Ich helfe gerne, Herr Seifert


Hallo Herr Christian Seifert,

gestern sah ich zufällig und mit großer Bestürzung sowie leichtem Amusement Ihren famosen Auftritt im Aktuellen Sportstudio, wo Sie in Ihrer hauptamtlichen Funktion als Chef der DFL mit doch teils recht unangenehmen und auch böswilligen Fragen zum Re-Start der Bundesliga konfrontiert wurden. Vorab: Ich finde es wirklich ungeheuerlich, dass Sie respektive die sorfältig ausgearbeitete und fürsorgliche Planung bezüglich der Wiederaufnahme des Spielbetriebs derart gemein hinterfragt wurden. Ehrlich, manchmal ist es geradezu ungeheuerlich, was sich Journalisten, Reporter, Fernsehschaffende, ja Medienmenschen jedweder Art herausnehmen. Da kommen Sie – ganz sicher ohne ein schlechtes Gewissen und frei von Zweifeln – in ein Fernsehstudio, und was passiert… man stellt Ihr ganzes tolles Konzept in Frage. Nein, das ist gar nicht nett. Aber da ich wiederum ein total netter Mensch bin, gebe ich Ihnen hier mal ein paar Tipps, wie sie diesen Re-Start in Zukunft besser verkaufen und vor allem gestalten können.

Wie Sie ja sicher mitbekommen haben werden, häufen sich in Proficlubs die Coronafälle. Erst gestern wurde die gesamte Mannschaft von Dynamo Dreseden unter eine 14-tägige Quarantäne gestellt; in den nächsten Tagen werden wohl diverse Vorkommnisse dieser Art hinzukommen. Sie, Herr Seifert, dürfen sich davon bitte nicht verunsichern lassen! Denn schließlich gilt es, die Fortsetzung der Profiligen, zuvorderst der Bundesliga, gegen jede Widerstände sicherzustellen. Daher mein Tipp: ignorieren Sie einfach weiterhin alle Warnungen und Bedenken. Ich halte es zum Beispiel nicht für zwingend notwenig, dass zu einem regulären Spieltag auch wirklich alle Mannschaften antreten müssen. Ist ein Verein dazu nicht in der Lage, weil keine 11 einsatzfähigen Spieler aufgeboten werden können, würfeln Sie die entsprechende Partie einfach aus. Spielt zum Beispiel Hoffenheim gegen Wolfsburg, dann interessiert das Ergebnis eh keine Sau. Bei Dortmund gegen Schalke, da sieht das eventuell ein bisschen anders aus. Da sollten Sie vielleicht die Anzahl der Fans berücksichtigen, die sich trotz Verbot am Spieltag am oder in der unmittelbaren Nähe des Stadions aufhalten. Pro 100 Personen ein Tor, also wäre das explizit in diesem Fall vielleicht ein 3:2 für Dortmund. Passt schon, irgendwie.

Wenn ich mir das so recht überlege, dann könnte es trotzdem mit diesen Englischen Wochen knapp werden, die ja zum gnadenlosen Durchpeitschen des Restprogramms wohl gespielt werden müssen. Aber auch da sehe ich Möglichkeiten, Chancen, keine Probleme. Wir erfinden einfach die Deutsche Woche, das bedeutet, jeder Verein trägt so alle zwei Tage ein Spiel aus, wenn’s sein muss. Da Sie sich zur Zeit ja um die Zuschauer in den Stadien, gerade um die Auswärtsfahrer keine Gedanken machen müssen, ist das doch perfekt. Der geneigte Sky-Kunde, der Ihren Laden finanziert, der hat wie bisher gewohnt fast jeden Tag was zum Gucken. Und wenn wir jetzt mal ganz ehrlich sind – die Anhänger, die Zuschauer in den Stadien, die sind für Sie und die DFL doch eh nur noch lästiges Beiwerk. Ganz nett, um mal ein paar Stimmungsbilder und Fangesänge einzufangen, aber sonst? Die nerven doch nur, ist doch so. Sehen Sie diese Geisterspiele als Chance, begreifen Sie sie als Option für einen sauberen, klinisch reinen Fußball. Die Bundesliga war doch eh schon auf diesem Weg, sie können diesen nun in Ihrem Sinne mal richtig beschleunigen.

Und ich, Herr Seifert? Nun, ich warte darauf, wie es mit meinem Verein, mit Rot-Weiss Essen jetzt weitergeht. Das ist das, was mir am Herzen liegt, was mir wichtig ist. Ich weiß, das interessiert Sie nicht. Sie, Herr Seifert, sorgen sich nicht um meinen Verein, und deswegen sorge ich mich nicht um Ihre Bundesliga. Sie werden das sicher verstehen.

ich

Nur der RWE. Sonst nichts.

8 Gedanken zu “Ich helfe gerne, Herr Seifert

  1. Die heutige ZDF-Sportreportage ging noch einmal auf das Interview ein, viel interessanter war jedoch ein längerer Beitrag über den Ruhrgebietsfußball, natürlich mit hohem RWE-Anteil. In der Reportage wirst du dich inhaltlich und emotional sicher wiederfinden. Übrigens … den auch zu Wort (und Ton) gekommenenRWE-Fan „Sandy“ habe ich auch schon mehrfach persönlich getroffen. Ich drücke euch weiterhin die Daumen.

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