Des Wahnsinns fette Beute

Manch Essener ist wohl auch heute noch, zwei Tage später, fix und fertig. Zum einen wegen der Temperaturen geradewegs aus der Hölle, die seit Mitte letzter Woche die Ruhrgebietsmetropole in einen Backofen verwandelten, der selbst hartgesottene Karibik-Urlauber ins große Schwitzen brachte. Ich selbst kam irgendwann auf die krude Idee, mir eine Pizza Quattro Formaggi auf den Steinfliesen im heimischen und nahezu subtropischen Garten zu backen; allerdings habe ich das schnell wieder verworfen, da es zu diesem Präzedenzfall noch keine EU-Richtlinie gibt. Zum anderen war da der RWE-Saisonauftakt am Freitag gegen die Zweitvertretung des BVB, der, man kann es wohl nicht anders sagen, aus vielerlei Gründen an den Nerven des rot-weissen Anhangs zehrte.

Beginnen wir mit dem Finale Furioso, mit der Katharsis: Das Siegtor in der fünften Minute der Nachspielzeit, aber auch schon der fulminante Freistoßtreffer aus rund 25 Metern in der 80. Minute, ließen dermaßen viele Sorgensteine des Anhangs wie wohl auch der Verantwortlichen auf den Boden plumpsen, die Erleichterung war fast mit Händen zu greifen. Denn machen wir uns nichts vor, eine Niederlage zum Auftakt, und an der Hafenstraße hätten – leider – bei vielen wieder die apokalyptischen Mechanismen eingesetzt, die, gerade nach einer unverhohlenen Euphorie vor Saisonbeginn, in den letzten Jahren immer mal wieder zu beobachten waren. Selbstzweifel, gepaart mit Versagensängsten und kulminierend in reichlich mieser Laune.

Gut, dass das erstmal vom Tisch ist. In der Nachspielzeit Tore zu schießen ist auch deutlich besser, als zu kassieren. Wir reden da aus Erfahrung.

Dabei war am Freitag natürlich noch nicht alles im Grünen Bereich, vor allem in der ersten Halbzeit war zu beobachten, dass das Spielsystem von Chefcoach Christian Titz eine durchaus riskante Angelegenheit sein kann und sich hier noch in einem Prozess befindet. Gerade das hohe Anlaufen ist so eine Sache, die einem abgewichsten Gegner auch schon mal unverhoffte Möglichkeiten eröffnet und dem eigenen Anhang bisweilen den Schweiß auf die ohnehin schon klamme Stirn treibt. Aber in diesem Freitagsfall gilt: Ende gut, alles gut.

RWE

kinddespotts07

Und zwei Dinge sind mir persönlich wichtig. Erstens gefällt mir diese Spielweise einfach. Ich habe hier in den vergangenen Spielzeiten viel zu oft defensiven, abwartenden Anti-Fußball bestaunen müssen, der einfach keinen Spaß macht. Klar, mit dreckigen 1:0-Siegen kann ich eigentlich gut und gerne leben, denn Fußball ist zuvorderst ein Ergebnissport. Nur wenn es dreckig ist und 0:1 ausgeht, dann war’s halt scheiße. Ist so.

Punkt 2: Auf dem Rasen befand sich eine Mannschaft, der man in jeder Phase ansah, dass sie es wollte. Man spürte, dass sie, ohne einzelne Spieler in irgendeiner Form herauszunehmen, wusste, was das Publikum an der Hafenstraße sehen möchte. Und wenn das der Fall ist, und das kann man gar nicht oft genug betonen, werden auch schlechtere spielerische Phasen in Kauf genommen. Davon ab ergibt sich der Rest früher oder etwas später von selbst, wenn ein Team gefestigt, von sich selbst überzeugt ist. Und genau diesen Eindruck konnte man am Freitagabend gewinnen.

Also, die erste Sprintankunft wurde erfolgreich bestritten. Und das gegen einen Gegner, der ganz sicher nicht zum Fallobst der Regionalliga West gehört. Die Rundfahrt geht nun weiter, das Langstreckenrennen hat gerade erst begonnen. Gehen wir mal davon aus, dass wir ziemlich gut gerüstet und in allen Bereichen gut aufgestellt sind.

Nur der RWE.

5 Gedanken zu “Des Wahnsinns fette Beute

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