Gekommen, um zu bleiben

Wenn wir mal so die letzten 30 Jahre in der Geschichte von Rot-Weiss Essen Revue – oder, wie Horst Hrubesch sagen würde, Paroli – laufen lassen, dann fällt ein etwas unangenehmer Fakt ziemlich schnell auf. RWE befand sich in diesem Zeitraum in exakt vier Spielzeiten im „bezahlten Fußball“, sprich im reinrassigen Profifußball. Nämlich 1993/94, 1996/97, 2004/05 sowie 2006/07 in der 2. Bundesliga. Die bundesweite Bühne 3. Liga, die erst zur Saison 2008/09 im Verbund mit der unseligen Regionalligareform eingeführt wurde, die betreten wir nun tatsächlich zum ersten Mal. Dass dem so ist, das hängt zuvorderst mit der „Lübeck-Situation“ zusammen, diesem einen, unfassbar peinlichen Spiel, welches jeder dienstältere Anhänger von Rot-Weiss Essen heute noch auf der Festplatte im Kopf gespeichert hat, das aber durch den langersehnten und endlich geglückten Aufstieg nun deutlich weniger Platz in der hauseigenen Birne einnimmt. Und das ist auch ganz gut so, denn so ein hartes Trauma wie Lübeck muss man selbst als hartgesottener Essener wirklich nicht sein ganzes Leben lang mit sich herumschleppen, also jetzt Strich drunter und gut ist. Nach vorne gucken ist immer wichtig.

Aber trotzdem, dass ein Verein mit der Strahlkraft, der Geschichte und diesem Umfeld wie der RWE in den letzten 30 Jahren quasi unter dem bundesweiten Radar geflogen ist, mein lieber Scholli. Wenn ich da an so manche Kicks zurückdenke, gegen Vereine, Städte, Dörfer, die ich heute, und ich meine das noch nicht mal überheblich oder despektierlich, erstmal auf Google Maps oder Wikipedia erforschen müsste, da wird mir manchmal ganz anders. Unvergessen für mich zum Beispiel die Saison 1998/99, als wir uns in der Oberliga Nordrhein mit Clubs mit Rheydt, Langerwehe, Teveren oder Baesweiler auseinandersetzen mussten, bis uns ein gewisser Igor Denysiuk am 31. Spieltag mit seinem Treffer im (damals hieß das noch so) Flughafenstadion zu Köln aus dieser Misere erlöste. Und auch in den letzten zehn, zwölf Jahren, da hast du hin und wieder, wenn du ehrlich bist, auf den Tribünen an der Hafenstraße schon mal gedacht: „Meine Fresse ey, wo kommen die denn jetzt her.“ Wie gesagt – ich bitte ausdrücklich, das nicht als Arroganz misszuverstehen. Aber es war halt wie es war. Da muss man sich ja nicht für entschuldigen.

Gekommen, um zu bleiben

Umso erleichterter ist man, bin ich heute. Denn ich sehe RWE auf einem wirklich guten Weg, sich langfristig in den Gefilden des Profifußballs zu etablieren, sich endgültig festzuspielen. Ich habe keine Sorge, ich denke noch nicht mal daran, mit meinem Verein irgendwann wieder in den regionalen Niederungen des deutschen Fußballs abzutauchen. Wie sagt man hier in Essen seit jeher so schön: Wo RWE ist, ist Profifußball. Und genau so soll und wird es jetzt auch bleiben.

4 Kommentare zu „Gekommen, um zu bleiben“

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s