Liebe in Zeiten der Pandemie

Ich höre seit Monaten sehr oft, dass Corona die Beziehung zwischen Fußballfans und ihrem jeweiligen Verein auf eine harte Probe stellt. Nicht mögliche Stadionbesuche, Geisterspiele; eine allgemein negative Grundstimmung soll dafür verantwortlich sein, dass Anhänger zum Verein ihrer Wahl auf Distanz gehen, gegangen sind. Dass diese Beziehung – nennen wir sie mal Zuneigung, Hingabe, oder auch das Wort aus dem obersten Regal, Liebe – zur Zeit auf eine harte Probe gestellt wird. Durch Umstände, die ausschließlich einer höheren Gewalt geschuldet sind. Man entferne sich voneinander, allein durch die Tatsache, dass seit längerer Zeit, über ein Jahr, um genau zu sein, keine regulären Zuschauer mehr ins Stadion dürfen. Und eine Beziehung, die über einen so langen Zeitraum quasi nur virtuell funktioniert, funktionieren soll, nämlich in den sozialen Netzwerken, sei früher oder später einer harten Belastungsprobe ausgeliefert. Ich kann das nicht wirklich verstehen und möchte das dewegen auch nicht bejahen.

Seit dem Ausbruch dieser Pandemie schreibe ich darüber. Über die Auswirkungen auf den Fußball, auf RWE explizit, über die Dinge, die man entweder noch hat oder gerade eben nicht. Ich bin einer der Wenigen, denen der Zutritt zum Stadion Essen gestattet ist; meistens freue ich mich darüber, manchmal schäme ich mich dafür tatsächlich in Grund und Boden. Ich diskutiere mit anderen Anhängern vor Ort, ich interagiere mit vielen anderen über meinen Blog, über Facebook, Twitter oder Instagram. Oder real im Zug, beim Einkaufen oder einfach nur auf der Straße. Und so wahr wie ich hier gerade die Tasten bediene: mir ist in dieser Zeit noch nicht ein Anhänger von Rot-Weiss Essen begegnet, der auch nur einen Millimeter von seinem Verein abgewichen ist. Jeder Einzelne ist RWE.

Und das ist das Großartige, rein sportlich betrachtet, was ich aus dieser Pandemie ziehe. Vielleicht mögen einige Anhänger anderer Vereine so empfinden, denken: schrumpfendes Interesse, rückläufige Sympathien, durch die äußeren Umstände, durch was auch immer für Entwicklungen in diesen Zeiten begründet. Und ja, vielleicht wird Corona den Fußball langfristig verändern, vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es schon passiert, auf manchen Ebenen. Aber in einem, da bin ich mir absolut sicher. Nicht ein einziger Fan von Rot-Weiss Essen wird seinem Verein gerade jetzt in dieser Situation den kalten Rücken zuwenden. Das wäre auch ziemlich dumm, denn der Verein kann am wenigsten etwas für das, was in den letzten Monaten in diesem Land und mit diesem wunderbaren Sport geschehen ist. Liebe in Zeiten der Pandemie. Ich wollte das nur kurz mal eben erwähnt haben.

Nur der RWE.

2 Kommentare zu „Liebe in Zeiten der Pandemie“

  1. Denke ich ganz ähnlich. Da wird die Liebe auf eine andere Art ausgedrückt derzeit, Geht ja auch kaum anders. Vielleicht bleibt davon auch was hängen in der Form, daß manch einer beim Streamgucken bleibt. Vielleicht findet auch nicht mehr jeder alles prinzipiell toll durch eine gewisse Entfernung (nicht Entfremdung). Aber die Liebe zum Verein dürfte doch bleiben.

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