Warum ich Lucien Favre so gar nicht mag


Auch wenn das meine doch durchaus launige Schreibe nicht unbedingt vermuten lässt, bin ich ein überzeugtes Kind des Ruhrgebiets. Ruhrpottredewendungen wie „Und wie iset sons so?“, „Jetz noch schnell nen Absacker, und dann gehtet ab inne Kiste!oder „Komma inne Puschen, Kumpel!“ finden aufgrund einer vorgeblichen Seriosität zwar keinen Einzug in meinen Blog, gehören aber im Alltag durchaus zu meinem Sprachrepertoire. Auch verwende ich gerne ruhrpotttypische Beleidigungen à la Dreckschippengesicht, Frettchenfresse oder Tortenarsch. Im Ruhrgebiet trägt man das Herz auf der Zunge, und die Zunge ist schnell bei der Sache. Und das ist gut so. Hier, in der Herzkammer der Bundesrepublik, zwischen Duisburg im Westen, Dortmund im Osten und natürlich Essen in der Mitte, ist ein ganz besonderer Menschenschlag beheimatet. Wir sind rau, aber oft auch herzlich. Wir pflegen eine sehr spezielle Form der Mentalität. Und möchten diese auch gerne sehen, vor allem im Fußball. Bei unseren Vereinen.

Des Weiteren bin ich, wie der eine oder andere Leser meines Blogs vielleicht schon bemerkt hat, ein überzeugter Anhänger des großartigsten Fußballvereins der Welt, der da heißt Rot-Weiss Essen. Danach kommt in Sachen Fußball erstmal nichts, und dann kommt, aus Überzeugung und aus Tradition heraus, Borussia Dortmund (kurz dahinter la Albiceleste). RWE-Anhänger, BVB-Sympathisant. Manche mögen das anders halten, ich halte das seit Jahren genau so.

Ich habe dies alles so lang und breit erläutert, damit folgendes auch wirklich verstanden wird: Ich kann Lucien Favre überhaupt nicht leiden.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es liegt mir fern, den Menschen Lucien Favre zu diskreditieren, in Misskredit zu bringen. Denn ich kenne ihn nicht persönlich, und ich denke, dass er durchaus über einen gewissen Fußballsachverstand verfügt. Und womöglich ein netter Kerl ist. Aber was ich auch denke: Er und seine Art, Fußball spielen zu lassen, passen so rein gar nicht ins Ruhrgebiet.

Das fängt schon damit an, wenn ich mir eine Pressekonferenz mit Lucien Favre ansehe. Dieses schelmische, leicht verschmitzte und dabei unnatürliche Grinsen; dazu die immer gleichen, gebetsmühlenartig vorgetragenen Worthülsen aus seinem Satzbaukasten, die auch nicht nur ein einziges Mal explizit auf den nächsten Gegner eingehen, sondern immer nur dazu dienen, die favresche Art des Fußballs und seiner Ergebnisse zu erklären. Wenn man da nicht bei einschläft, möchte man sich zumindest eine Kiste Bier hinter die Binde kippen. Nein, das ist alles so gar nicht meins.

Das Ganze kulminiert dann auf dem Platz, in der Art, wie sehr viele Spiele – gerade Auswärtsspiele – von Borussia Dortmund in der letzten Zeit gelaufen sind. Nämlich zähflüssig wie ein Glas Erdbeermarmelade. Als Blaupause dient da ganz vorzüglich das Auswärtsspiel bei Inter Mailand in der Champions League. Behäbiger Beamtenfußball, fernab von jedwedem Esprit und mit erkennbaren Mentalitätsmängeln. Ich vertrete schon länger die Ansicht, dass sich eine Mannschaft irgendwann ganz automatisch dem Gemütszustand ihres Trainers anpasst. Im Fall Lucien Favre, scheint mir das nicht wirklich gesund zu sein.

Um auf den oben erwähnten Einstieg zurückzukommen: Hier im Ruhrgebiet herrscht eine ganz spezielle Art der Mentalität, die von den Menschen, die hier leben, auch mit Inbrunst verkörpert wird. Das gilt, und das sogar ganz besonders, auch für den Fußball. Bei manchen Menschen mit einem gewissen Mentalitätsdefizit denke ich, dass sie im Ruhrgebiet einfach nicht gut aufgehoben sind. Abseits von ihren wie auch immer gearteten Qualitäten.

Lucien Favre, nehmen sie es bitte nicht persönlich. Aber ich denke nicht, dass der Ruhrpott und Sie jemals gute Freunde werden.

5 Gedanken zu “Warum ich Lucien Favre so gar nicht mag

  1. In vielen Dingen kann ich Dir uneingeschränkt zustimmen. Nur weiß ich aus seiner Zeit bei Hertha BSC, dass L. Favre ein akribischer Arbeiter ist und einen guten Fußballsachverstand besitzt. Das kann er jedoch oftmals nicht umsetzen. Er ist ein Sicherheitsfanatiker und oftmals auch ein Zauderer, was uns in Berlin zur Weißglut brachte. Deshalb wurde er dann bei Hertha auch entlassen.

    Nur in einem habe ich mich getäuscht. Als er damals hier entlassen wurde, sagte ich, der bekommt nie wieder einen Job in der Bundesliga. Aber man kann sich ja mal täuschen.

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    1. Catenaccio 07

      Ich erwähnte ja, dass ich ihn durchaus für einen Experten halte. Sein Fachwissen will ich auch gar nicht in Abrede stellen. Nur, und da nutzt das alles nichts – er passt nicht zu Borussia Dortmund, er passt nicht ins Ruhrgebiet. Nicht zu unserer Vorstellung von Fußball.

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  2. Seitdem Lucien Favre damals ohne Grund in Gladbach zurückgetreten ist, sollte jedem Verantwortlichen klar sein, dass man mit diesem Trainer nichts gewinnen kann. Er hat das damals einfach gemacht, weil er die Nerven verloren hat. Da kann ich Sigurd nur Recht geben, er ist ein Zauderer. Er kann sicher eine Mannschaft stabilisieren und ganz gut durch eine Saison bringen. Wenn man dann nicht irgendwelche größeren Erwartungen hat, kann man als Verantwortlicher mit Lucien Favre durchaus arbeiten. Für die Ziele vom BVB ist dieser Mann allerdings nur eine Bremse.

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    1. Catenaccio 07

      Ich finde es schon befremdlich, wie oft er sagt „Wir können dies nicht, wir können das nicht“. Ja, bei manchen Vereinen mag das gangbar sein. Für einen Verein wie aktuell den BVB sicher nicht. Aber das lässt auch Rückschlüsse auf seinen Gemütszustand zu.

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  3. Walter Trock

    Ich komme aus dem Norden, aus Büsum ich bin zu Dortmund gekommen, als unser Kloppi Trainer wurde. Da wurde schonen Fussball gespielt, aber die Zeiten sind vorbei, leider, jetzt spielen sie schlafwagen Fussball. Sie spielen immer schön wenn sie schnell und viel kurzpass spielen dann siehst du sofort wie der Druck nach vorne kommt. Fafre kann das nicht, da muß eine anderer Trainer her.

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