Von Politik und Geisterspielen

Nun stehen sie also wieder zur Debatte, die sogenannten Geisterspiele. Eine Rückkehr zu leeren Stadien, wie wir es schon zu Beginn und zur Mitte der Panemie erlebten. Ich ging damals in weiten Teilen d’accord mit dieser Entscheidung, zu gewaltig die Eindrücke, die nicht nur mich belastet haben. Corona war und ist kein harmloser Bekannter, Corona ist auch weiterhin der Feind, den es zu bekämpfen gilt. Nur – mit welchen Mitteln und in welchem Rahmen, Stand heute? Nein, ich bin weder Virologe noch Politiker, und beides möchte ich auch gar nicht sein. Ich beobachte lediglich, halte mich an die jeweils gültigen Maßnahmen und versuche, die eigene wie auch die Gesundheit meiner Mitmenschen zu achten. Das gelingt mir soweit ganz gut, denke ich. Auch dann, wenn ich mich an Spieltagen mit Bus und Bahn zur Essener Hafenstraße begebe, um dort ein Match unter der 2G-Regel und innerhalb eines vernünftigen Hygienekonzepts zu verfolgen. Ich bin mit mir ehrlich gesagt so ziemlich im Reinen. Im Fußball, wie auch sonst in der Öffentlichkeit.

Wenn ich nun aber sehe, wie diese Diskussion um Geisterspiele wieder neu entfacht wird, dann habe ich einfach nur Fragen. In Sachsen sind diese schon wieder der Ist-Zustand, der bayersiche Landesfürst Markus Söder wird sie ebenfalls wieder einführen, ungeachtet der Beschlüsse des heute stattfindenden Corona-Gipfels von Bund und Ländern. Und auch der NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst geht mehr oder weniger mit der Idee hausieren, die Stadien wieder zu schließen. Deshalb frage ich mich: sind diese Gedankengänge, diese Vorhaben wirklich wieder notwendig? Würden sie tatsächlich entscheidend dazu beitragen, diese Pandemie einzudämmen? Oder wären es nur weitestgehend unwirksame Maßnahmen, politische Schnellschüsse, um einfach nur irgendwas rauszuhauen? Sollte heute beschlossen werden, dass in NRW die Stadien wieder komplett geleert werden, dann sollte sich die Politik doch bitte mal fragen, wie es um ihre Glaubwürdigkeit bestellt ist. Wie Menschen darüber denken, die doppelt geimpft sind, die sich jetzt auch noch ihren Booster abholen. Und die sich dann eventuell fragen, wofür – abgesehen von ihrer Gesundheit natürlich – sie das alles machen. Die überzeugten Impfgegner würden triumphieren, und als Geimpfter würde ich mir, salopp gesagt, etwas verarscht vorkommen.

Vielleicht ist es falsch gewesen, wie am letzten Wochenende in Köln fast vollständig auszulasten. Darüber, über die Reduzierung von Kapazitäten kann und sollte man auch reden. Aber eine Rückkehr zu Geisterspielen würde für mich bedeuten, dass die Politik ihre Glaubwürdigkeit in einem nicht gerade geringen Maße selbst torpediert. Und das wäre in meinen Augen das schlimmste, was sie derzeit machen kann.

2 Kommentare zu „Von Politik und Geisterspielen“

    1. Wenn Politiker wie Hendrik Wüst innerhalb von drei Tagen ihre Meinung um 180 Grad drehen, dann gehe ich davon aus, dass sie auch in Zukunft wie ein Fähnchen im Wind agieren. Von Markus Söder müssen wir ja gar nicht erst reden. Oder von Sachsen.

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