Vom Stehen und Sitzen

Das ist ja auch so eine Grundsatzfrage im Fußball: Steher oder Sitzer? Es soll da tatsächlich Menschen geben, die stehen und sitzen verächtlich ablehnen, sowie Sitzer, die über Steher lachen. Warum eigentlich? Nehmen wir mal meinen Fall. Ich kenne noch die Westkurve im altehrwürdigen Georg-Melches-Stadion, in dieser stand ich als Jugendlicher und als junger Mann oft und sehr gerne. Nicht immer, ab und zu stand ich auch mal auf der Gegengeraden oder saß, was aber sehr selten vorkam, auf der Haupttribüne. Aber eigentlich war mir das nie wirklich wichtig, solange ich im Stadion sein konnte.

Nach dem Abriss der Westkurve Anfang der 90er, als sich der Kurvenanhang erstmal etwas unsicher im Rest des Stadions verteilte, verschlug es mich endgültig auf die Gegengerade. Meistens mittig in Block K, wo einem Lothars „Schreck vom Niederrhein“ mit Wucht um die Ohren knallte, oder auch mal etwas weiter links auf Höhe der Mittellinie. Wichtig immer nur, dass der Weg zum Bierwagen kurz und die Sicht aufs Spielfeld gut war. Aber Stehen war eigentlich Usus, schließlich war man ja noch jung und zwei, zweieinhalb Stunden in aufrechter Position waren damals wahrlich kein großes Problem.

Als dann das Georg-Melches-Stadion endgültig abgerissen wurde, und es im neuen Stadion Essen zuerst auch nur – man kannte das ja schon – drei Tribünen gab, war die große Frage: Wohin jetzt? Man ist ja auch erst einmal völlig verunsichert, nach rund einem Vierteljahrhundert Georg-Melches-Stadion, wenn einem da ein flatschneues Stadion hingesetzt wird. Ein Schönes, muss man dazu sagen. Noch nicht mit dem Flair und der Patina des GMS, aber das braucht halt alles seine Zeit und geht nicht von heute auf morgen.

Jedenfalls, ich habe mich relativ schnell für die Haupttribüne entschieden. Schließlich ist man nicht mehr der Jüngste, die Kniegelenke sind noch Originalteile, und zwar die eines unteren Fiftysomething, nicht die eines 17-jährigen Jungspunds. Man wird im mittleren Alter (mein Gott, hört sich das doof an) auch etwas bequemer, zumindest ich. So habe ich nun meinen inneren Frieden gefunden, mit meinem Sitzplatz im Stadion Essen. Ab und zu, gar keine Frage, schiele ich mal rüber, zur Westtribüne, dem Nachfolgebauwerk der alten Westkurve. Und denke mir – könntest du auch mal wieder machen. Aber da Stehtribünen in der nächsten Zeit leider noch geschlossen bleiben werden, nehme ich weiterhin meine rote Sitzschale in Anspruch. Wichtig ist eh nur eins: dass man seinen Verein gerade in dieser Zeit unterstützt. Ganz egal, ob man dabei steht oder sitzt. Solange man nicht liegt.

Nur der RWE.

3 Gedanken zu “Vom Stehen und Sitzen

    1. Catenaccio 07

      Ach, mit Fahnen oder ähnlichem hatte ich nie ein Problem. Ich denke, dass der Umzug vom Stehen zum Sitzen ein ganz normaler Prozess ist. Nicht alle und jeden betreffend, aber die meisten. Wichtig ist nur, dass jeder seinen Spaß hat.

      Gefällt 2 Personen

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