Führungsspieler

Nachdem der Kader von Rot-Weiss Essen für die kommende Spielzeit nun mehr oder weniger steht, macht sich der geneigte Anhänger natürlich so seine Gedanken, ob denn da auch alles richtig gemacht wurde. Schließlich schlummert in jedem von uns ein kleiner Sportdirektor, ein kleiner Trainer. Und meistens wissen wir sehr genau, welche Spieler der Verein abgeben sollte, welche er verpflichten sollte und selbstverständlich auch warum. Daran ist auch gar nichts verwerflich, denn unter anderem von solchen Diskussionen lebt der Fußball; passt Spieler A überhaupt zum Verein, ist die Position von Spieler B nicht schon doppelt besetzt und ist Spieler C nicht vielleicht schon etwas zu alt (wahlweise noch zu jung). Das altbekannte Managerspiel, und klar, es macht immer Spaß.

Ich gebe zu, ich bin so ein Typ, der besonders darauf achtet, darauf Wert legt, dass ein Kader altersmäßig eher etwas über dem Durchschnitt liegt. Weil ich der Meinung bin, dass Erfahrung, Reife und auch Mentalität erst ab einem gewissen Alter in einem wirklich vollumfänglichen Maße vorzufinden sind. Was jetzt natürlich nicht heißt, dass ich jüngeren Spielern diese Qualitäten per se abspreche. Auch ein 22-jähriger kann schon ein, bemühen wir mal die Fußballsprache, das mache ich ja immer gerne, “abgewichster Hund“ sein. Und die rein fußballerische Qualität eines Kickers ist nur selten vom Alter abhängig; wenn du kicken kannst, dann kannst du halt kicken, das kannst du dann nur noch etwas verfeinern. Oder du hast einen guten Trainer, und lernst noch von deinen Mitspielern. Aber die oben angesprochenen und für mich unabdingbaren Eigenschaften, die nehmen mit dem Alter in der Regel sukzessive zu. Und das ist völlig normal.

Nun hat RWE für die kommende Spielzeit unter anderem zwei Spieler verpflichtet, Zlatko Janjić und Sören Eismann, die schon jenseits der 30 sind. Dazu sind drei feste Säulen im Team, Daniel Davari, Dennis Grote und Simon Engelmann, ebenfalls schon über dieser ominösen Zahl 30. Einige mögen jetzt denken, dass diese Spieler keine große Option auf die Zukunft sind, und da sage ich – ja, stimmt eigentlich. Zumindest nicht dann, wenn man gedanklich einen Fünfjahresplan aufstellt. Aber ich halte nicht allzu viel von Plänen dieser Art (mal ganz abgesehen davon, dass RWE jede Menge Perspektivspieler Anfang und Mitte 20 im Kader hat). Denn mir ist es wichtig, dass eine Mannschaft so zusammengestellt wird, dass sie in der kommenden Saison die größtmögliche Aussicht auf Erfolg verspricht. Und das ist meiner Meinung nach gegeben. Wir haben da eine gute Mischung aus jungen Talenten, mittelalten und schon wichtigen Kräften sowie eben diese Handvoll älterer Spieler, Spieler über 30, Führungsspieler, die nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine eminent wichtig für den Erfolg, für die Stabilität einer Mannschaft sind. Sollte jemand aus diesem Text herauslesen, dass ich kein großer Freund von flachen Hierarchien bin – das ist richtig. Denn jedes Team braucht diese zwei, vielleicht drei oder vier Spieler, die den Laden im Griff haben. Vor allem dann, wenn es mal nicht so gut läuft.

Nur der RWE.

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