Duell

Klar, ich hätte es natürlich auch gerne gesehen, wenn Rot-Weiss Essen am heutigen Tag die Tabelle der Regionalliga West mit zehn oder zwölf Punkten vor dem Zweitprojekt des BVB anführen würde. Man wäre als geneigter Anhänger deutlich entspannter, der Kopf wäre ein bisschen freier und der Champagner oder die drei Sixpacks Bier für die dieses Mal leider wohl heimische Aufstiegsfeier ständen schon auf der virtuellen Einkaufsliste. Aber, wie das im Leben nun mal so ist: Wir reden hier über Fußball, und nicht über ein Wunschkonzert. Oder um es mit dem großen Philosophen Mick Jagger zu sagen – You can’t always get what you want, but if you try sometimes, well, you get what you need.

Also, nehmen wir es so wie es ist. Das Duell mit der ungeliebten Zwoten der Borussia ist seit Monaten in vollem Gange, und es wird, da muss man kein allzu großer Prophet sein, erst kurz vor Ende – oder erst tatsächlich am Ende – dieser Spielzeit entschieden werden. Denn beide Mannschaften sind in etwas gleich stark, wovon nicht nur die beiden Unentschieden zeugen, die auf der Roten Erde wie auch an der Hafenstraße zustande kamen. Und wer sich schon länger mit Fußball oder mit Sport allgemein beschäftigt, der weiß, dass eine solche Konstellation, ein solch langer und zäher Kampf durchaus auch seine Reize haben kann. Man nehme zum Beispiel den legendären Thrilla in Manila aus dem Jahre 1975, den letzten von drei erbitterten Kämpfen zwischen Muhammad Ali und George Frazier, den Ali nach der 14. Runde durch die Aufgabe Fraziers gewann. Nach der 14. von damals noch 15. Runden. Man stelle sich vor, Ali hätte Frazier schon nach zwei oder drei Runden auf die Bretter geschickt. Kaum einer würde über diesen Kampf heute noch reden, und ich gerade nicht darüber scheiben. Es sind diese harten und unerbittlichen Long Distance Fights, die im kollektiven Gedächtnis haften bleiben, nicht die schnellen und einfachen Siege. Kann man einen Boxkampf über knapp 15 Runden eigentlich mit einer Spielzeit im Fußball vergleichen? Hm, vielleicht ja, vielleicht nein. Aber ich denke, Rot-Weiss Essen ist in dieser Saison ein bisschen wie Muhammad Ali. Ali war in seinen Kämpfen nicht immer durchgehend auf den Punktezetteln der Ringrichter vorne, aber am Ende hat er seine Gegner meistens auf den staubigen Ringboden gehämmert. Er glaubte daran.

Worauf ich letztendlich hinaus will: Ich möchte niemanden mehr darüber reden hören, dass der BVB eventuell stärker sei, als Rot-Weiss Essen. Ich weiß, dass unsere Mannschaft, dass der Verein das nicht denkt. Und ich möchte, dass das komplette Essener Umfeld in seiner Denkweise voll und ganz hinter dem Verein und dieser Mannschaft steht. So wie Muhammad Ali immer davon überzeugt war, dass er am Ende eines Kampfes gewinnen wird. Auch dann noch, wenn er auf den Punktezetteln der Ringrichter nicht während des ganzen Kampfes vorne lag. Es geht immer nur durch den Glauben an sich selbst, an die eigene Stärke. So wie Ali. Last man standing.

Nur der RWE.

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