Oberhausen & die Rolling Stones


Kommenden Sonntag steht es wieder einmal an, das sogenannte Derby zwischen Rot-Weiß Oberhausen (falsch geschrieben) und Rot-Weiss Essen (richtig geschrieben). Nun ja, wenn wir von der Prämisse ausgehen, dass ein Derby ursprünglich zwischen zwei Vereinen einer Stadt… aber lassen wir das.

Fakt ist, ich habe heute eine handfeste Aversion gegenüber der Stadt Oberhausen und explizit dem ortsansässigen Verein. Nun mag jeder seine eigene Sicht auf die verschiedenen Städte des Ruhrgebiets haben, und ich akzeptiere fast jede. Aber Oberhausen… nein, ich mag das triste Oberhausen und RWO einfach nicht. Und das geht für mich auch völlig in Ordnung.

Allerdings verbinde ich mit Oberhausen ein persönliches Erlebnis, welches wohl selbst die dortigen Eingeborenen als das gesellschaftliche wie kulturelle Highlight der nun 145-jährigen Stadtgeschichte (hab‘ ich gegoogelt) betrachten werden: Das Konzert der Rolling Stones 2003 auf der Industriebrache mit dem überaus geschönten Namen O.Vision Zukunftspark. Ja, es stimmt tatsächlich. Die immer noch weltbeste Band der Welt (nur meine Meinung) hielt sich im Juni dieses Jahres tatsächlich im überschaubaren Oberhausen auf, um etwa 70.000 Fans an einem angenehmen Sommerabend ein knapp zweistündiges Konzert der Extraklasse auf die Ohren zu geben. Und damit noch nicht alles. Als Vorgruppen (!) traten nämlich die australischen Glockenschwinger und Riffbretterer von AC/DC um die Gebrüder Young auf, sowie die damals kurz vor der Auflösung stehenden The Cranberries, deren wunderbar charismatische Sängerin Dolores O’Riordan 2018 leider viel zu früh verstarb.

Bildergebnis für rolling stones oberhausen 2003

Foto welt.de

Ja, das war tatsächlich ein Abend der Superlative. Angus & Malcolm und Mick & Keith, vier Ikonen der Musikgeschichte an einem Stück an einem Abend auf einer Bühne. Plus Dolores. Satisfaction. Glaubt mir, ich habe nach kurzer Zeit keine Sekunde mehr daran gedacht, dass ich mich gerade im trüben Oberhausen befinde. Eher auf dem hammerhart geilen Planet Rock. Gimme Shelter. Und die diversen alkoholischen Getränke, die im Laufe des Abends konsumiert wurden, spielten dabei noch nicht mal eine große Rolle. Nur eine ganz kleine. It’s only Rock ’n‘ Roll but I like it.

Was ich an dieser Stelle leider auch erläutern muss: Mein letzter Aufenthalt im Stadion Niederrhein datiert vom Dezember 2007, damals noch ein Spiel in der drittklassigen Regionalliga Nord. Ich kann mich – im Gegensatz zum Stones-Konzert vier Jahre zuvor – auch nur noch schemenhaft daran erinnern. Es hat den ganzen Tag, wirklich den ganzen Tag geschifft, aus Kübeln und ohne Pause. Aber irgendwie passt das zu diesem Stadion Niederrhein, das manche Fußballromantiker vielleicht als Kleinod bezeichnen mögen, das für mich aber nur ein ziemlich hässlicher Klotz an einem penetrant müffelnden Kanal ist. Sorry not sorry. Der RWE verlor damals mit 0:1, in einem wirklich gruseligen Kick, den die meisten Beteiligten wohl schon einen Tag später in der Schublade „Brauche ich echt nicht wieder“ abgelegt haben werden. Zurecht. Es war ein wirklich mieses Spiel.

Zu allem Überfluss war ich auch noch mit der im Nachhinein falschen Frau in dieser Vorhölle, was mir den Besuch im Nachgang noch einen Tacken unangenehmer erscheinen lässt. Die Richtige habe ich heute, aber ein Aufenthalt im Stadion Niederrhein gehört mittlerweile nicht mehr zu den Dingen, die ich einem sensiblen Wesen mit einem verständlichen Hang zu halbwegs akzeptablen Sanitäranlagen zumuten möchte. Und mir selbst auch nicht. Ich verlasse mich in diesem Fall auf Radio Hafenstraße und dem wie immer hervorragenden Spielbericht des Kollegen von Nullsieben.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Kommt in großer Zahl nach Oberhausen, unterstützt den RWE und macht das Match am Sonntag zu einem Heimspiel. Nur verzeiht auch einem ruhiger gewordenen Mann mittleren Alters, wenn ein Sonntagnachmittag in einer öden Baracke nicht mehr zwangsläufig zum Nonplusultra gehört. That’s how it is, und auch das geht für mich in Ordnung. Mit Oberhausen bin ich durch. Manche Dinge sind einfach nicht mehr mein Rock ’n‘ Roll, im Gegensatz zu den Stones. Oder AC/DC. You can’t always get what you want. Früher war das anders.

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4 Gedanken zu “Oberhausen & die Rolling Stones

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