Alles geben für Essen


Manchmal weiß man wirklich nicht, ob man Lachen oder Weinen soll, ob dieses Kuriositätenkabinetts namens Regionalliga West. Oder einfach nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen soll, wahlweise diesen auf die Tischkante knallen. Dieser ganze Zirkus wäre aus der Ferne betrachtet wahrscheinlich ganz witzig. Aber, wir beobachten die Regionalliga West nicht nur, diese Kirmesliga. Wir sind als Verein und Fans mittendrin, statt nur dabei. Was für ein Scheiß.

Speziell diese Saison schlägt Kapriolen, die man sich eigentlich gar nicht ausdenken kann, für die irgendein durchgeknallter Autor aus Hollywood mit der latenten Neigung zu chemischen Substanzen das Drehbuch verfasst haben muss. Als wäre es nicht genug der Peinlichkeit, dass in dieser Spielzeit mal wieder Vereine am Start sind, deren „Stadion“ und Infrastruktur den Ansprüchen respektive Forderungen des Verbandes in keinster Weise genügen. Was dem Verband aber völlig egal zu sein scheint. Dazu das unselige Drama um Wattenscheid, deren seit Jahren absehbares Ende in dieser Liga künstlich hinausgezögert wurde, nur um dann mitten in der Spielzeit zu implodieren, für den großen Knall zu sorgen. Die Tabelle der Regionalliga West ist schon seit Monaten krumm und schief, ohne diverse Spielereien auf dem Taschenrechner kann man die ersten vier Plätze gar nicht mehr seriös angehen.

Gestern nun, der nächste Scherz. Der SV Rödinghausen aus Ostwestfalen, bekannt durch fantastische und preiswerte Einbauküchen für die moderne und anspruchsvolle Hausfrau (und den Hausmann, natürlich) von heute, verzichtet mal eben auf den Lizenzantrag für die 3. Bundesliga. Das Erste, woran ich ehrlicherweise dachte, waren die Spieler des Vereins (auch wenn sich da manche nach dem Spiel in Essen unter aller Sau benommen haben, Stichwort Adiole). Man muss sich doch völlig verarscht vorkommen, wenn man sich allwöchentlich auf dem Rasen reinhängt, sogar an der Tabellenspitze steht, und Mitte Februar fällt dem Verein plötzlich ein, dass das mit dieser Vollprofiliga vielleicht doch keine so gute Idee ist. Da käme ich mir, mit Verlaub, etwas verarscht vor. Aber gut, nicht meine Baustelle.

Nein, die fußballerische Baustelle meines Herzens heißt Rot-Weiss Essen. Und was bedeutet das alles nun für die nahe Zukunft, explizit für Sonntag und das Match gegen Rot-Weiß Oberhausen? Nun, eigentlich ändert sich gar nicht so viel. Jedes folgende Spiel, bis zum Saisonende, muss mit 100% Einsatz, Kampf und Leidenschaft angegangen werden. Das ist ja nun nichts Neues, das wird an der Hafenstraße zurecht immer verlangt. Was sich tatsächlich geändert hat: Es sind nun nur noch zwei Mannschaften, die vor uns stehen, die es einzuholen gilt. Dass Verl schon ziemlich Vorsprung hat, keine Frage. Ich bin ja nicht betriebsblind, und halbwegs rechnen kann ich auch. Naja, zumindest bis 10, und das reicht in diesem Fall.

Was ich sagen will – alles kann, nichts muss. Die Chancen von RWE auf den Platz an der Sonne sind seit gestern wieder etwas fühlbarer, greifbarer. Auch wenn es eine ziemliche Herkulesaufgabe wird. Und es bringt jetzt auch nichts, sich zu fragen, wie Rödinghausen für den Rest der Spielzeit auftritt. Oder ob auch der SC Verl vielleicht mit den Anforderungen des vollumfänglichen Profifußballs innerlich zu kämpfen hat. Wir müssen nur auf uns schauen. Es zählt jetzt nur, dass am Sonntag gegen Rot-Weiß Oberhausen gewonnen wird. Denn wahrscheinlich ist das die letzte Option, sich den Weg nach oben offen zu halten. Ich weiß, es ist noch kein sogenanntes „Endspiel“. Aber, es ist verdammt nah dran. Am Sonntag alle ins Stadion, und alles geben für Essen.

Nur der RWE.

4 Gedanken zu “Alles geben für Essen

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