Tage des Donners

Der 14. Mai ist für viele Anhänger von Rot-Weiss Essen – insbesondere für die, die schon einen Tacken älter sind wie ich – ein besonderer Tag. DFB-Pokalfinale in Berlin 1994, Rot-Weiss Essen gegen Werder Bremen. Man verlor damals zwar mit 1:3 gegen die von Otto Rehhagel trainierten und turmhoch favorisierten Werderaner, lieferte aber insbesondere in der zweiten Halbzeit einen bemerkenswerten Fight ab. Zweifellos eines der Highlights in der langen rot-weissen Vereinshistorie. Nun, ganze 28 Jahre später, könnte der 14. Mai wieder zu eine Datum mit übergroßer Relevanz mutieren. Denn nach zwölf Jahren Viertklassigkeit in der Regionalliga West hat RWE die Chance, den langersehnten Aufstieg in die 3. Liga zu schaffen. Endlich wieder raus aus der regionalen Schweineliga, hinauf in bundesweite Gefilde.

Und, ganz ehrlich: nicht mehr alle im Essener Umfeld haben an diesen Showdown am letzten Spieltag tatsächlich geglaubt. Ich selbst hatte auch hin und wieder meine berechtigten Zweifel. Zu groß waren die Formschwankungen der Mannschaft von der Hafenstraße gerade in der zweiten Hälfte dieser Saison, zu oft fehlte der letzte, unbedingte Wille auf dem Platz, zu viel Stress im Team (Grote, Davari), zu sicher zuletzt die Ergebnisserie von Preußen Münster. Dazu die verlorenen Punkte am Grünen Tisch durch einen bekloppten Böllertouristen. Und dann noch die Freistellung von Trainer Christian Neidhart zwei Spieltage vor Saisonende. Man hatte bisweilen den Eindruck, RWE schießt sich – wieder einmal – selbst ins Knie. Bis gestern, als die dann doch noch flügellahmen Adler aus Münster bei fulminant kämpfenden Wiedebrückern so einige von ihren Federn ließen und nur ein Unentschieden in Form eines 0:0 erreichten. Und heute geschah dann genau das, was sich alle RWE-Anhänger gewünscht und auch gefordert hatten. Essen gewann dank einer auf allen Ebenen überragenden Leistung 3:0 in Rödinghausen. Die Mannschaft wirkte wie befreit, sie nutzte die letzte Chance auf ein Finale Furioso. Die letzte Patrone hat also gezündet. Es wurde bestellt und geliefert.

Nun steht am kommenden Samstag der Showdown an. Preußen Münster zu Hause gegen die unangenehm zu bespielende Zwote des 1. FC Köln, Rot-Weiss Essen zu Hause gegen Rot Weiss Ahlen, mit denen wir noch das ein oder andere Hühnchen zu rupfen haben. Vor knapp 20.000 Zuschauern im Stadion an der Hafenstraße. Punktgleich, wir mit zwei Toren Vorsprung. Ein Tag, auf den ganz Essen zwölf Jahre gewartet hat. Möge der 14. Mai des Jahres 2022 in die rot-weisse Geschichte eingehen. Nur der RWE. Wann sonst?

7 Kommentare zu „Tage des Donners“

    1. Das kam auch aus der Nähe überraschend. Wenn man jedoch den Auftritt am Samstag mit denen der letzten Wochen/Monate abgleicht, dann kann man zu dem Schluss kommen, dass diese Entscheidung nicht ganz so falsch war. So leid es einem um den Menschen Christian Neidhart auch tut.

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