Herbstblues? Nein danke


Manchmal versuchen Sportjournalisten möglichst plakativ auszudrücken, natürlich nur in allerbester Absicht, was der geneigte Fußballfan ihrer Meinung nach gerade so denkt. Denn schließlich sind es ja ausgewiesene Sportjournalisten, und wie wir uns alle sehr gut vorstellen können, wissen die über alle Maßen Bescheid, über den Fußball, uns Fans und eigentlich alles. An besonders einfallsreichen Tagen, so wie nach der Niederlage von Rot-Weiss Essen bei der Zweitvertretung von Borussia Mönchengladbach am Donnerstag, werden auch gerne mal bedrohlich wirkende Suggestivfragen gestellt. So lautete der Titel eines Artikels eines Sportjournalisten vom überaus verehrten RevierSport vom letzten Freitag, den ich aus Gründen allerdings nicht las:

„Droht RWE der nächste Herbstblues?“

Hm. Nun, mal kurz überlegen. Ob ich tatsächlich bei dem zugegebenermaßen schon sehr herbstlichen Wetter in eine fußballerische rot-weisse Depression – denn die wäre ja ein elementarer Bestandteil dieses sagenhaften Herbstblues – verfalle. Also, ich höre nicht die ganze Zeit über seit dem Spiel am Donnerstag fabelhafte aber natürlich sehr schwermütige Musik von herausragenden Bluesern wie B. B. King, Muddy Waters oder Robert Johnson. Das heißt, natürlich höre ich die ab und zu. Was aber primär mit meinem allgemeinen Musikgeschmack und dem Können dieser oben genannten Herren zu tun hat, weniger mit einem im Raum stehenden Herbstblues. Auch habe ich mich noch nicht dabei beobachtet, wie ich nach dem Genuss von zu viel Alkohol an diesem Wochende – auch das würde natürlich zu einem ausgewachsenen Herbstblues gehören – anfange, permanent mit dem Kopf auf die Tischplatte zu schlagen. Ich bin auch noch gar nicht dazu gekommen – ja, auch das wäre für mich ein elementarer Bestandteil eines eventuell herbeigeredeten Herbstblues – , aufgrund meiner miesen Laune grundlos meine Freundin anzumaulen oder sonst irgendjemanden, der mir gerade über den Weg läuft. Eine Essstörung ist ebenfalls nicht zu bemerken, ich rasiere mich weiterhin jeden dritten Tag und dusche regelmäßig. Außerdem höre ich gerade „Sympathy For The Devil“ von den Rolling Stones, und das ist bekanntermaßen ein sicheres Zeichen dafür, dass ich nicht einem wie auch immer gearteten Herbstblues zum Opfer gefallen bin.

Ihr seht, liebe Sportjournalisten des RevierSport, bei mir sind keine Anzeichen eines Herbstblues vorhanden. Sollten diese im Laufe der kommenden Woche doch noch unerwartet auftreten, gebe ich Euch rechtzeitig über Twitter Bescheid.

Denn, ganz ehrlich, ich kann auch gar keine Voraussetzungen für einen ausgewachsenen Herbstblues erkennen. Klar, zwei Niederlagen am Stück dienen nicht gerade der allerbesten Laune, aber das kann ich nach über 35 Jahren als Anhänger von RWE mittlerweile ganz gut einordnen und wegstecken. Was ich sehe und was ich weiß: Rot-Weiss Essen hat eine herausragend arbeitende Führungsebene, einen fachlich wie menschlich einwandfreien Trainer sowie eine intakte und gut zusammengestellte Mannschaft. Ich bin natürlich ab und zu etwas angespannt, das gebe ich gerne zu, aber ansonsten ziemlich tiefenentspannt. Und es interessiert mich tatsächlich nur marginal, was in den letzten Spielzeiten passiert ist. Denn die sind für mich abgehakt.

So, Ihr investigativen Sportjournalisten des RevierSport. Damit habe ich das für mich geklärt. Ich nehme jetzt ein leckeres spätes Frühstück ein und höre dabei noch ein bisschen die Stones. Und wünsche Euch noch eine angenehme Woche mit Eurem… Herbstblues.

Nur der RWE.

10 Gedanken zu “Herbstblues? Nein danke

      1. Wahnsinn, oder ? Aber anscheinend lassen sich zu viele Leser damit abspeisen und die Verlage sparen ihre (zumeist elendig niedrigen) Honorare.
        Der Kicker ist mal auf einen Spielabbruch reingefallen und hatte einen Bericht über ein Spiel veröffentlich, das schon nach ner halben Stunde bei 0:0 abgebrochen worden war. Und das Ergebnis stand im Spielbericht, also macht KI dann „spannende 90 Minuten“ draus. 🙂
        Schlimm finde ich, wenn dann auch noch ein Autorenname drunter steht, obwohl Kollege Computer Phrasen ausspuckte.

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      2. Catenaccio 07

        Das sind schon menschliche Wesen beim RS, die das verfassen. Einige sind auch mit Leib und Seele dabei. Nur ein paar von den Neueren haben wohl damals das Tagesseminar von Pit Gottschalk (kostete 50 Euro, glaube ich) besucht, „Wie werde ich ein guter Sportjournalist“. Die erschreckenden Ergebnisse sieht man teilweise jetzt.

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      3. Ja, manchmal sieht man die Kollegen sogar auf der Tribüne 😉 Mit Wattenscheid im Zwiebeldorf war neulich keiner mit.
        Der gibt Seminare? Ach, Du sch…! Da wundert einen ja nichts mehr. Und jede dritte Headline ist ein „Hammer“. 🙂
        Bei dem Link oben steht wenigstens kein Name drüber, das deutet noch mehr auf KI hin.
        Es ist leider in der Branche mittlerweile üblich geworden, so zu schludern. Im Westfalenpokal wurde doch letzte Saison beim Verband das Halbfinale übertragen. Da geben die Geld an eine Firma aus dem Süden, deren Reporter hörbar nicht im Stadion war und sich ganz offenbar nicht einmal um eine Mannschaftsaufstellung bemüht hatte. Aber leider findest Du keinen mehr, der sich darüber empört. Im Gegenteil, dieser Mist wird dann noch geliket.

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      4. Catenaccio 07

        Ich klicke schon nicht an, wenn ich ein Ausrufezeichen in der Headline sehe. Dann weiß ich, da steht nichts relevantes drin. Nach einem RWE-Spiel reicht es auch, den ersten Artikel zu lesen. Alles was folgt, ist der gleiche Inhalt in grün. Pures Clickbait.

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