Eine unheimliche Begegnung der dritten Art


Das war schon eine merkwürdige Geschichte, gestern im Stadion Essen. Finale des Niederrheinpokals, und das auch noch gegen den 1. FC Kleve mit 3:1 gewonnen, fast schon ein Standardprogramm für den geneigten Anhänger von Rot-Weiss Essen. Normalerweise ein Großkampftag im Essener Norden, eine volle Hütte fast schon Usus und die Begeisterung groß und auch gerechtfertigt. Sowieso. Warum gestern jedoch alles ein bisschen anders war, möchte ich hier kurz erzählen.

Freunde der gepflegten Stadionatmosphäre, so ein Geisterspiel im Stadion (natürlich waren ein paar Hundert Menschen vor Ort, darunter auch ich, worüber ich trotz aller inneren Zweifel im Vorfeld letztendlich doch sehr dankbar war), das ist noch mal eine Schippe gruseliger, als im Fernsehen. Gerade wenn du die Atmosphäre im Stadion Essen kennst; das dezente Brodeln schon eine knappe halbe Stunde vor Anpfiff, der Einlauf der Mannschaft, begleitet von einem zigtausendköpfigen „Adiole“, die Wechselstimmung während eines Spiels – all das war gestern nicht vorhanden. Und es tat ein wenig in der Seele weh, es nicht erleben zu können. Auch die eigenen Gepflogenheiten haben sich im Laufe des Spiels der ungewohnten Situation angepasst. Als Mitte der ersten Halbzeit ein Klever Spieler die Gelbe Karte sah (Kollege Andreas Crom vom Nullsieben-Blog vier Meter neben mir hielt die übrigens für zu hart), und ich dies mit einem gewohnt lautstarken „Der muss direkt runter!“ kommentierte, ging mir danach sofort durch den Kopf, dass das jetzt wirklich jeder im Stadion gehört hat, sowie jeder bundesweite Fernsehzuschauer, sofern RWE in der Konferenz des „Finaltags der Amateure“ gerade auf Sendung war. Irgendwie auch nicht das, was ich wollte. Dazu fiel mir etwas später auf, dass König Otto Rehhagel etwa fünf Meter weiter links unten saß, und wenn der Meister merkt, dass da ein Schreihals von schräg oben unqualifizierte Kommentare am laufenden Meter absondert, nun ja, dann ist das ebenfalls nicht das, was ich möchte. Jedenfalls, ich habe mich dann für den Rest des Spiels dezent zurückgehalten. Fällt mir zwar immer schwer, geht aber. Lustige Anekdote am Rande: Meine große Chance, nach etwa 17 Jahren (damals als Zuschauer in der ersten Reihe bei der „Harald-Schmidt-Show“) mal wieder ins Fernsehen zu kommen, habe ich mir mit einem dringend notwendigen Toilettengang versemmelt. Nun ja, gewisse Dinge genießen halt Priorität.

Was vom Tage übrig blieb? Die erneute Feststellung, dass dem Fußball ohne Fans das fehlt, was den Fußball ausmacht. Dass Fußball ohne die gewohnte Stadionatmosphäre, ausgehend von allen Tribünen, nicht er selbst ist. Sondern nur eine Karikatur, ein Schatten seiner selbst. Und ich hoffe wirklich noch, dass die Coronalage es in absehbarer Zeit und unter größtmöglicher Berücksichtigung der gesundheitlichen Interessen zulässt, zumindest mit einem kleinen Kontingent an Zuschauern in die Saison zu starten, welches vielleicht im Laufe der Spielzeit sukzessive erhöht werden kann. Wir werden sehen, was da auf uns zukommt. Natürlich darf nicht der Kern des gestrigen Tages vergessen werden. Rot-Weiss Essen steht nach kurzer Abwesenheit wieder in der ersten Runde des DFB-Pokals. Und ganz ehrlich – nach diversen zwar ehrenhaften aber doch gescheiterten Versuchen in der ersten Runde, wünsche ich mir mal wieder eine längere Verweildauer in diesem Wettbewerb. Der 1. FC Saarbrücken hat in der letzten Saison gezeigt, was mit einer funktionierenden Mannschaft auch gegen höherklassige Teams möglich ist. Und noch einmal ganz ehrlich – was man im Saarland kann, das kann man im Ruhrgebiet doch noch besser.

Nur der RWE.

2 Gedanken zu “Eine unheimliche Begegnung der dritten Art

  1. Irgendwo wurde das Ding doch auch als Einzelspiel übertragen, vielleicht warst Du da ja im Bild? 🙂
    Das ist schon was Spezielles… Ich hatte mal ohne Corona Hannovers Zweite gegen Lübeck im WM-Stadion vor solch einer Kulisse – es ist schlichtweg grotesk.

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    1. Catenaccio 07

      Und leider ein Zustand, mit dem man wohl noch eine Zeit lang leben muss.

      Nein, ich muss auch meine Rübe nicht zwingend im Fernsehen sehen 🙂 Ein Zettel mit dem Namen meines Blogs ist völlig ausreichend.

      Gefällt 1 Person

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