„Im Bestfall steigt Corona ab und wir steigen auf.“

RWE-Vorstand Marcus Uhlig, über das Leben in Zeiten des Coronavirus.


Hallo Marcus, nach so einigen Ligakuriositäten, vornehmlich Verl, Haltern und Rödinghausen betreffend, kommt in dieser Saison der wirkliche Hammer kurz vor Schluss. Die Causa Coronavirus. Vorab eine Frage, die mich sehr umtreibt: In unserem örtlichen Lidl waren über einen Zeitraum von nahezu einer Woche quasi keine Nudeln und kein Toilettenpapier zu erwerben. Das liegt nicht zufällig alles bei Dir im Keller, oder in den Katakomben des Stadions?

Hallo André. Nein – ich war’s nicht (lacht). Schweres Thema gleich zum Einstieg. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber gefühlt scheint sich unser Leben in den letzten Tagen von jetzt auf gleich in einer bisher noch nie gekannten Art und Weise zu verändern. Keiner weiß nichts Genaues, die Medien überschlagen sich mit Neuigkeiten zu dem Thema, aber es kommt irgendwie kein Roter Faden rein. Corona ist wohl noch viel gefährlicher, als wir bisher dachten. Und auf den Fußball bezogen: alles, was jetzt passiert, steht in keinem Lehrbuch. Und wir müssen gleichzeitig das Ganze managen, die Ruhe bewahren, unsere sportlichen und wirtschaftlichen Interessen vertreten, politisch korrekt bleiben und Tausende meist nachvollziehbare Fragen aus unserem Umfeld beantworten. Schwierig! Aber – das ist jetzt so, da müssen wir durch und das Beste draus machen.

Ja, uns als Privatpersonen fällt es naturgemäß schwer, Vorkommnisse wie eine Pandemie, über die wir mittlerweile wohl reden müssen, sachgerecht zu beurteilen. Schon allein aus dem Grund, weil wir keine Experten sind. Keine Virologen, keine Soziologen. Wir können eigentlich nur versuchen zu bewerten, was wir tagesaktuell wahrnehmen. Und da beschleicht mich das diffuse Gefühl, dass der Sport, explizit der Fußball gerade sehen muss, wie er ohne wirklich klare Ansagen, ohne eine Direktive seitens der Entscheidungsträger im Bund wie in den Ländern klarkommt. Stichwort – einheitliche Regelungen, plus minus 1.000 Zuschauer.

Richtig. Mir fehlt die Klarheit in der Kommunikation von oben. Vielleicht hinkt der Vergleich etwas, aber ich habe heute eine Erklärung des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz gesehen. Ganz souverän, ruhig, aber klar und unmissverständlich hat er bekanntgegeben, was nun gemacht wird. Und das war nicht wenig, Österreich hat mal eben kurz gefühlt das halbe Land lahmgelegt.

Ich bin ja der Meinung, dass zuvorderst die Eigenverantwortung eines Menschen gefragt ist, um, nennen wir es mal freundlich „allgemein drohendes Ungemach“ zu verhindern. Erst in wirklich letzter Instanz halte ich eine Einmischung des Staates für zwingend notwendig, wenn die Ausmaße, wie wohl jetzt geschehen, unabsehbar werden. Sind wir als Zivilgesellschaft, als verantwortungsvolle Individuen in der homogenen Masse eventuell doch nicht so intelligent und vorausschauend, wie wir vielleicht gedacht haben? Schwierige Frage, ich weiß. Aber wie man so schön sagt – von nichts kommt nichts.

Deine Fragen kommen heute aber alle aus dem obersten Regal… na gut, ich versuche es mal. Da ist sicher etwas dran. Ich glaube, eine Gesellschaft muss gelenkt und reglementiert werden – und von mir aus auch bevormundet. Aber halt an den richtigen Stellen. In der aktuellen Corona-Debatte glaube ich schon, dass von oben gelenkt werden muss – aber dann bitte klar, einheitlich und nachvollziehbar. In der deutschen Politik fehlen mir Klarheit, Mut und Transparenz. Oder um es in der Fußballer-Sprache zu sagen: Wir haben zu wenige Politiker, die Eier haben. Politiker empfehlen, eiern rum – und Behörden müssen entscheiden. Dazu noch uneinheitlich, weil wir ja die Föderalismus-Fahne hochhalten müssen. Und jetzt mache ich den ganz großen Schlenker. Das wird gefühlt immer schlimmer. Und sorgt so für eine zunehmende Protesthaltung von immer mehr Bürgern „gegen die da oben“ und treibt den extremen Parteien zunehmend mehr Wähler zu.

Uns stehen wahrscheinlich unruhige, in sportlicher Sicht nicht oder nur schwer zu planende Wochen ins Haus. Gehst Du Stand heute davon aus, dass diese Spielzeit noch halbwegs im geplanten zeitlichen Rahmen und ohne größere Wettbewerbsverzerrungen zu Ende gebracht werden kann?

Ich kann es nicht wirklich einschätzen. Ich hoffe ja und nehme auch wahr, dass hinter den Kulissen alles dafür getan wird. Stand jetzt. Aber wenn wir überlegen, wie rasend schnell das Corona-Thema so groß geworden ist – wer hätte vor zwei Wochen damit gerechnet? Hoffen wir das Beste. Ich weiß, dass die nächsten Wochen eh schon stressig genug werden. Im Bestfall steigt Corona ab und wir auf. Und holen den Pokal. Und schlafen anschließend dann alle eine Woche durch…

3 Gedanken zu “„Im Bestfall steigt Corona ab und wir steigen auf.“

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