Willkommen in der Kirmesliga


Zuerst einmal möchte ich allen Anhängen des TuS Haltern, egal ob Ihr zahlenmäßig 15, 25, oder 162 seid, sagen – ich habe nichts gegen Euch. Und auch nichts gegen Euren Verein. Auch nichts gegen Eure kleine Stadt, die da heißt Haltern am See. Am nördlichen Rand des Ruhrgebiets (und schon komischerweise im Regierungsbezirk Münster) gelegen, findet sich dort zum Beispiel ein – der geneigte Leser ahnt es – künstlicher Badesee, der im Sommer zu einer erfrischenden Abkühlung einlädt. Ich war da mal im, wenn ich mich richtig erinnere, Sommer 2003, und es war eigentlich recht nett. Das Problem ist nur:

Ich verstehe nicht ganz, warum Euer Verein in der Regionalliga West spielen darf, und mein Verein gegen Euren antreten muss.

Haltet das bitte nicht für Arroganz. Zwar ist bekannt, dass ich zum Beispiel so meine latenten Probleme mit Dorf- und Kirmesclubs aus Ostwestfalen oder vom Niederrhein habe, die ich oftmals als nicht würdig erachte, gegen Rot-Weiss Essen spielen zu dürfen. Dieselbe Ligaluft atmen zu dürfen. Aber da ich das meistens ziemlich humorig abarbeite, geht das für mich klar.

Nein, mein Vorwurf richtet sich ganz klar an den Westdeutschen Fußballverband, der es Vereinen wie dem TuS Haltern ermöglicht, ein in der Regel ein- oder maximal zweijähriges Schattendasein in der Regionalliga West zu fristen. Ohne weitere größere Ambitionen, ohne ein geeignetes, für anreisende Gäste wie Rot-Weiss Essen und seine Fans geeignetes Stadion, ohne die notwendige Infrastruktur. Nur für das eigene, kurzlebige Vergnügen.

So fällt, wie allgemein bekannt, die Partie TuS Haltern vs. Rot-Weiss Essen an diesem Wochenende aus, wegen Unbespielbarkeit des Platzes. Die bittere Ironie der Geschichte: Es handelt sich dabei gar nicht um die heimische Anlage des TuS Haltern, die für ein Match gegen Rot-Weiss Essen auch nicht ausgelegt ist, sondern um die Mondpalast-Arena in Wanne-Eickel, in die Haltern dieses Spiel in guter Hoffnung verlegte. Und auch diese Anlage – von einem Stadion zu sprechen, halte ich aus Gründen für merkwürdig – erfüllt inklusive Geläuf eigentlich nicht die Anforderungen, die ein vernünftig denkender und handelnder Mensch an einen Verein und seinen Spielort in der Regionalliga West stellt.

Außer, es handelt sich um handelnde und damit verantwortliche Funktionäre des Westdeutschen Fußballverbands. Denn die halten diese Farce und einige andere, zum Beispiel die um den SC Verl vor ein paar Wochen, anscheinend für völlig normal.

Nein, es ist aber nicht normal. Darf es auch nicht sein. Es kann nicht angehen, dass die Regionalliga West, in der sich auch Vereine mit gerechtfertigten Ansprüchen wie Rot-Weiss Essen befinden, mittlerweile die zweifelhafte Außendarstellung und den Ruf einer billigen Kirmesliga hat. In der jeder machen kann, was er gerade so will. Spiele werden aus offensichtlich fadenscheinigen Gründen abgesagt und auf teils lächerliche Termine respektive Anstoßzeiten verlegt, andere Spiele fallen den Witterungsbedingungen zum Opfer, weil diese teils in „Stadien“ ausgetragen werden sollen/müssen, die nach bestem Dafürhalten vielleicht gerade mal tauglich für die Oberliga sind. Was daraus folgt – eine völlig krumme und schiefe Tabelle, die vielleicht im März wieder halbwegs geradegerückt ist. Hier von Wettbewerbsverzerrung zu reden, ist völlig legitim.

Wie gesagt, liebe Vereine und Anhänger von Clubs wie dem TuS Haltern und anderen – ich habe nichts gegen Euch persönlich. Aber dass der Westdeutsche Fußballverband keine sinnvollen Regularien aufbietet respektive Anforderungen stellt, die einen halbwegs vernünftigen Spielbetrieb der Regionalliga West garantieren, das ist nicht mehr und nicht weniger als eine Farce. Es ist eine offene Verhöhnung aller Vereine, die mit Ambitionen in dieser Liga unterwegs sind.

7 Gedanken zu “Willkommen in der Kirmesliga

  1. Harald van Eickelen

    Das groteske an diesem istzustand dieser Sportplätze, wird dem Verein Rot-weiss essen, vorgeworfen, kein Angebot gemacht zu haben, das Heimspielrecht zu tauschen, wie es zum Beispiel, der andere Verein, der nach seinem DFB Pokaspiel, einfach den Platz für unbespielbar erklärt. Ja, es handelt sich um den SC Verl. Heute gelesen in der Recklinghäuser Zeitung.

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  2. Es gibt Regularien und Auflagen für jeden Verein der in der Regionalliga West spielen will und die sind ziemlich umfangreich und die Hürden sind ziemlich hoch. Jeder Verein, der in der Oberliga um die Spitze spielt kann davon ein Lied singen. Denn da heißt es mehr als einmal, ein Aufstieg ist wegen der Sportanlage nicht möglich. Und das eben wegen den vielen Traditionsvereinen die in der Regionalliga West spielen und die viele Fans mitbringen. Ich kann beide Seiten verstehen, die Sicherheit muss gewährleistet sein und ein Chaos ausbleiben. Es sollte aber auch jeder Verein, der sich sportlich qualifiziert, aufsteigen können. Aber welcher Verein der von unten hochkommt, hat schon ein Stadion für 5.000 bis 10.000 Zuschauer zu bieten? Im Prinzip können dann eh fast nur noch Zweitvertretungen aufsteigen. Was man aber als Anhänger eines Traditionsvereins doch auch nicht will oder? Die Situation in der Regionalliga West ist halt auch eine besondere. In welcher Liga treffen denn sonst noch so viele ehemalige Erstligaklubs auf Dorfvereine?

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    1. Catenaccio 07

      In keiner. Die Regionalliga ist ein Hybrid aus Profi- und Amateurtum. Das mögen die einen sympathisch finden, die anderen, wie ich, untragbar. Sicher, ich verstehe auch jeden Kirmesclub, der aus ein oder zwei Spielzeiten in eben dieser Liga sein kurzfristiges Vergnügen zieht. Nur, ich bin halt Anhänger eines Vereins, der die damit verbundenen Umstände nicht gutheißt und eben auch anprangert. Dass wir den langjährigen Aufenthalt in dieser Kirmesliga selbst zu verantworten haben, keine Frage. Aber bei den fast wöchentlich vorkommenden Ungereimtheiten, die eben jene amateurhafte Denke – von manchen Vereinen wie auch vom Westdeutschen Fußballverband – geradezu provoziert, rollen sich mir die Fußnägel hoch. Es ist ein Zustand, der nicht einfach zu ertragen ist.

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  3. Das ist wirklich die Crux dieser Liga – für Aufsteiger ist sie das Ende der Fahnenstange, für RWE und ein paar Andere ein Übel sondergleichen. Und dann noch Haltern… konnte man dem Metze denn den Aufstieg für seinen Verein verwehren? So schön, wie die Pläne für Tribüne und integrierter Kita doch waren? Ich war zweimal auf dem Acker dort, das geht im Grunde nicht einmal für Oberliga.
    Vielleicht sollte man seitens des Verbandes mal den Fokus auf den jeweiligen Platz legen (Drainage, etc.) statt auf das Drumherum. Für die paar Spiele gegen RWE, RWO oder Aachen müssen dann halt Ausweichplätze her.
    Finanziell ist – auch aufgrund mancher Auflagen in Beton – der Aufstieg für Oberligisten Harakiri. Wieviele von denen finden sich gleich von Beginn an auf den Abstiegsrängen? Und warum verzichten in anderen Verbänden so viele gleich komplett auf den Aufstieg? Aber auch das interessiert keinen beim Verband.

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    1. Catenaccio 07

      Wie ich an anderer Stelle schon erwähnte: Die Regionalliga ist ein Bastard, ein Hybrid aus Amateurfußball und Profitum. Und der Westdeutschen Fußballverband ist nicht in der Lage, da eine gewisse Balance herzustellen. Oder besser – ihm ist es völlig egal, dass Wettbewerbsverzerrungen zunehmend das Bild der Tabelle bestimmten. Wie auch gesagt: Ich möchte diesen kleinen Dorfclubs keinesfalls ans Bein pinkeln. Für den TuS Haltern ist diese Saison der Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Aber das alles geht zu Lasten der Vereine, die mit echten Ambitionen in dieser Liga unterwegs sind.

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      1. Ich habe es an anderer Stelle auch gelesen, ja. Aber wie gesagt: den Verband scheint gar nichts zu interessieren und er sollte die Schwerpunkte anderswo setzen.
        Vernünftige und umsetzbare Bedingungen, dazu evtl ein oder zwei je Region zentral gelegene Ausweichstadien.
        Haltern wollte ja hoch hinaus, google mal nach Arena oder Stadionausbau bei denen. Ich verstehe nicht, daß man da deren „Kampfbahn“ durchgehen läßt und den Platz in Wanne, der eh schnell absäuft.

        Für ambitionierte Vereine gilt, so schnell wie möglich rauszukommen. Aus der Liga und aus der Zuständigkeit des Landesverbandes.

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