Pamphlet


Ein Pamphlet ist eine Schrift, in der sich jemand engagiert, überspitzt und polemisch zu einem wissenschaftlichen, religiösen oder politischen Thema äußert. Die sachliche Argumentation tritt dabei in den Hintergrund; die leidenschaftliche Parteinahme gegen eine Sache hingegen überwiegt bei der Argumentation. – Wikipedia

Ich denke eigentlich nicht, dass ich jemand bin, der in seinen Blogeinträgen oder ganz allgemein in seiner Meinung schnell die Nerven oder die Geduld verliert. Ganz im Gegenteil halte ich mich für einen Beobachter, der recht kühl, trocken und meist nonchalant die Vorkommnisse rund um Rot-Weiss Essen kommentiert. Der Spiele nüchten analysiert. Per se ist es mir zuwider, mit viel bemühten Floskeln wie „Alles total scheiße!“, „Das kann man sich nicht meht antun!“ oder „So wird das eh nichts mehr!“ zu arbeiten. Weil Unmutsäußerungen dieser Art nicht zielführend sind, sie sind ganz im Gegenteil kontraproduktiv. Kein Spieler kickt entschlossener, kein Trainer trifft andere Entscheidungen, kein Sportdirektor verpflichtet besseres Material, kein Vorstand handelt umsichtiger und zielorientierter, nur weil man als Anhänger so seinem aufgestauten Frust im Stadion oder in den sozialen Netzwerken freien Lauf lässt. Wenn – zurecht – Kritik geäußert wird, sollte diese konstruktiv und mit Sinn und Verstand vorgebracht werden. Sonst bringt das nichts.

Es gibt schon mal Ausnahmen von der Regel.

Ich habe gestern, beim Spiel des RWE gegen den SC Wiedenbrück, das Stadion Essen weit vor Spielschluss verlassen. Einige Hardcorefans werden jetzt vielleicht aufheulen, nach dem Motto: „Ein echter Fan geht niemals vor Spielende!“ Leute, das ist mir völlig egal. Dann war ich halt gestern kein echter Fan, sondern nur ein leidender Konsument, der die Schnauze gestrichen voll hat.

Und ja, genau das ist, auch einen Tag später, immer noch der Fall. Ich bin immer noch fasungslos, ob der dargebrachten Minusleistung dieser Mannschaft, deren Spieler aus mir nicht bekannten Gründen das Trikot von Rot-Weiss Essen tragen. Ich bin entsetzt darüber, mit wie wenig Herz, Eiern und Verstand da ein Team auf dem Rasen stand; ich bin konsterniert über die nicht vorhandene Kreativität, die fehlende Einsatzbereitschaft und den Mangel an Respekt gegenüber uns Fans, den diese Mannschaft einfach nicht aufbringt. Es wäre weniger tragisch, hätte es sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt. Aber Katastrophenkicks dieser Art ziehen sich mittlerweile wie ein Roter Faden durch diese Spielzeit, die nun Gott sei Dank bald beendet ist.

Was ich eigentlich auch noch nie tat, und damit werde ich jetzt auch nicht anfangen, ist, mir einzelne Spieler herauszupicken. Ich bin nach Spielen wie gestern nicht in der Kabine; ich weiß nicht, wer aus diesem Team wie ein Häufchen Elend in der Ecke sitzt und seine beschämende Leistung überdenkt, und wem das alles nur noch scheißegal ist. Nein, ich nehme mir als langjähriger Fan das Recht heraus, über diese Mannschaft als Ganzes den Stab zu brechen. Und ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, derart viele unterirdische Darbietungen in einer Saison gesehen zu haben. Wirklich, ich kann es nicht.

Ende des Pamphlets.

Was mir Hoffnung macht: Dass es gar nicht schlimmer werden kann. Vorstand Marcus Uhlig und sein Team schafften und schaffen die wirtschaftlichen Voraussetzungen, um mal etwas mehr Kohle in eine vernünftige Kaderplanung zu investieren. Die ersten beiden Neuverpflichtungen, Dennis Grote und Marco Kehl-Gómez sind Spieler, Typen nach meinem Geschmack. Aggresive Leader, die sich selbst und anderen schon mal weh tun.

Und ich möchte an dieser Stelle auch an alle Fans und Sponsoren appellieren, das Engagement bei und für RWE aufrechtzuerhalten. Denn wenn wir jetzt den Kopf in den Sand stecken, dann schießen wir uns nur ins eigene Knie. Und wer humpelt, der kann bekanntermaßen nicht schnell rennen. Und nächste Saison möchte ich Rot-Weiss Essen rennen sehen, wie dies lange nicht mehr der Fall war. Denn auch da bin ich ehrlich: Zeilen wie diese müssen zwar raus, aber sie bereiten mir beim besten Willen keine Freude.

Nur der RWE.

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