07 Fragen an Marcus Uhlig


Marcus Uhlig, beginnen wir mal mit einer, wie ich finde, gar nicht so gewagten These. Du bist ja nicht nur seit nunmehr rund zwei Jahren Vorsitzender von Rot-Weiss Essen, sondern auch seit Deiner Kindheit ein überzeugter Anhänger des Clubs. Dieser Verein besitzt bei aller Liebe und Zuneigung die Kompetenz, einen hin und wieder in den Wahnsinn zu treiben, oder? Ich für mich vergleiche das gerne mal mit einer Frau, die man zwar aufrichtig liebt, aber an der man schon mal verzweifelt.

Diese These unterschreibe ich zu 100%. Aber mal ganz ehrlich: Über diese Wucht und diese Emotionalität, die bisweilen ins Irrationale abdriften, war ich mir vorher im Klaren, als ich mich entschieden hatte, für RWE zu arbeiten. Rot-Weiss Essen ist Himmel und Hölle gleichzeitig.

Ich habe mit einem temporären Leistungstief der Mannschaft – und ich erwähne bewusst die Mannschaft, nicht Einzelne – im Laufe der Spielzeit gerechnet, das erachte ich gerade bei einer komplett neu zusammengestellten Truppe als völlig normal. Nur dachte ich eigentlich, dass dieses Tief erst später in der Saison einsetzen würde. Hast Du als Fan, denn als solcher frage ich Dich ganz bewusst, eine Erklärung oder eine Mutmaßung für gerade diesen Zeitpunkt?

Planen kann man so etwas nie. Wir wussten, dass dieser komplexe Umbauprozess, den wir im Sommer in vielen Bereichen eingeleitet haben, Zeit braucht, um konstant zu greifen, zu laufen. Wir haben stets sehr transparent kommuniziert, dass es Rückschläge geben wird und einen solchen Rückschlag erleben wir aktuell. Jetzt gilt es, wieder zurück in die Erfolgsspur zu kommen. Dafür müssen und werden wir nach außen ruhig und besonnen bleiben und nach innen ehrlich und selbstkritisch die Fehleranalyse betreiben. Wilder Aktionismus oder gar Populismus in der Aufarbeitung von Fehlern bringen gar nichts und sind höchst kontraproduktiv. Wir werden in aller Sachlichkeit aber auch in aller Akribie und Ehrlichkeit an den Dingen arbeiten. Das Wichtigste: Wir müssen eng und geschlossen beieinander bleiben, dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen.

Zum entspannen lieber mal einen trockenen Wein, oder ein kühles Bier?

Sehr zum Leidwesen meiner Frau bin ich überhaupt kein Weintrinker. Von daher: ein kühles Bier. Wenn es eben geht, natürlich ein Stauder.

Wir haben mit der Verpflichtung von Christian Titz, die ich uneingeschränkt begrüße, auch sein Spielsystem eingeführt, welches gerade nach einem Misserfolg schon mal bei dem einen oder anderen Beobachter auf Ablehnung stößt. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich in den letzten sieben, acht Jahren so einen Fußball an der Hafenstraße nicht gesehen habe, davor eher selten, und das im positiven Sinne. Denn dieses System ist zuvorderst dazu ausgelegt, dem Gegner schon früh den Zahn zu ziehen und ihn zu zermürben. Exakt das, was ich hier sehen möchte. Natürlich hakt es bisweilen noch in den Abläufen, im Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile. Als Du über die Verpflichtung von Christian Titz nachdachtest, hattest Du da eher die Person, den Menschen im Auge, oder ganz bewusst diese Art Fußball spielen zu lassen?

Es müsste korrekterweise „als Ihr – also Jörn Nowak und Du – zum ersten Mal über die Verpflichtung von Christian Titz nachgedacht habt…“ heißen. Wir hatten natürlich den „Christian-Titz-Fußball“ im Auge, als wir den Kontakt aufgenommen hatten. Den „Menschen Christian Titz“ haben wir dann erst nach und nach erst kennen- und schätzen gelernt. Aber wir haben nach dem ersten Kennenlernen recht schnell einen guten Draht zueinander entwickelt. Jedenfalls hoffe ich sehr, dass ich mich da nicht täusche und Christian und Jörn das genau so sehen (lacht).

Du bist ja wie ich ein überzeugter Katzenliebhaber, und ohne jetzt Hundebesitzer zu vergrätzen: Diese kleinen Fellknäuel sind einfach nur großartig, oder? Sie bringen mich auch schon mal dezent runter, zum Beispiel nach einer ärgerlichen Niederlage.

Selbstverständlich. Wir haben einen Kater und eine Katze. Beide sind überragende Wesen und bleiben uns hoffentlich noch lange erhalten.

Was machst Du als Erstes, wenn Du morgens im Büro sitzt?

Recht unspektakulär. Jeden Morgen 8:00 Uhr: Rechner an, den ersten Kaffee eingießen, einen Überblick über die Tagespresse verschaffen und alles Tagesrelevante mit Jörn Nowak und unserer Assistentin Claudia Gerig besprechen.

Zur Zeit gibt es im Fußball eine Mentalitätsdebatte, manche erachten Mentalität als nicht so entscheidend, manche können diesen Begriff gar nicht erklären. Für mich ist Mentalität die Grundvoraussetzung im Fußball, für einzelne Spieler wie auch für eine ganze Mannschaft. Wie definierst Du Mentalität, gerade im Bezug auf die Essener Hafenstraße?

Mentalität im Fußball beinhaltet für mich folgendes: Druckresistenz, Mut, Erfolgsgier, maximaler Fleiß & Ehrgeiz, sich stets verbessern zu wollen. Außerdem Disziplin & Respekt sowie den unbedingten Willen, Widerstände brechen zu wollen – auch dahingehend, in den roten Bereich zu laufen, auch wenn es weh tut.

Danke für Deine Zeit, und auf einen sportlichen Dreier am Samstag in Bergisch Gladbach.

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s