Mission not impossible


Vorab: Die folgenden Worte sollen, nein dürfen nicht als Forderung respektive versuchter Aufbau einer Drucksituation verstanden werden. Die Verantwortlichen von Rot-Weiss Essen geben sich bewusst zurückhaltend, was die Saisonziele betrifft. Das ist gut so. Und Coach Christian Titz erwähnt nicht umsonst und öfter völlig zurecht, dass bis zur endgültigen Verwirklichung seiner Idee von einer in allen Belangen funktionierenden und schlagkräftigen Mannschaft wahrscheinlich drei Transferperioden, also etwa zwei Spielzeiten benötigt werden. Es liegt mir fern, diese Ansichten zu sabotieren, ich gehe mit allen absolut d’accord. Nur – dies ist ein persönlicher Blog, der mit persönlichen Gedanken gespeist wird. Und diese stellen sich heute wie folgt dar.

Ich bin, da nun knapp die Hälfte der Spielzeit absolviert ist, der Ansicht, dass RWE am Ende dieser Saison die Meisterschaft erringt. Lasst mich das aber bitte ausführlich erklären:

  • Selbst Meistermannschaften erleben im Laufe einer Saison irgendwann eine kleine oder mittlere Krise. Außer Arsenal London in der Spielzeit 2003/04, als man ungeschlagen durch die Premier League pflügte. Aber in der Regel hat jede Mannschaft mal einen zumindest kleinen Hänger. RWE hat diesen Hänger mit den drei Niederlagen am Stück schon hinter sich. Und ich denke – ja, auch hoffe – nicht, dass eine derartige Negativserie in dieser Saison noch einmal vorkommt. Das Team hat offensichtlich daraus gelernt und scheint gefestigter als vorher.
  • Ich bin von dieser Mannschaft, auch wenn sie während besagter kleiner Krise etwas die Souveränität vermissen ließ, weiterhin zu exakt 100% überzeugt. Der Kader ist auf eigentlich allen Positionen hervorragend und meistens auch doppelt besetzt; wenn der Trainer es wollte und die Regularien es zuließen, könnte er in der Halbzeit komplett wechseln und eine so gut wie ebenbürtige zweite Mannschaft aufs Feld schicken. Nun ja, mehr oder ein bisschen weniger. Aber die Breite des Kaders ist schon klasse. Dazu sind alle Langzeitverletzten wieder an Bord respektive im Training, die Auswahl wird also noch größer. Auch blieben wir in dieser Spielzeit – im Gegensatz zu den Jahren zuvor – vom Verletzungspech bisher verschont. Hoffen wir, dass es so bleibt. Und das Aachen-Spiel gestern, das war bis auf ein paar Wackler in der ersten Halbzeit fast schon eine Demonstration der eigenen Stärke und Selbstsicherheit.
  • Die Ostwestfalen-Clique vor uns, Rödinghausen und Verl, ist sicher nicht zu unterschätzen. Aber letztendlich halte ich beide Vereine nicht für so gut aufgestellt, dass sie uns auf der Langdistanz Paroli werden bieten können. Rot-Weiß Oberhausen und Fortuna Köln hinter uns spielen nicht konstant genug, Alemannia Aachen ist seit gestern weg vom Fenster. Die Zweitmannschaften, hier seien Köln und Mönchengladbach genannt, halte ich ebenfalls für nicht so gefährlich, als dass sie uns auf langer Strecke werden folgen können.
  • Normalerweise arbeite ich mich nicht an einzelnen Spielern ab, weder im positiven noch im negativen Sinne. Ich beurteile ein Team gerne als Ganzes. Aber nach gestern (vielleicht widme ich Amara Condé, dem giftigen Dauerwusler, noch einen eigenen Blogeintrag) – Marcel Platzek. Eine alte Binsenweisheit im Fußball besagt, dass ein Mittelstürmer mit Bällen gefüttert werden muss und immer am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu stehen hat. Beides ist aktuell der Fall. Platzo traue ich durchaus zu, sofern er seine Einsätze bekommt, in dieser Saison noch auf 15 bis 18 Buden zu kommen. Wie gesagt, ich traue es ihm zu. Alles kann, nichts muss.
  • Der absolute, durch nichts zu spaltende Zusammenhalt. Funktionäre, Trainer, Mannschaft, das Publikum; Ihr, wir, alle bilden in dieser Spielzeit eine homogene Einheit in die kein Blatt Papier passt. Vergessen sind diverse atmosphärische Störungen der letzten Jahre, die oft zum Selbstläufer wurden und eine Negativspirale in Gang setzten. Wir alle zusammen sind Rot-Weiss Essen, die Hafenstraße 97a. Es fühlt sich mehr als gut an, im Stadion zu sein.
  • Christian „Big“ Titz. Ja, ich halte diesen Mann für den größten Glücksfall des Vereins in der jüngeren Vergangenheit. Nicht zu vergessen Marcus Uhlig und Jörn Nowak. Ein Triumvirat, welches ohne Hektik, unaufgeregt und absolut sachlich aber bestimmt hervorragende Arbeit abliefert. Das ist keine Spitze gegen vergangene Entscheider, nur ein Momentum. Welches sehr, sehr lange andauern darf.
  • Wir haben, und diesen Umstand darf man nicht unterschätzen, ziemlich oft das Glück auf unserer Seite. Was in der Vergangenheit eher nicht der Fall war. Aber, wie heißt es so schön und auch richtig – das Glück ist mit den Tüchtigen. Glück kann man sich tatsächlich erarbeiten.

So, das war’s. Meine gefestigte Gefühlslage am heutige Tag, als stinknormaler Anhänger von Rot-Weiss Essen. Absolut unverbindlich. Und wie eventuell bemerkt wurde: das Wort „Aufstieg“ habe ich nirgends erwähnt. Denn das Thema wird erst zur Agenda, sollte es mit der Meisterschaft tatsächlich etwas werden. Vielleicht backe ich jetzt keine kleinen Brötchen mehr, aber trotzdem immer nur eines nach dem anderen.

Nur der RWE.

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