Sing When You’re Winning

Es gibt sehr viele Dinge, die man in diesen unseligen Corona-Zeiten während eines Fußballspiels vermisst. Egal ob vor dem Fernseher, oder als einer der wenigen Menschen in einem Stadion, die das Glück haben aber auch die Bürde tragen, anwesend sein zu dürfen. Wir müssen jetzt gar nicht groß auflisten, was da explizit alles fehlt. Denn es fehlt so gut wie alles, was den Fußball ausmacht. Was ich aber besonders vermisse, ob im Stadion oder vor der Flimmerkiste, das sind die Gesänge. Was du im Fernsehen meist nur wie in Watte verpackt wahrnimmst, weil die Mikrofonausrichtung dahingehend gedämpft ist und ein übereifriger Kommentator immer gerne dazwischenquasselt, was dich im Stadion aber manchmal mit voller Wucht packt und förmlich von deinem Steh- oder Sitzplatz schleudert. Ich liebe es, wenn viele Menschen gemeinsam singen. Laut, kräftig und gerne auch mal schief. Solange sie keine Songs von Coldplay oder Helene Fischer zum Besten geben.

Sing when you’re winning

An der Hafenstraße zu Essen spielen und singen wir vor Beginn eines jeden Spiels, beim Einlaufen der Mannschaften Adiole, seit ich mich erinnern kann und damit wohl seit Anbeginn der Zeit. De facto aber wohl seit etwa Mitte der 70er. Der Song der Schwedin Siw Malmkvist ist eigentlich ein Liebeslied, in der eine Frau ihrem Mann oder Freund gegenüber ihre Zuneigung und Liebe zum Ausdruck bringt.

„Die Welt für mich heißt du und ich.
Wie Luft und Licht, so brauch‘ ich Dich.
Du bist mein ABC, mein großes Einmaleins.
Wie ein Magnet ziehst du mich an,
ich bin so gern in deinem Bann.
Die Welt für mich, die Welt für mich heißt du und ich.“

Ganz ehrlich: das ist tatsächlich so dermaßen kitschig, dass es schon wieder herausragend ist. „Seit wir zwei uns gefunden – Adiole. Kenn‘ ich nur frohe Stunden – Adiole.“ Gut, es waren zwar auch ein paar nicht ganz so frohe Stunden dabei, aber im Großen und Ganzen trifft es das schon ganz gut. Wir singen dieses Lied, um unsere Zuneigung, unsere Liebe zum Verein zu verkünden. Dem Verein, uns selbst und der ganzen Welt. Egal, was da noch kommt und was die Welt so davon hält.

Und auch für den Rest eines Spiels, genieße ich die Gesänge, sauge sie förmlich auf. Mal lauter, mal leiser, mal wie eine Boeing 747, die zehn Meter über deinen Kopf hinwegbrettert. Du singst mit, mit Inbrunst, fühlst dich als ein zwar kleines aber wirklich nicht unwichtiges Teil des Ganzen; denn wenn du singst, dann bist in diesem Moment einer von fünf-, zehn- oder fünfzehntausend Mick Jaggers. Egal, ob du einen Ton triffst oder nicht. Ich zum Beispiel treffe grundsätzlich keinen Ton, mein Gesang/Geschrei hört sich meistens an wie ein verendender Braunbär mit ganz mieser Laune. Aber das ist mir völlig egal. Und es gibt wirklich nicht viel, was ich mir in Bezug auf den Fußball zur Zeit mehr wünsche. Singen, schreien, mit fünf-, zehn- oder fünfzehntausend anderen Anhängern von Rot-Weiss Essen an der Hafenstraße 97a.

Nur der RWE.

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