Ein Jahr, drei Wochen und drei Tage

Ein Jahr, drei Wochen und drei Tage. So lange ist es nun her, dass Rot-Weiss Essen in einem Pflichtspiel einer anderen Mannschaft unterlag. Hätte mir vor einem Jahr, drei Wochen und drei Tagen irgendjemand gesagt, dass mein Verein in diesem Zeitraum ungeschlagen bleibt, ich hätte aus Gründen empfohlen, diese Person auf ihre geistige Zurechnungsfähigkeit hin überprüfen zu lassen. Nun, später ist man immer schlauer.

Aber was machen diese nackten Zahlen, was macht diese Serie, die in dieser Form noch nie dagewesen ist, mit einem überzeugten Anhänger von RWE? Zuallererst natürlich zufrieden, glücklich und auch ein bisschen stolz. Denn im zehnten Jahr Regionalliga West ist dieser Flow exakt das, was die manchmal leidende Seele eines eingefleischten Rot-Weissen gründlich aufpoliert. Über ein Jahr ohne Niederlage in der Liga, dazu noch drei herausragende Siege im DFB-Pokal gegen Bielefeld, Düsseldorf und Leverkusen, mal salopp gesagt – da kann man tatsächlich mit arbeiten. Was natürlich nicht dazu führen soll, dass man in dieser angenehmen Tatsache gedanklich zu sehr versackt. Denn, und da muss man ja kein bösartiges Orakel für sein, irgendwann wird diese Serie mal reißen. Je später allerdings, desto besser. Versteht sich von selbst.

Das Stadion Essen ist wieder – oder das erste Mal so richtig? – zu einer Festung geworden, zur Festung Hafenstraße. Uneingenommen. Leider mit dem Makel, dass die Spieler diese Festung ohne die Unterstützung von uns Anhängern verteidigen müssen. Was ihnen ganz hervorragend gelingt. Es kursiert da diese leidige These, dass unsere Mannschaft nur deswegen so einen Lauf hat, weil sie nicht vor vollen Rängen spielen „muss“. Ich halte diese Denkweise, diese Diskussion für falsch, und aus einem ganz einfachen Grund für nichtig: Man kann es nicht verifizieren. Und ich verweigere für mich den Gedanken, dass diese so homogene und wirklich intakte Mannschaft, wie hier seit Jahren keine auf den Platz lief, auch nur einen Punkt weniger hätte, würde sie vor vollen Rängen spielen. Ich halte das für absurd.

Ein Jahr, drei Wochen und drei Tage. Morgen steht nun endlich das nächste Ligaspiel bei der Zweitvertretung von Fortuna Düsseldorf an, und kommenden Mittwoch gastiert Holstein Kiel im Viertelfinale des DFB-Pokals an der Essener Hafenstraße. Ich bin nicht so vermessen, zwingend davon auszugehen, Ende nächster Woche von einem Jahr, vier Wochen und ein paar Tagen zu reden. Andererseits, ich hätte auch nichts dagegen. Denn dieser Mannschaft traue ich mittlerweile so ziemlich alles zu. Aber sollte diese schöne Serie in einem der beiden Spiele reißen, so würde dies keinen Beinbruch darstellen. Denn dann startet man einfach eine neue.

Nur der RWE.

2 Gedanken zu “Ein Jahr, drei Wochen und drei Tage

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