Die Nagelprobe


Nach meinem letzten Blogeintrag, der in weiten Teilen ziemlich optimistisch (manche meinten gar euphorisch) gehalten war, dachte ich ehrlich gesagt nicht, dass der nächste, also dieser hier, von ähnlicher Gestalt sein würde. So kann man sich täuschen.

Ich hatte nämlich, trotz des mehr als gelungenen Saisonstarts mit wirklich nicht einfachen Gegnern wie den BVB II oder Rödinghausen, ein klein wenig Sorge vor dem gestrigen Kick bei Rot-Weiß Oberhausen. Eine Truppe, die uns in den letzten Jahren nie wirklich gut gelegen hat. Einen Auswärtssieg im Niederrheinstadion kannten zum Beispiel keine Kinder, die im August dieses Jahres eingeschult wurden. Nun, jetzt wissen die Kleinen, wie gut sich das anfühlt. Und wir Erwachsenen genießen einen weiteren Montag nach einem gewonnenen Spiel.

Und ganz ehrlich, wer mir im Vorfeld gesagt hätte, dass RWE die Partie mit 3:0 und absolut ungefährdet nach Hause bringt, den hätte ich leicht zweifelnd angesehen. Und ihn für seinen anscheinend zu großen Optimismus für, nun ja, einen zu großen Optimisten gehalten. Denn der Grundstock an Restzweifel, an einer vorsichtigen Herangehensweise, der ist bei mir – trotz aller Lobeshymnen derzeit – immer noch vorhanden. Man schreibt vielleicht immer einen Tacken positiver, als man tatsächlich denkt. Aber das halte ich für normal, und schließlich möchte man ja, gerade wenn es so gut läuft wie zur Zeit, auch gute Laune verbreiten.

Wie wohl auch einige andere war ich vor Saisonbeginn etwas skeptisch, ob der Verpflichtung von Jörn Nowak auf dem Posten des Sportlichen Leiters. Ich fragte mich insgeheim, ob ein 33-jähriger schon über die ausreichende Qualifikation, über ein gut geöltes Netzwerk verfügt, um in recht kurzer Zeit ein völlig runderneuertes Team von Format zusammenzustellen. Ob alleine, oder schon im Verbund mit dem Trainer. Nun, Herr Nowak, falls Sie das hier lesen: Ich möchte hiermit für meine leisen Zweifel öffentlich Abbitte leisten. Diese Mannschaft ist de facto die beste, die ich hier in den letzen 10, 12, vielleicht 15 Jahren an der Hafenstraße gesehen habe. Und glauben Sie mir, ich bin kein Schleimer.

Um ein Extralob für Chefcoach Christian „Big“ Titz komme ich im Moment nicht herum, wie sollte das auch funktionieren. Hier gehe ich sogar noch weiter zurück, als die oben angeführten 10 oder 15 Jahre. Ich halte Christian Titz schlicht und einfach für den qualifiziertesten und besten RWE-Trainer, seit Jürgen Röber die Einheiten an der Hafenstraße leitete. Der Mann scheint einfach keine falschen Entscheidungen treffen zu können, was Matchplan, Aufstellungen, Einwechslungen etc. betrifft. Ich bin mir ziemlich sicher, eröffnet Christian Titz ein veganes Schnitzelhaus in einem Dorf voller überzeugter Fleischesser, die Leute würden ihm trotzdem die Bude einrennen. Einfach nur, weil er sie in seiner unaufgeregten und unprätentiösen Art für ein Tofu-Schnitzel begeistern würde. Gut, ich als bekennender Fleischliebhaber würde vielleicht standhaft bleiben. Aber nichtsdestotrotz würde ich immer heimlich durch die Fensterscheiben lugen, um zu erfahren, was dort gerade wundersames passiert.

Und jetzt noch eine große Bitte: Es wird irgendwann die erste Niederlage kommen, vielleicht auch mal eine Minikrise. Sollte dies eintreffen, möchte ich hier im Umfeld nicht wieder die handelsübliche Krakeelerei hören, nicht die ersten abgrundtief miesen Kommentare lesen. Was hier gerade passiert, soll nämlich erst der Anfang einer langen und erfolgreichen Reise sein. Und auf dieser wird es zwangsläufig auch den einen oder anderen Rückschlag geben. Lasst den Mann in Ruhe arbeiten, nach einem Sieg wie auch nach Niederlagen. Ich glaube nämlich, dass Christian Titz für Rot-Weiss Essen ein absoluter Glücksfall ist.

So, kommenden Freitag geht es dann weiter, mit einem Flutlichtspiel im Niederrheinpokal gegen den klassenhöheren KFC Uerdingen. Keine Ahnung, ob wir das Ding gewinnen werden oder nicht. Ist für mich so ein Fifty-Fifty-Spiel. Was ich aber ganz sicher weiß – dass da eine rot-weisse Mannschaft auf dem Rasen stehen wird, die, ob sie siegreich sein wird oder nicht, nach dem Spiel unsere verdienten Standing Ovations entgegennehmen wird.

Weiter, immer weiter. Nur der RWE.

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