Über verdiente Spieler

Ich glaube, in kaum einer anderen Mannschaftssportart sind Spieler- und auch Trainerwechsel so häufig vorzufinden, wie im Fußball. Nehmen wir mal die unteren Ligen raus, wo der rustikale Innenverteidiger mit der Plauze und dem schütteren Haar schon mal von der E-Jugend bis Anfang/Mitte 40 für ein und denselben Verein kickt. Aber wenden wir uns höheren Ligen zu, sind Vereinswechsel nahezu an der Tagesordnung. Kaum hat man sich den zungenbrechenden Namen des neuen montenegrinischen Mittelfeldspielers aus Andrijevica gemerkt und kann ihn halbwegs schreiben, schwupps, da ist er auch schon wieder weitergezogen. Ein besser dotiertes Angebot, die Möglichkeit, eine neue Sprache zu erlernen und eine neue Kultur kennenzulernen (ja ne, is klar) oder einfach nur irgendwelche Unstimmigkeiten, die einen Verbleib irgendwie unmöglich machen. Irgendwas ist ja immer.

Und das finde ich manchmal ein bisschen schade, denn ich mag es durchaus, mich an Spieler (sofern sie regelmäßig ihre Leistung abrufen, klar) zu gewöhnen. Für mich ist Kontinuität auch ein Stück weit Stabilität, oder, ganz einfach – ich baue zu langjährigen Spielern ein Gefühl der Vertrautheit auf, selbst dann, wenn ich sie persönlich gar nicht kenne. Aber sie zu „Adiole“ auf dem Rasen an der Hafenstraße auflaufen zu sehen, das gibt mir eben dieses gute Gefühl. In der Regel weiß man auch, was man dann bekommt. Nämlich eine völlige Identifikation mit dem Verein.

Gestern wurden nun zwei langjährige Stützen des Vereins Rot-Weiss Essen in allen Ehren verabschiedet; Kevin Grund, zehn Jahre im rot-weissen Trikot und Marcel Platzek, acht Jahre unsere Farben tragend. Und abseites von irgendwelchen Diskussionen, ob die Abschiede sportlich Sinn machen oder nicht, verspüre ich heute ein bisschen Wehmut. Denn Grund und Platzek waren für mich im weitesten Sinne Familie, die ich immer gerne sah, wenn ich im Wohnzimmer Hafenstraße war. Weil ich wusste, was ich von ihnen bekam. Nun werden sie in dieser Spielzeit fehlen. Ich habe keine Zweifel daran, dass sie rein sportlich betrachtet vom Verein adäquat ersetzt wurden. Aber dieses bisschen Wehmut bleibt halt noch ein paar Tage, aber so einige gute Erinnerungen bleiben länger. Alles Gute auf dem weiteren Weg, Kevin Grund und Marcel Platzek. RWE for life.

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