Videobeweis? Nein danke


Zugegeben: ich bin generell nicht der allergrößte Freund von Regeländerungen oder Neueinführungen im Fußball. Ich mag diesen Sport, so wie er ist. Wie ich ihn seit gefühlt 1907 Jahren kenne. Was nichts damit zu tun hat, dass ich vielleicht etwas konservativ oder verbohrt bin. Nein, ich finde einfach nur, dass man funktionierende Dinge nicht zwingend ändern muss. Man sollte sie, sofern sie nicht den Weltfrieden oder meine Gesundheit bedrohen, einfach laufen lassen.

Was nun wieder – und ich sage betont wieder – bei der Fußball-WM der Damen in Frankreich passiert, spottet in meinen Augen jeder Beschreibung.

Spielunterbrechungen im Rahmen von 5 Minuten plus X, schier endlose Diskussionen zwischen Schiedsrichtern/Schiedsrichterinnen auf dem Feld und allwissenden Videoschiedsrichtern, die irgendwo in einem Kabuff vor einem Monitor hocken und nahezu gottgleich die vorgeblich einzig wahre, unfehlbare Entscheidung herbeiführen. Im angeblichen Interesse aller Beteiligten.

Aber, tun sie das wirklich? Fakt ist doch, dass die Diskussionen über etwaige Fehlentscheidungen seit Einführung des Videobeweises eher zu- , denn abgenommen haben. Und wenn ich mich recht erinnere, war ein Hauptgrund für diese Neuerung, dass es dadurch weniger Unstimmigkeiten geben sollte. Mehr Klarheit. Nun, das Gegenteil ist klar der Fall.

Stattdessen wird heute so viel wie nie zuvor darüber diskutiert; ob einem Treffer vielleicht ein leichtes Allerweltsfoul vorausging, oder ob der Ball eventuell zwei Finger breit (wie man hier im Ruhrgebiet gerne sagt: um Sackhaaresbreite) im Aus war, bevor er ins Tor trudelte. Dazu verkommt der Unparteiische oft regelrecht zu einer Lachnummer, wenn er sich per Headset von jemandem weit abseits des Geschehens eines Besseren belehren lassen muss, wobei am Ende noch nicht mal sicher ist, ob das Bessere tatsächlich besser ist. Für mich ist das ein klarer Fall von Autoritätsverlust. Was nicht unbedingt zielführend für einen Entscheidungsfäller ist, der 90 Minuten lang mit den 22 Protagonisten auf dem Rasen samt Trainerteam daneben ja irgendwie auskommen muss. Denn die für den Fußball relevante Wahrheit liegt immer noch auf dem Platz, sollte dort liegen.

Und was ich persönlich am schlimmsten finde: der Videobeweis nimmt mir die Freude am Spiel. Er zerstört den Spielfluss, er raubt mir meine Emotionen, die nach einem Tor meiner Mannschaft aus mir herausbrechen wie heiße Lava aus einem Vulkan.

Also an den seltenen Tagen, an denen ich mal südländisches Temperament verbreite.

Und ganz ehrlich: die ultimative Gerechtigkeit, die kann und wird es im Fußball nie geben. Was wahrscheinlich auch ganz gut ist, denn wir reden hier nicht über einen klinischen, keimfreien Prozess. Sondern über Fußball. Diskussionen über angebliche Fehlentscheidungen werden immer ausgetragen, völlig egal, wie viele Schiedsrichter nun an einer Entscheidungsfindung beteiligt sind. Aber je mehr daran herunwerkeln, desto mehr verkommt das Spiel zu einer Farce. Zu einer Brabbelrunde auf dem grünen Rasen.

Gott sei Dank gibt es den Videobeweis noch nicht in der Regionalliga. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dann noch mehr Nerven bei Heimspielen von Rot-Weiss Essen verlieren, in noch mehr Bierbecher beißen würde, als dies ohnehin schon der Fall ist. Oder besser war, denn kommende Saison startet RWE ja durch.

Schafft diesen unseligen Videobeweis bitte wieder ab. Er hat mit der Seele des Spiels, so wie ich es kenne und oft auch liebe, nichts zu tun.

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2 Gedanken zu “Videobeweis? Nein danke

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