Leben in Zeiten der Coronakrise, Teil 2


Als meist pragmatischer Mensch hätte ich mir das tatsächlich nicht träumen lassen – ich vermisse den Fußball gerade wirklich, zuvorderst den im Stadion Essen. Bei einer Winter- oder Sommerpause ist man mental darauf vorbereitet, auf ein paar Wochen Fußball ohne den Lieblingsverein, ohne Rot-Weiss Essen. Dazu hat man dann ja diverse Alternativen, Wintersport im, richtig, Winter, irgendeinen anderen Krams im Sommer. Aber jetzt, von 100 auf 0 in ein paar Tagen, gar nichts mehr. Es ist auch ziemlich surreal, wenn man sich zur Zeit diverse Shows im Fernsehen ansieht. Kein Publikum; etwaige Mitglieder einer Jury oder Gäste halten die angewiesenen zwei Meter Abstand zueinander. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass mich das alles ein bisschen bedrückt. Nicht, dass ich ein Gefühl der Angst oder der Panik verspüren würde. Das wäre auch nicht zielführend. Aber, wir durchleben gerade eine Zeit, von der wohl niemand gedacht hätte, dass diese einmal in unser Leben tritt. Und es dermaßen beeinflusst.

Was mich im Moment etwas positiv stimmt (nehmt das bitte teils humorig): Die Leute horten jetzt anscheinend Katzenstreu, anstatt Toilettenpapier. Was mir zeigt, dass vielen Menschen das Wohlergehen ihrer Haustiere mittlerweile wichtiger ist, als 15 Pakete Scheißhauspapier für die halbe Ewigkeit im Keller zu lagern. Da wir zwei Kater haben, begrüße ich das außerordentlich. Die Jungs wissen schließlich nicht, was gerade so los ist. Die sind nur empört, wenn ihre Katzenklos nicht tip-top aussehen. Zurecht.

rudi

Giuseppe & Rudi

Was mich mittlerweile ziemlich nervt: Menschen, die in dieser Krise etwas Positives sehen, die Corona „als Chance“ begreifen. Und schlimmstenfalls diese Pandemie noch instrumentalisieren, um ihr politisches oder idelogisches Süppchen welcher Art auch immer auf großer Flamme zu kochen. Während in Italien und Spanien jeden Tag Hunderte von Menschen sterben und ein Ende noch nicht absehbar ist, müssen manche Eiferer hier wohlfeil labern. Nein, so kann und will ich nicht denken, das ist mir zu perfide. Das hier ist keine kleine Auszeit, das ist bitterer Ernst. Diese Pandemie darf nicht zu einer Zeit für Menschen werden, die an einer wie auch immer gearteten Neugestaltung dieser Welt in ihrem Sinne interessiert sind. Sie muss zu einer Zeit für Menschen werden, denen wir unsere volle und ungeteilte Hochachtung aussprechen sollten, weil sie den ganzen Laden am Laufen halten.

Dann gibt’s da noch „Sportskameraden“ wie Alexander Müller, seines Zeichens Geschäftsführer des SV Rödinghausen im ostwestfälischen Kreis Herford. Der dieser Tage nichts Besseres zu tun hat, als zu verkünden, womöglich noch ungefragt, dass seine Spieler wohl nicht in Kurzarbeit gehen müssen, weil sein Verein respektive er ja so einen herausragenden Job macht. Ganz ehrlich, wenn ich so ein selbstverliebtes, eigentlich schon brutal arrogantes Statement lese, in diesen Zeiten, dann fällt mein Kopf krachend auf die Tischkante. Und das nicht vor Lachen.

Hafenstraße 97a

Ja, ich vermisse die Hafenstraße. Und ich vermisse bei einigen Menschen die Intelligenz, und den Anstand. Bleibt Ihr Mensch, dann sind wir schon ein gutes Stück weiter.

Nur der RWE. Und bleibt gesund.

9 Gedanken zu “Leben in Zeiten der Coronakrise, Teil 2

  1. Ich glaube, es fällt dieser Tage nur mehr auf, wenn Intelligenz und Anstand fehlen. Kommt im Ergebnis natürlich aufs Selbe heraus.
    Und irgendwo mal wieder ’nen rollenden Ball würde ich auch gern sehen. Schieße gleich selber einen in den Garten 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Catenaccio 07

      Tja, die Näpfe sind voll, die Katzenklos sind gereinigt, da hat man keinen Grund zur Beschwerde. Gestern kam es zu Irritationen, da sie aus Spanien kommen und ihre ersten Schneeflocken sahen.

      Gefällt 1 Person

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