Die 10 erinnerungswürdigsten Pokalfights an der Hafenstraße


Nach dem wirklich sehr angenehmen Sieg im Niederrheinpokal über den KFC Uerdingen am letzten Freitag, gingen mir in den letzten Tagen mal wieder einige vergangene Pokalspiele von Rot-Weiss Essen an der Hafenstraße durch den Kopf, sei es im Niederrhein- oder im DFB-Pokal. Zeit, diese mal persönlich auf Reihe zu bürsten.

Anmerkung: Verstärkt sind es Partien der jüngeren bis mittleren Vergangenheit, da diese natürlich noch präsenter im Kopf sind. Ferner sind auch keine Spiele gelistet, die ich aus Altersgründen noch gar nicht sehen konnte. Eventuell fehlen ein oder zwei neuere Kicks, bei denen ich nicht im Stadion war. Und natürlich wird diese Liste bei dem einen oder anderen RWE-Fan ganz anders aussehen, denn nichts ist subjektiver als irgendeine Rangliste im Fußball. Here we go:

• Platz 10: Rot-Weiss Essen vs. Hamburger SV, DFB-Pokal 07/08, Achtelfinale, 0:3.

Zum lockeren Einstieg ein Spiel auch für schwache Nerven. Denn dieser Kick war eine ziemlich einseitige Angelegenheit, die auch schon kurz nach der Pause entschieden war. Erinnerungswürdig für mich überhaupt nur deswegen, weil ich mich während des Spiels mit meiner damaligen Lebensabschnittsgefährtin verbal dermaßen in die Wolle kriegte, dass wir das Stadion kurz nach besagter Halbzeit wutentbrannt in entgegengesetzte Richtungen verließen. Ich glaube, sie war auch nur wegen dem Schnullibulli Rafael van der Vaart dabei. Nur war sie nicht unbedingt Sylvie Meis.

• Platz 9: Rot-Weiss Essen vs. MSV Duisburg, Niederrheinpokal 13/14, 1:4 n.E.

Ein ziemlich kuriose Sache, auch was die Begleitumstände betrifft. Zum einen, weil während des Spiels auf einmal das Tor auf der Westtribüne zum Rasen hin geöffnet wurde. Was natürlich aus naheliegenden Gründen nicht passieren sollte. Dass daraufhin jedoch in Sekundenschnelle ein Polizeiaufgebot auf dem Rasen stand, welches in Größe und Form an die Polizeiaufmärsche während der Anti-Atomkraft-Demos in Brokdorf in den 80ern erinnerte, nun ja. Manchmal ist weniger einfach mehr. Wahrscheinlich war das der Tatsache geschuldet, dass sich im Stadion ein gewisser Ralf Jäger befand, ausgewiesener MSV-Anhänger und damals Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Mann wollte ja auch was sehen, für seine nicht bezahlte Eintrittskarte. Dass RWE trotz eines Spiels auf Augenhöhe ausschied, weil im Elferpöhlen nicht ein einziger Ball versenkt wurde, das passte leider zum Gesamtbild dieses Abends. Was macht Ralf Jäger eigentlich heute? Ich glaube, die Geschichte hat ihn zurecht verschluckt.

• Platz 8: Rot-Weiss Essen vs. Borussia Mönchengladbach, DFB-Pokal 17/18, 1:2.

So langsam nähern wir uns den Spielen an, die schon ein bisschen mehr die Nerven strapazierten. Und in denen RWE oft die bessere, oder mindestens gleichwertige Mannschaft war. Und leider trotzdem unterlag. Wie hier in diesem, noch nicht lange zurückliegenden Fall. Kämpferisch on top, war über 90 Minuten kein gravierender Unterschied zwischen dem Regional- und dem Bundesligisten festzustellen. Am Ende kamen die Fohlen durch zwei späte Treffer weiter. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass RWE irgendwann ziemlich die Luft ausging. Was aber durch die vorher gezeigte unbändige Einsatzfreude kein größeres Wunder war.

• Platz 7: Rot-Weiss Essen vs. Energie Cottbus, DFB-Pokal 05/06, 1. Runde, 6:7 n.E.

Die Lorenz-Brüder, Bilgin, Boskovic, Younga-Mouhani. Essen führte schon mit 2:0, ehe die Cottbusser unter anderem durch Francis Kioyo (hust) zum unverdienten Ausgleich kamen. Nach der torlosen Verlängerung war es dann der Torwartexot Tomislav „Pipi“ Piplica, der den entscheidenden Elfer versenkte. In meiner Erinnerung ein eher mäßiges Spiel, welches aber durch den Spielverlauf an Qualität und vor allem Spannung gewann.

• Platz 6: Rot-Weiss Essen vs. Arminia Bielefeld, DFB-Pokal 16/17, 1. Runde, 4:5 n.E.

Und schon wieder. Mindestens auf Augenhöhe, aber trotzdem verloren. Und im Gegensatz zum vorigen Match ein Spiel, das auf allen Ebenen überzeugen konnte. Vielleicht mal als kurzer Einwurf: Dass dies hier keine reine Auflistung von glorreichen Siegen werden würde, war dem geneigten RWE-Fan wahrscheinlich schon klar. Aber so krude es eventuell auch klingen mag: Es sind auch – oder gerade vielleicht – die unglücklichen Niederlagen, die einen Anhänger von Rot-Weiss Essen noch enger an seinen Verein binden. Und versprochen, nach dem nächsten Spiel, da geht es aufwärts.

• Platz 5: Rot-Weiss Essen vs. Fortuna Düsseldorf, DFB-Pokal 15/16, 1. Runde, 1.3 n.E.

Nach diesem Spiel trudelten bei mir auf Twitter sehr viele Glückwünsche ein, selbst von eingefleischten Fortuna-Fans. Denn jedem, der dieses Spiel verfolgte, war klar: RWE war in diesem Pokalfight nicht nur auf Augenhöhe, sondern in allen Belangen überlegen. 120 Minuten lang wurde das Tor der Altbiertrinker berannt; man war wirklich so überlegen wie man es nur sein konnte. Allein, es fehlten die Tore in der regulären Spielzeit und in der Verlängerung. Bis, ja bis es zum wieder einmal schicksalhaften Elfmeterschießen kam. Bei diesem stellte ich mich demonstrativ vor jedem Versuch mit dem Rücken zum Spielfeld, in der Hoffnung, dass dieser taktische Kniff, den ich mal im Fernsehen sah, funktionieren würde. Tat er aber leider nicht. Raus mit Applaus.

POKAL RWE D'dorf 2015

• Platz 4: Rot-Weiss Essen vs. Rot-Weiß Oberhausen, Niederrheinpokal 14/15, Finale, 6:5 n.E.

Auch in diesem Spiel fielen in 120 Minuten kein Tore, also wieder einmal Elferpöhlen. Und wie so oft – RWE überlegen und das Match in der Hand habend, trotz heftiger Gegenwehr der falschen Rot-Weißen vom Kanal. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich während dieses Nachmittags ziemlich heftig betrunken habe. Wahrscheinlich ahnte ich was da kommt und wollte mich präventiv beruhigen. Was natürlich völliger Blödsinn ist, denn zwei oder drei Bier zuviel machen einen letztendlich nur noch hibbeliger. Jedenfalls, das Elfmeterschießen bekam ich noch mit. Nach elf Treffern in Folge hielt Niclas Heimann den Schuss eines Oberhauseners, und ein denkwürdiger Tag endete für mich leider viel zu früh im Bett. Selbst schuld.

• Platz 3: Rot-Weiss Essen vs. Union Berlin, DFB-Pokal 11/12, 1. Runde, 4:3 n.E.

VINCENT WAGNER! Ein Spiel, ein Mann, eine Entscheidung. Denn wie so oft musste diese im Elfmeterschießen gefällt werden, und Wagner behielt die Nerven und netzte den letzten Versuch entschlossen ein. Um anschließend mit der Becker-Säge das Georg-Melches-Stadion in ein Tollhaus zu verwandeln. Ich sah dieses Spiel von der damals provisorisch errichteten „Westkurve“ aus Stahlrohr und Holz aus, die für kurze Zeit auf dem Brachland der ehemaligen Westkurve stand. Und das hatte den Vorteil, dass ich die drei verbliebenen Tribünen des GMS wie ein Panoramabild vor mir hatte. Und damit die gesamte Freudeneruption, die Wagners Elfmeter zur Folge hatte. Unbeschreibliche Bilder, die ich nie vergessen werde.

• Platz 2: Rot-Weiss Essen vs. Schalke 04, DFB-Pokal 92/93, 2. Runde, 2:0.

Für viele sicher die Nummer 1, für mich „nur“ auf Platz 2. Der grandiose Pokalsieg gegen den zurecht unbeliebten blauen Nachbarn aus Gelsenkirchen, veredelt durch das Jahrhunderttor von Jörg Lipinski, der dem etwas tollpatschigen – man könnte auch sagen arroganten – Jens Lehmann auf Höhe der Mittellinie den Ball abnahm und alleine bis zur Torline lief, um dort den Ball zu stoppen, Richtung Gegengerade zu jubeln und dann nach gefühlt einer halben Minute die Kirsche lässig ins Tor schob. Ein Moment für die Ewigkeit. Sah übrigens auch Schalke-Trainer Udo Lattek so, der mit seiner Truppe mal ganz und gar nicht zufrieden war.

• Platz 1: Rot-Weiss Essen vs. Bayer Leverkusen, DFB-Pokal 95/96, Achtelfinale, 1:4 n.E.

Wer diesen Blog schon etwas länger verfolgt, der weiß, dass es für mich nur dieses eine Spiel geben kann, bei der Frage nach dem größten Pokalfight an der Hafenstraße. Wie diese rot-weisse Mannschaft um Grein, Dondera, Margref und dem unermüdlichen „Putsche“ Helmig, der an diesem Abend das Spiel seines Lebens machte, die Leverkusener Weltklasseelf mit Leuten wie Schuster, Völler und Paulo Sérgio teilweise an die Wand spielte, das war das Beste, was ich jemals an der Hafenstraße sah. Ohne Abstriche, ohne Wenn und Aber.

Und am Ende weinten die Götter.

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