Der ganz kleine Fernseher

Als ich gestern Abend das Halbfinale der Champions League zwischen Manchester City und Real Madrid verfolgte, by the way ein überragender Hochleistungskick voller Mentalität, schaute mich meine Freundin neben mir auf der Couch irgendwann an und sagte zu mir: „Das Bild auf Amazon Prime ist aber nicht so gut heute, wahrscheinlich wieder eine Internetstörung.“ Ich schaute daraufhin auf den Fernseher (40 Zoll LED-TV DVB-C/52/T2, für die Experten), dann wieder auf meine Freundin, noch einmal auf den Fernseher und dann wieder auf meine Freundin um ihr lapidar kundzutun: „Weiß nicht, mir fällt nichts auf.“ Und tatsächlich bin ich wohl nicht in der Lage, dergleichen zu bemerken. Ich konnte noch nie und kann auch jetzt nicht unterscheiden, zwischen HD, Full HD, Super UHD, 4k, 8k etc. pp. Und das liegt nicht daran, dass ich vielleicht schon ein bisschen älter bin, denn ich kann immer noch ganz hervorragend sehen und komme ohne Brille aus, während meine Freundin, die deutlich jünger ist als ich, schon eine Brille trägt. Also, wir sehen beide ganz hervorragend. Vielleicht ist sie diesbezüglich auch einfach anspruchsvoller als ich.

Es ist halt vielmehr so, dass mich dieser ganze Technikkram im Gegensatz zu ihr, wobei ich es ihr gönne gar nicht interessiert, nicht abholt. Ich meine, ich finde es wirklich gut, dass es das Farbfernsehen gibt. Das hilft enorm dabei, die beiden Mannschaften auf dem Platz zu unterscheiden. Eine gute Erfindung. Aber wie hoch jetzt genau die Auflösung eines TV-Endgerätes ist, wie groß der Bildschirm, das ist mir völlig egal. Es ist auch hin und wieder schon nervend genug, dass man partiell oder auch langfristig auf Bezahlsender und diverse obskure Streamingdienste zurückgreifen muss, wenn man mal ein ganz bestimmtes Spiel sehen möchte. Für mich persönlich ist das alles nicht so relevant, da für mich der Fußball im Stadion an der Hafenstraße über allem steht und ich damit im Prinzip zufrieden bin. Aber ich kann schon den Unmut derer verstehen, die eine Champions League Saison oder eine Bundesliga mehr oder weniger vollumfänglich verfolgen wollen und das mittlerweile nicht mehr können, ohne auf zig verschiedene Anbieter zugehen zu müssen und teils langfristige Abos abzuschließen. Schöne neue mediale Fußballwelt. Oder auch nicht.

Aber kommen wir auf’s Bild zurück. Ganz ehrlich – es ist mir wirklich egal, wenn der Empfang mal ein bisschen hakelt. Ich weiß noch, wie ich in meiner frühesten Jugend (bin ja schon etwas älter, siehe oben) die WM 1986 in Mexiko verfolgte. Bevorzugt damals in meiner ersten Stammkneipe. Nichts mit UHD-irgendwas, Flatscreens oder 70-Zoll-Bildschirmen. Internet schon mal gar nicht. Nein, da hing ein Fernseher unter der Decke, nicht viel größer als eine handelsübliche Mikrowelle. Und der Empfang aus dem fernen Land des Tequilas war oft dermaßen schlecht, ruckelte, hatte Schlieren, dass der verwöhnte Sky-Kunde von heute wohl in totaler Panik die Service-Hotline anrufen würde, um sein Entsetzen über den ach so miserablen Empfang in den Hörer zu brüllen.

Mir war das damals wirklich egal. Denn es ging allein um den Fußball. In einer rappelvollen Kneipe, mit guten Leuten, ganz viel Bier, verraucht, einem mickrigen Fernseher und guter Laune. Was wirklich nicht wichtig war, das war die Qualität des Bildes. Wichtig waren Tore von Völler oder Maradona.

3 Kommentare zu „Der ganz kleine Fernseher“

  1. Mensch WM 1986! Die verfolgten wir in Frankreich vor dem Zelt. Sehr kleines Bild, schwarz- weiss aber zusammen mit den französischen Zeltnachbarn. Das bleibt unvergessen.
    WIR mögen mogelten uns ins Viertelfinale gegen Mexiko. Endlich ein überzeugendes Spiel. Dann über Frankreich ins Finale. Niederlage gg Argentinien nach toller Aufholjagd zum 2:2.
    Dieses Jahr keine WM.

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