Wo sind all die Jahre hin?

Verrückt, oder? Im zehnten Jahr kickt Rot-Weiss Essen nun in der Regionalliga West, zehn Jahre ist es her, dass den jungen Wilden um Brauer, Wagner, Thamm & Co. der Aufstieg aus der fünftklassigen NRW-Liga gelang. Mit Waldemar Wrobel als Rudelführer in einer grandiosen Saison, wie man sie davor wie auch danach lange nicht an der Hafenstraße erleben durfte. Zehn Jahre, mein lieber Scholli. 2011; das havarierte Atomkraftwerk in Fukushima, Prinz William heiratet die bürgerliche Kate Middleton, ein Space Shuttle landet zum letzten Mal in Cape Canaveral und Amy Winehouse wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Der Club 27.

Manchmal kommt es mir so vor, als wäre das alles nicht vor zehn Jahren, sondern erst vor ein paar Monaten passiert. Die Zeit rennt wie verrückt, die Welt kommt kaum zur Ruhe und der Fußball sowieso nicht. Aber hättest Du mir vor zehn Jahren gesagt, dass wir 2021 immer noch in der Regionalliga West spielen, ich hätte Dich entweder hart ausgelacht oder Dir ein Bier über den Kopf geschüttet. Falls Du mir das in irgendeiner Kneipe prophezeit hättest. Denn auf sowas reagiere ich meist unlustig.

Wie dem auch sei, in diesen zehn Jahren haben unzählige Spieler das Trikot von Rot-Weiss Essen getragen, manche wurden zurecht schnell wieder vergessen, manche halten wir in Ehren und ein Marcel Platzek hat sich einen Eintrag in den rot-weissen Geschichtsbüchern mehr als verdient. Eine Handvoll Sportchefs kamen und gingen, mal mit einem recht glücklichen Händchen, mal mit einem desaströsen Auftritt wie der unfassbare Dr. Uwe Harttgen aka Dr. Mabuse. Trainer, ich weiß nicht mehr wie viele. Die Spielzeiten waren in der Regel früh entschieden, und das nie zu unseren Gunsten. Aber egal, was in diesen zehn Jahren auch passierte, ins Stadion Essen gingen Du und ich so gut wie immer. Warum auch nicht, denn Liebe kennt bekanntlich keine Liga (auch wenn die Regionalliga West es einem manchmal wirklich schwer macht, echt) und ein anderer Verein als Rot-Weiss Essen kam nie infrage, steht jetzt eh nicht zur Disposition und wird immer Dein und mein Verein sein. Das ist wie das Amen in der Kirche.

Der Grund für diese Zeilen, die ich, wie man vielleicht durch die Zeilen lesen kann, bei einem Blick durch das Fenster auf ein echtes Sauwetter verfasse, ist der, dass ich in dieser Spielzeit endlich mal wieder – genauer: seit zehn Jahren – zufrieden bin. RWE spielt die beste Saison seit gefühlt ewig, hat im DFB-Pokal eine famose Rutsche hingelegt und greift noch Ende Mai nach der Meisterschaft und dem Aufstieg. Der Kader macht Laune, die handelnden Personen im Verein wissen genau was sie tun. Und wenn es am Ende vielleicht doch nicht reichen sollte, dann werde ich den verdammten Teufel tun und wem auch immer einen Vorwurf machen. Denn das wäre schlechter Stil, unangebracht und auch ein bisschen dämlich. Aber das ist für mich zur Zeit sowieso obsolet, weil ich noch zu, sagen wir… 71% an den Aufstieg glaube. 71, das ist für mich ein valider Wert, mit dem ich gut und gerne arbeiten kann. Nach den letzten zehn Jahren auf jeden Fall.

Nur der RWE.

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