In vino veritas – manchmal


Wart Ihr die letzten Tage auch mal einkaufen? Bevorzugt beim Discounter Eurer Wahl? Schlimm, oder? Ich meine, man kann es mit diesen Hamsterkäufen aufgrund des Coronavirus auch ein kleines bisschen übertreiben. Während ich meiner Freundin gestern beim örtlichen Lidl zuraunte, „Schatz, vielleicht fünf oder sechs Tafeln von der leckeren Schoki?“, aber das auch nur, weil diese im Angebot ist und man mich dafür nachts wecken kann, fiel mein Blick auf das Regal, in dem auf etwa zweieinhalb Metern Länge normalerweise die Nudeln ausliegen. Ich betone ausdrücklich – auf das Regal. Denn auf diesem war nicht ein einziges verdammtes Paket Nudeln mehr zu finden. Ausverkauft, schon am frühen Morgen. Ich stelle mir also eine Meute von etwa 60 aufgebrachten und zu allem entschlossenen Panikkäufern vor, die morgens um 06.45 Uhr, eine Viertelstunde vor Geschäftsöffnung, mit Einkaufswagen und Ellenbogenschonern bewaffnet vorm Lidl steht und skandiert: „Wir wollen Nudeln! Wir wollen Nudeln! Wir sind das Volk!“ Ganz ehrlich: Wir werden nicht sterben, weil uns ein Coronavirus dahinrafft. Wir werden wahrscheinlich sterben, weil uns dumme Hirnis alle Lebensmittel vor der Nase weghorten und die dann zu Hause in ihrem hermetisch abgeriegelten Schutzbunker verstauen. Man kann ja nie wissen.

Heute beim örtlichen REWE, ein ähnliches Bild. Nur noch ganz wenige Nudeln, und auch Toilettenpapier wird zur Zeit anscheinend auf Teufel komm raus gebunkert. Verständlich, sind doch höchst geheime Unterlagen des CIA im Umlauf, aus denen hervorgeht, dass bei Ausbruch einer Pandemie in Westeuropa die chinesischen Klopapier-Triaden den Weltmarkt mit billigen Kopien von dreilagigem… nein, das ist natürlich Unsinn. Aber anscheinend gibt es Leute, die sich irendeinen Stuss dieser Art zurechtreimen. Ich prophezeie Euch: Geht dieser Wahnsinn noch zwei oder drei Monate so weiter, dann gibt’s hier eine archaische Währungsreform, die direkt vom Volk ausgeht. Dann zahlt man nicht mehr mit Euro oder Karte in einem Supermarkt, die sind dann ja eh alle leergekauft, nein, dann wird nur noch auf Schwarzmärkten getauscht, es zählen dann nur noch die harten Devisen des Lebens: „Brauchst Du ein Paket Barilla Penne Rigate? Drei Rollen Klopapier! Dreilagig! Und ohne Blümchenmotive!“

Als ich so durch die nun halbleeren Gänge schlenderte, immer angespannt und bereit, die schon ausgewählten Lebensmittel in unserem Einkaufswagen mit angemessener Gewalt gegen Plünderer zu verteidigen, sah ich plötzlich ein mir bekanntes Motiv. Das Stadion Essen. Auf einer… Weinflasche. Dornfelder.

WEIN

Zwar war mir dieses Etikett durchaus bekannt, ich sah es bereits zwei- oder dreimal im Internet, hielt es jedoch aus Gründen für ein Fakefoto. Denn die eher dürftige Hanglage am Stadion Essen ist ziemlich suboptimal für den Weinanbau, auch sind mir in etwa 35 Jahren Fußball an der Hafenstraße noch nie Rebstöcke aufgefallen, oder fleißige Winzer und Winzerfrauen, die singend und mit großer Freude nach althergebrachter Tradition die reifen Trauben in einem großen Bottich mit ihren nackten Füßen zertrampeln. Das habe ich mal in einem Film mit Heinz Rühmann so gesehen, vor langer Zeit. Der zwar gebürtiger Essener war, aber kein Winzer. Alles kar?

Aber kommen wir nun zu dem, was Ihr alle wissen wollt. Hat dieser Wein, auch nur in geringstem Maße, irgendetwas mit Essen oder gar der Hafenstraße zu tun? Nach einem Blick auf das rückwärtige Etikett: Nein. Der Abfüllort liegt noch nicht mal in Nordrhein-Westfalen. Und die elementare Frage: Ist er okay, ist er genießbar, ist er gar lecker? Nun, diese Frage möchte ich gerne diplomatisch beantworten: Wenn Du schon dezent einen in der Kirsche hast, dann kannst Du fast alles trinken. Sogar Dornfelder.

Also, mein geneigter Freund von Rot-Weiss Essen und eventuell alkoholischen Getränken – sollte in zwei oder drei Monaten auf dem Schwarzmarkt ein Hehler auf dich zukommen, mit dem Angebot: „Pssst… ich habe 6 Flaschen erstklassigen Hafenstraßen-Wein, für nur zwei Kisten Stauder!“ – sag Nein. Und sag Nein, zu jedweder Form einer Panik.

Nur der RWE.

7 Gedanken zu “In vino veritas – manchmal

  1. Vielleicht ist das nur ein Druckfehler.
    Es sollte vielleicht „Weidenfeller Roman“ heissen.
    Der würde aber sicher nicht hier, sondern nur dort munden.
    Wir hier sind sowieso eher für Bier geeignet,.
    Grüße aus der Nachbarschaft!
    😉

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