Football, bloody hell

Manchmal macht der Fußball mit manchen seiner Anhänger Dinge, die mit reiner Rationalität allein nicht mehr zu erklären sind, auch nichts zu tun haben. Ganz besonders werden oftmals Fans von Rot-Weiss Essen geprüft, respektive einer harten Belastungsprobe ausgesetzt. Ich meine, als Anhänger von RWE, da führst Du nicht das Leben eines „normalen“ Fußballfans. Du wechselst viel zu oft, im Monats- wenn nicht gar im Wochentakt zwischen Himmel und Hölle. Hat nicht jeder, kann man machen, muss man vielleicht nicht ist aber letztendlich alternativlos. Denn Du bist Rot-Weiss Essen.

Nehmen wird zum Beispiel nur einmal diese Spielzeit, die nun rund drei Viertel ihrer Laufzeit hinter sich gebracht hat. Mehr kriegst du doch in bislang ziemlich genau sieben Monaten gar nicht rein, mehr geht einfach nicht. Drei überstandene Runden im DFB-Pokal, mit Auftritten, die an Wahnsinn und Hingabe eigentlich nicht zu überbieten sind; eine Hinrunde, die wohl zum Besten zählt was eine Essener Mannschaft jemals auf den Rasen an der Hafenstraße 97a gezimmert hat. Und dann eine Rückrunde, in welcher der – wie ich es immer gerne nenne – Flow in weiten Teilen auf einmal nicht mehr vorhanden, nicht mehr zu spüren war. Diese scheinbare, weil von außen schwer zu greifende aber gut zu beobachtende Leichtigkeit, dieses Selbstverständnis, mit der zu Anfang und auch noch bis etwa Mitte dieser Saison manchmal auch enge Spiele zu Essener Gunsten entschieden wurden, es stotterte zusehends. Auch das Spielglück, welches man niemals unterschätzen darf und auf keinen Fall vergessen solle, hatte sich plötzlich und intuitiv auf den Gegner verständigt. Manche Dinge kann man beeinflussen, manche nicht. Und oft kommt alles zusammen, im Postiven wie auch im Negativen. In einer Saison, an einem Spieltag. Nennt man dann Fußball.

rwe

Jedenfalls, am Ostersamstag hat sich an der Hafenstraße so einiges wieder zurückgemeldet. Das Selbstbewusstsein, der sichere Spielfluss über die allerweitesten Strecken des Matches, sowie – der Flow. Ja, ich glaube wirklich an diesen Flow, an diese Welle, die eine Mannschaft durch eine ganze Saison tragen kann. Sie legt vielleicht mal eine kleine Ruhepause ein, sie bricht, nimmt dann aber wieder an Fahrt auf. Im Optimalfall. Und so ein äußerst befriedigender Fünferpack, wie jetzt am Samstag gegen die Blauen, die nördlich von Essen zu Hause sind und die niemand so recht mag mag, der ist nicht nur gut für die Tabelle, vielleicht noch für das Torverhältnis, sondern auch eminent wichtig für die Köpfe der Spieler. In denen wird nämlich die Niederlage beim Schlusslicht in Ahlen temporär eine nicht gerade kleine Rolle gespielt haben, so wie auch der Last-Minute-Gegentreffer in Oberhausen. Denn auch Fußballspieler sind nur Menschen, auch wenn wir manchmal denken, dass sie gefälligst Übermenschliches vollbringen sollten. Ganz so einfach ist das alles aber nicht, gerade in dieser Corona-Mammutsaison.

Was ich, und darum ging es mir in diesen Zeilen eigentlich, aber ich schweife ja gerne mal vom eigentlichen Thema ab, dann gestern, am Ostersonntag tat: Ich habe anhand eines Livetickers im Internet verfolgt, wie unser Rivale, das unselige Zweitprojekt des BVB, gegen Fortuna Köln spielte. Ich meine, es ist Ostersonntag, die Freundin bereitet in der Küche unter größten Mühen ein opulentes Ostermahl für 4 Personen (zwei Haushalte!) vor, und der beknackte Herr Fußballblogger hängt fast zwei Stunden am Rechner und damit im Internet ab, um sich virtuell das Spiel einer eigentlich völlig egalen Zweitvertretung zu geben. Frohe Ostern. Football, bloody hell! Wirklich schlimm ist allerdings, dass das in dieser Spielzeit nicht das letzte Mal gewesen sein wird, denn wie wir alle wissen: Eine Oper ist erst vorbei, wenn die dicke Frau gesungen hat, hinten kackt die Ente und ein Stones-Konzert ist üblicherweise erst dann zu Ende, wenn Mick Jagger „Satisfaction“ gesungen hat.

Nur der RWE.

 

4 Gedanken zu “Football, bloody hell

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