflich. Und wenn diese ganz einfache Geschichte ein für allemal so akzeptiert und respektiert wird, dann sind wir alle schon ein gutes Stück weiter.

11 Kommentare zu „Ich mag Frauenfußball“

  1. Das liest sich jetzt vielleicht blöd, aber ich habe in den letzten Wochen durch die Damen des DFB die Freude am Fußball wieder gefunden.

    Trotz der gestrigen Niederlage, Glückwunsch an die deutsche Frauennationalelf. Ihr habt ein prima Turnier gespielt. Und im nächsten Jahr ist eure WM.

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  2. Stadionbesuch nur als Herzensangelegenheit? Das ist bei mir größtenteils auch so. Ich schaue mir aber auch gern und oft Spiele im Stadion an, ohne direkten Bezug zu einer der Mannschaften zu haben. Ich ertappe mich aber bei JEDEM Spiel im Stadion dabei, dass ich plötzlich doch einem der Teams insgeheim die Daumen drücke. Ist eben einfach ein geiler Sport.

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  3. Gab ja eine Rundmail, es solle gänzlich auf die Begriffe „Frauenfußball“ und „Frauenfußballerinnen“ verzichtet werden in der Berichterstattung. Man, frau und andere können es auch übertreiben…..

    Wenn Frauenfußball nun eine Fernseh- und/oder Turniersportart wird, warum nicht? Ordentlich gehypet ist es ja worden und beim Handball ist es halt ähnlich: zur WM sind alle Handballer und in der Liga hat man das Stammpublikum.
    Frauenfußball im Stadion schaue ich nur, wenn ich muß. also beruflich. Und langweile mich da regelmäßig.
    Aber eben: jeder, wie er oder sie mag.

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  4. Man kann seinen twitter account löschen. Wohltuend und lebensverlängernd. Frauenbundesliga ist schwierig, wenn man Köln und Leverkusen mal ausschließt, müsste ich bis nach Essen oder Duisburg fahren. Würde ich im Emsland wohnen, wäre ich aber regelmäßig in Meppen.

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