Springsteen


Gestern stand für Rot-Weiss Essen mal wieder ein Match bei der Zweitvertretung des ungeliebten nördlichen Nachbarn an (1:1, der Spielbericht in Kürze bei Nullsieben), der sich da selbst Schalke 04 nennt (mit diesem kleinen Satzkniff umgehe ich es, diesen Verein auch so zu nennen, geschickt, oder). Und im Gegensatz zu den letzten etwa zehn Jahren, in denen die Zwote der Blauen ihre „Heimspiele“ in der Mondpalast-Arena in Herne (hört sich romantisch an, sieht aber nicht so aus) absolvierte, fand dieser Kick in den leidlichen Überresten des alten Parkstadions statt, nur einen Steinwurf entfernt von der Arena, dessen Namen wir ebenfalls nicht nennen wollen. Ich darf an dieser Stelle verkünden: Ich war nicht da. Und, noch besser: Ich habe noch nie in meinem Leben ein Spiel auf Gelsenkirchener Hoheitsgebiet gesehen; egal, welchen Namen das jeweilige Bauwerk auch trug.

Jetzt muss ich vorab natürlich Blogger-Kollegen sowie Radio- und Fotoreporter in Schutz nehmen, die gestern im Auftrag der Essener, der RWE-Berichterstattung diesen unheiligen, von Gott verlassenen Boden betraten, betreten mussten. Hier gilt es, der Informationspflicht nachzukommen und den rot-weissen Anhang mit Berichten und Bildern zu versorgen, und ich danke an dieser Stelle aufrichtig für den wagemutigen Einsatz, gerade in Zeiten einer Pandemie ein Gebiet zu betreten, welches schon in normalen Zeiten… okay André, hier reicht es. Manchmal lesen ja auch Kinder mit.

Nein, die Sache ist einfach die: Ich habe mir irgendwann einmal geschworen, wann genau weiß ich nicht mehr, ich glaube Anfang der 90er, niemals ein Spiel in einem Stadion der Blauen zu besuchen. Ich habe damit bis heute auch nie gebrochen, denn ich habe lediglich zwei Konzerte auf kontaminiertem Boden gesehen; die wirklich großartigen Simple Minds 2006 in der Glückauf-Kampfbahn, sowie Bruce Springsteen 2003 in der Arena, in der sie dieses merkwürdige Bier auschenken. Ansonsten – nichts, nada, niente. Aber der Boss, der offiziell zweite neben Helmut Rahn, war einen Besuch wert. Knapp drei Stunden mythische Power ohne Pause mit Springsteen und der E Street Band, da vergisst du ziemlich schnell, dass du dich eigentlich auf verbotenem Terrain befindest; die Kraft und die Magie des Rock ’n‘ Roll versetzen dich in einen äußerst angenehmen Schwebezustand, der dich alles andere um dich herum für einen gewissen, angemessenen Zeitraum vergessen lässt. Baby, we were born to run.

Nun, ich habe da ein drittes Konzert verschwiegen, nämlich Robbie Williams, ebenfalls 2003 oder 2004. Aber ehrlich gesagt, wurde mir das von meiner damaligen Freundin mehr oder weniger aufgezwungen, und ich habe mich damals relativ zügig zugelötet, damit ich heute so gut wie keine Erinnerungen mehr daran habe. Was anscheinend gelungen ist. Nichts gegen Robbie Williams, heute. Aber damals war’s halt nicht mein Ding. Nun, was lernen wir aus dieser kleinen Geschichte? Wenn du keinen wirklich wichtigen Auftrag hast, meide die Reise zu Spielen in die verbotene Zone. Es ist generell okay, wenn Bruce Springsteen kommt, oder ein anderer Act deines Vertrauens. Denn das hat ja nichts mit Fußball zu tun.

3 Gedanken zu “Springsteen

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