Die Essenz des Fußballs


Der Grund, dass dieser Blog einen italienischen Namen trägt, kommt ja nicht von ungefähr. Wobei ich mir vor sieben Jahren keine allzu großen Gedanken um diesen, also um den Namen gemacht habe. Catenaccio klingt ganz gut, das obligatorische 07 hinten angefügt, und fertig war das Baby. Aber, meistens ist halt nichts im Leben reiner Zufall.

Denn der Begriff Catenaccio steht im Prinzip für den Fußball, der meiner Vorstellung von diesem am nächsten kommt. Eine sichere, nahezu undurchdringbare Abwehr und Konterfußball. Vielleicht nicht immer schön anzusehen, aber, wenn richtig angewendet, gnadenlos effektiv. Ich darf hier kurz Helenio Herrera zitieren, der diese Art des Spiels vor etlichen Jahren geprägt hat.

Das Gerede vom offensiven und attraktiven Fußball ist nichts als Geschwätz. Es geht lediglich darum, ein Tor weniger zu kassieren als der Gegner.

Natürlich, eine sehr provokante Aussage. Und nicht wenige Fußballfans werden jetzt, durchaus auch zurecht einwenden: Stop! Das ist reiner Zerstörerfußball, darauf angelegt, den Gegner zu zermürben und zu demoralisieren. Und in der Regel sieht er auch nicht schön aus.

Stimmt alles. Catenaccio ist bisweilen unattraktiv, archaisch und völlig anachronistisch. Aus der Zeit gefallen, wie man so schön sagt. Aber sind wir mal ehrlich: Worauf kommt es im Fußball an? Was ist die Essenz des Spiels? Richtig. Ein Tor weniger zu kassieren, als der Gegner. Oder eins mehr zu erzielen, aber wie wir alle wissen, läuft das auf das gleiche Ergebnis raus.

Man darf mich jetzt bitte nicht falsch verstehen. Natürlich empfinde ich auch Freude am schönen Spiel, am „Joga Bonito“. Welches seit Jahrzehnten von den Brasilianern geprägt, zelebriert wird. Das Auge isst mit, auch oder gerade beim Fußball. Aber letztendlich, und das sage ich ganz ehrlich, ist mir ein strikt ergebnisorientierter Fußball, wie ihn früher, teilweise auch heute noch die Italiener verstehen, wesentlich lieber. Wichtiger. Effektivität heißt das Zauberwort. Gnadenlose Effektivität. Das Ergebnis, der Sieg steht über allem. Auch jetzt werden viele Feingeister des Fußballs einwenden: Nein, nein, nein, das Spiel muss ansehnlich sein, das Ergebnis steht eigentlich erst an zweiter Stelle.

Tja, so verschieden können Meinungen sein. Aber für mich war gestern das Spiel an der Hafenstraße, die Partie Rot-Weiss Essen gegen Rot-Weiß Oberhausen, ein gutes Beispiel für mein Verständnis des Fußballs. Ein eher durchschnittlicher Kick, aber mit ganz wesentlichen, unabdingbaren Komponenten. Mit Einsatz, Geduld, dem unbedingten Willen und einer sattelfesten Abwehr. Ein 1:0 aus dem Gewühl heraus, drei Punkte und fertig. Wie ich heute privat in einer Diskussion anmerkte: Wenn eine Spielzeit aus 34 durchschnittlichen Spielen besteht, von denen 24 mit 1:0 gewonnen werden, bin ich ein zufriedener Mensch.

So, das wollte ich nur mal loswerden. Und die Essener Anhänger des „Joga Bonito“ müssen sich natürlich keine Sorgen machen. Schließlich haben wir mit Christian Titz einen Trainer, der auch für die schönen Seiten des Spiels steht. Und so ein richtig echter, unverfälschter Catenaccio war das eigentlich auch gar nicht. Aber, ich bin gestern auf jeden Fall sehr zufrieden nach Hause gefahren. Denn ich habe alles bekommen, was ich erwartet habe. An erster Stelle: drei wichtige Punkte.

Nur der RWE.