Über gute Verlierer und schlechte Gewinner

Keine Frage, ich sehe mich eigentlich als guten Verlierer. Als Fußballfan, und explizit als jahrelanger Anhänger von Rot-Weiss Essen hatte ich nun auch hin und wieder die Gelegenheit, mich in dieser für manche Menschen nicht so ganz einfachen Disziplin zu üben. Verlieren mit Anstand, gewinnen mit Anstand. Manchmal ist das alles nicht so einfach, gerade nach extrem nervenaufreibenden Spielen, Situationen, aber dann beißt man halt einfach auf die Zähne und gut ist. Man muss ja nicht als dummes Arschloch dastehen, wenn man es irgendwie vermeiden kann.

Auch den gestrigen Tag, die Niederlage im Aufstiegskampf im Fernduell gegen die Zweitvertretung des BVB, habe ich relativ schadlos überstanden. Klar, die Enttäuschung ist groß und man fühlt erstmal eine noch größere innere Leere, man ist wirklich ziemlich mies drauf. Aber deswegen habe ich nicht meine Freundin angeschrien, unsere drei Kater nicht verhungern lassen und habe beim Einkaufen am Abend auch nicht die Kassiererin beim Lidl grundlos zur Sau gemacht. Ernsthaft, bei aller aufkommenden Frustation bin ich immer ein guter Verlierer, wenn ich denn mal verliere. Und das ist gut so.

Es gibt da aber leider auch Menschen, die das einfach nicht so gut draufhaben, nicht verinnerlicht haben. Diese Sache mit dem guten Verlieren, und vor allem mit dem anständigen Gewinnen. Die sich als brutal miese Gewinner entpuppen. Wie zum Beispiel die U23 des BVB, die nach ihrem erfolgreich absolvierten Spiel in Wuppertal gestern keine bessere Idee hatte, als „Adiole“, die quasi heilige Vereinshymne von Rot-Weiss Essen und seiner Anhänger, in der Kabine anzustimmen. Klar, kann man mal machen. Wenn man keine eigenen Lieder hat, die einem im Falle eines Triumphes einfallen, wenn man vielleicht einfach noch zu jung und zu unerfahren ist, wenn man Anstand erstmal nur in ganz geringen Dosen besitzt, wenn man – klipp und klar – ein ganz schlechter Gewinner ist. Und ehrlich: Ich bin alles andere, als ein moralinsaurer Moralapostel und bigotter Zeigefingerheber. Ganz im Gegenteil. Aber so geil und groß ich mich auch gerade fühlen würde, und selbst, wenn ich schon eine Menge Schampus intus hätte, ich käme einfach nicht auf den Gedanken, zu versuchen, den bezwungenen Kontrahenten derart zu verhöhnen. Das ist schlechter Stil, Punkt. „Adiole“, das singt Essen und sonst keiner.

Nun ist noch ein Einspruch von RWE anhängig, dessen Verhandlung ich gelassen entgegensehe. Denn eigentlich bin ich kein großer Freund, von Entscheidungen am Grünen Tisch. Ich mag es, wenn die Dinge auf dem Platz geregelt werden. Wo sie hingehören. Ich weiß auch nicht um eine etwaige Erfolgschance dieses Einspruchs, weil es für diesen absolut keinen Präzedenzfall gibt. Aber was ich genau weiß – sollte RWE an diesem ominösen Grünen Tisch eventuell doch noch aufsteigen, dann wird irgendjemand das fette Grinsen aus meinem Gesicht in stundenlanger Arbeit mit einem Meißel herauszimmern müssen. Denn über die Art und Weise, wie man denn gewinnt, gäbe es in explizit dieser Causa dann für mich keine Diskussionen mehr. Punkt. Und falls es beim Status Quo bleiben sollte – man sieht sich immer zweimal im Leben. Auch im Fußball. Und das Karma kann einem ziemlich schnell auf die eigenen Füße fallen.

Nur der RWE.

3 Kommentare zu „Über gute Verlierer und schlechte Gewinner“

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