Doppelstandards

Irgendwie wächst mir diese Diskussion über Coronamaßnahmen und ihre verschiedenen Formen der Anwendung langsam aber sicher über den Kopf. Was wohl auch daran liegt, dass ich weder Politiker, noch Virologe noch ein Alleswisser bin. Und – ich bin auch kein Coronaschwurbler. Ganz im Gegenteil bin ich nur ein ziemlich einfach gestrickter Mensch, der es bevorzugt, innerhalb klarer und für alle Menschen gleich gültiger Leitplanken zu leben. Wo und wie also fange ich an, bei diesem heiklen Thema? Am besten so:

Fast im Wochenrhythmus verfolge ich seit Monaten in den Medien, wie sich Tausende von Menschen auf den Straßen versammeln, bei ganz unterschiedlichen Zielen und Ausrichtungen. Diese sind mal politischer, mal politisch-ideologischer, mal gesellschaftlicher Natur. Mal hat man eine hehere Form des Interesses, mal ist man so ein bisschen verpeilt, mal möchte man einfach nur feiern. Mal sind es 5.000, mal 20.000, mal, wie gestern in Berlin, 65.000 Menschen. Jedem Menschen seine Facon. Denn eines steht bei all dem fest: Ich gönne wirklich jedem Einzelnen so gut wie fast alles. Ich kenne weder Neid noch Missgunst (also, ganz selten). Aber vor allem – ich möchte, dass ich gesund bleibe. Ich, und die Menschen die mir nahestehen.

Nun werde ich mich zum Beispiel äußerst sicher fühlen, wenn ich Mitte August mit zur Zeit angedachten 6.500 anderen RWE-Fans im Stadion Essen das erste Heimspiel dieser Spielzeit besuche. Ich weiß, dass mein Verein und auch andere Clubs im Verbund mit den jeweiligen Gesundheitsämtern Konzepte erarbeitet haben, denen ich vertraue. Explizit am Beispiel meines Vereins, Rot-Weiss Essen. Schon im vergangenen Oktober, beim einzigen Spiel der abgelaufenen Saison mit 5.000 Zuschauern, war dies der Fall. Und ich bin davon überzeugt, dass in dieser Spielzeit ebenso gewissenhaft vorgegangen wird, erst mit 6.500 Anhängern, sukzessive dann mehr im Laufe der Saison, je nach Lage. Die Verantwortlichen von Verein und Stadt wissen schon, was sie da tun, in dieser Causa. Ich habe da für mich keine Bedenken.

Archivbild, Oktober 2020

Kommen wir nun zum, wie man so schön sagt, Pudels Kern. Es gibt da Leute, zum Beispiel aus dem Bereich der Politik, die auffallend und doch bedächtig schweigen, wenn es um oben erwähnte Menschenmassen bei Demonstrationen auf den Straßen geht. Die aber als Erste das Messer wetzen und moralinsaure Reden halten, wenn es um Menschen geht, die ein Fußballspiel besuchen möchten. Die in ihrer Meinung einerseits wohlwollend viele Dinge laufen lassen, andererseits aber ohne jedes vernünftige Maß aburteilen. Und genau das ist es, was ich nicht verstehe, was ich nicht gutheißen möchte. Denn zum Beispiel 20.000 (oder 6.500, wie wohl erstmal ab August an der Hafenstraße) Menschen in einem Fußballstadion sind nicht besser und nicht schlechter, als 20.000 Menschen aus welchen Gründen auch immer auf irgendeiner Straße irgendwo in diesem Land. Wenn es anscheinend kein Problem darstellt, 20.000 oder mehr Menschen in weiten Teilen ohne die Möglichkeit der Rückverfolgung auf den Straßen demonstrieren zu lassen, dann erkenne ich nicht die Schwierigkeit, 20.000 Menschen ein Fußballspiel in einem 60k-Stadion ohne große Motzerei verfolgen zu lassen. Das sind Doppelstandards, das ist Doppelmoral. Frei nach George Orwells „Farm der Tiere“: Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher. Und das kann es einfach nicht sein.

7 Kommentare zu „Doppelstandards“

  1. Ein schwieriges Thema. Natürlich erscheint es im ersten Moment völlig widersinnig. Jedoch ist das Demonstrationsrecht eine der Grundsäulen unserer Demokratie. Das kann man nicht einfach ausknipsen, wie man es vielleicht gerne würde. Jedoch wie am Wochenende hier in Berlin geschehen, bei 65.000 andere Schätzungen gingen von 85.000 aus, hört jedes vernünftige Maß auf. Angemeldet waren, nach meinem Kenntnisstand, 20.000.

    On nun bei Demos oder im Stadion, nach den Regeln der Hygienevorschriften laufen diese Veranstaltungen größtenteils nicht ab. Das sah man in Berlin und das sah man am Wochenende in den Stadien der zwei Profiligen.

    Obwohl doppelt geimpft würde ich im Moment nicht ins Olympiastadion gehen, selbst wenn ich dürfte. Jedoch muss das jeder mit sich ausmachen.

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    1. Das muss in der Tat jeder für sich selbst ausmachen. Mir geht’s auch gar nicht um „Stadion voll, sofort“. Mir geht’s lediglich um eine gewisse Doppelmoral in dieser Causa, die so manche Person in der Politik, des öffentlichen Lebens an den Tag legen. Und Doppelmoral mag ich überhaupt nicht.

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  2. Ach wenn doch bloß diese schreckliche Pandemie vorbei wäre.
    Weiß nicht, was ich von all dem Hin und Her halten soll.
    Hoffentlich gibt es keine nächste furchteinflößende Welle.
    Mach einfach was du für richtig hältst.
    Die AHA Regeln weiter befolgen ist sicher das Beste.
    Viel Spaß beim Spiel und toi toi toi!
    LG Brigitte

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  3. Zumal die Konzepte ja auch im Herbst letzten Jahres funktioniert hatten.
    Ich sehe das ganz genauso wie Du – und wenn ich wirklich das Gefühl habe, im Stadion kommt mir jemand zu nah auf die Pelle, dann muß ich halt den Abstand wiederherstellen. Auf der Autobahn mache ich das ja auch 😉

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    1. Auf der Autobahn, beim Aldi, überall. Mir geht’s aber zuvorderst um diese Menschen, die mit zweierlei Maß messen. Ich unterscheide nicht zwischen Menschenmassen in einem Stadion, und Menschenmassen z.B. auf den Straßen von Berlin. Demonstationsrecht hin oder her.

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