The times they are a-changin‘


Wie schnell sich der allgemeine Gemütszustand eines Menschen ändern kann, dafür dient der Fußball, respektive die Verbundenheit zu seinem Lieblingsverein als gutes Beispiel. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit – genauer: die gesamte Rückrunde der vergangenen Saison über – glichen die Heimspiele von Rot-Weiss Essen einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Ohne Betäubung, ohne eine freundlich lächelnde und beruhigend auf einen einredende Zahnarzthelferin. Und am Ende der äußerst schmerzhaften Behandlung wurde dir mitgeteilt: Wir sehen uns beim nächsten Termin in zwei Wochen. Und dann wieder zwei Wochen später. Und wieder. Alle zwei Wochen. Ohne Betäubung, ohne Linderung, ohne Aussicht auf Besserung. Teilweise verspürte man fast schon körperliches Unbehagen, wenn man sich mehr oder weniger desillusioniert auf den Weg zur Hafenstraße machte. Denn man wusste irgendwann genau, was dann in unschöner Regelmäßigkeit auch kam. Der Schmerz.

Gott sei Dank ist das jetzt ganz anders. In diesen Tagen wacht man am Spieltag schon mit guter Laune auf, ist froh gelaunt den ganzen Tag über und kann es kaum erwarten, sich auf den Weg zum Stadion Essen zu machen. Denn auch jetzt weiß man, was da aller Wahrscheinlichkeit nach kommt. Eine verdammt gute Zeit.

Schon in den Gesichtern der Menschen, denen ich in diesen Wochen am Spieltag in Bus und Bahn begegne, ist dieser auffällige Stimmungsumschwung zu erkennen. Keine missmutigen Mienen mehr, keine sauertöpfischen Grimassen in der Vorahnung, was da wohl kommen wird. Sondern einfach nur eitel Sonnenschein, selbst bei Regenwetter. Und warum? Kurz und knapp formuliert: Weil da endlich wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht, die es sich verdient hat das Wappen von Rot-Weiss Essen auf ihren Trikots zu tragen (ja, ein bisschen Pathos muss ab und zu mal sein).

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Ich persönlich mache das für mich auch an einer eigentlich irrelevanten Tatsache fest. Mit stark erhöhter Temperatur und Schüttelfrost bin ich seit gestern nicht wirklich in der Lage, vor die Tür zu gehen. Geschweige denn in ein Stadion. Vor wenigen Monaten wäre mir das noch relativ egal gewesen, ich hätte es vor allem noch nicht mal im Ansatz mit Fußball in Verbindung gebracht. Heute denke ich nur – hey, es ist Dienstag. Das wird sich doch wohl bis Freitag wieder gelegt haben. Denn ich will unbedingt dabei sein, wenn die Mannen um „Magic“ Titz den Bonner SC nach drei Jokertoren mit 4:0 aus dem Stadion schießen.

By the way – wie macht der Mann das eigentlich? Ich habe für diese perfekten Einwechslungen zur absolut richtigen Zeit immer noch keine Erklärung. Ist das Glück, Fachwissen, Intuition? Wahrscheinlich von allem etwas. Aber ich mache mir darüber besser keine weiteren Gedanken, sonst lande ich noch irgendwann bei kruden übersinnlichen Theorien. Belassen wir es einfach dabei, dass Christian Titz deswegen regelmäßig ein glückliches Händchen beweist, weil er einfach verdammt viel Ahnung von der Materie hat.

So, ich pumpe mich jetzt mit diversen Chemikalien aus der Apotheke und dem ein oder anderen lindernden aber leider übel riechenden Gesundheitstee zu. Denn wie gesagt: Das Flutlichtspiel am Freitag gegen den Bonner SC zu verpassen, wegen einer profanen Männergrippe, das kommt mal gar nicht in die Tüte. Zur Not lasse ich mich von meiner Freundin im Liegendtransport zum Stadion Essen chauffieren und dort schwesternmäßig betreuen.

Nur der RWE. Und Hagebuttentee.

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3 Gedanken zu “The times they are a-changin‘

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