Wir brauchen wieder mehr Spieler wie Max Kruse

Ein Plädoyer.


Das DFB-Pokalspiel gestern Abend, zwischen Werden Bremen und dem FC Bayern München, war schon eine feine Sache. Ein Pokalfight wie er sein sollte, mit einem interessanten Spannungsbogen und hohem Einsatz von beiden Seiten. Dass die Partie letztendlich duch einen Kann-man-eventuell-geben-muss-man-aber-nicht-Elfmeter (den ich nie im Leben gepfiffen hätte) zu Gunsten des bajuwarischen Stern des Südens – *hust* – entschieden wurde, nun gut. Ich persönlich rege mich ein oder zwei Stunden nach Spielende noch über eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf, danach hake ich das aber auch ab. Weil es leider nichts bringt.

Was mich aber tatsächlich an diesem Spiel begeisterte, war Bremens Max Kruse. Einerseits durch seine Leistung auf dem Platz; durch seinen unbändigen Einsatz, seine Willenskraft und auch durch seine spielerischen Fertigkeiten. Er ist der Typ Spieler, der eine Mannschaft prägt und sie führt. Der auch vorangeht, wenn einmal, sagen wir es ganz salopp, die Kacke am dampfen ist. Ein Aggressive Leader. Nicht falsch verstehen: jeder Spieler in einem Team ist wichtig. Aber ich bin kein großer Freund von flachen Hierarchien; ich glaube vielmehr, dass jede Mannschschaft einen mentalen Anführer braucht. Ein Max Kruse erfüllt diese Anforderung meiner bescheidenen Meinung nach voll und ganz.

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Foto ARD

Aber auch nach dem Spiel, ja, ganz besonders nach dem Spiel, hat Max Kruse bei mir nicht zum ersten Mal einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vielleicht lesen zartbesaitete Menschen, die denken, dass Profifußballer strahlende Helden für die Kinderzimmerposter dieser Welt sein sollten, jetzt besser nicht weiter. Denn – ich finde Typen wie Kruse einfach nur geil. Ich mag es, wenn sich jemand, um sein Verständnis von Gerechtigkeit erfüllt zu sehen, mit Gott und der halben Welt anlegt. Mir gefällt es, dass sich jemand noch auf dem Platz mit besonders großkotzigen Spielern des Gegners in einen verbalen Infight begibt und diese dabei so zurechtstutzt, dass sie in eine Streichholzschachtel passen. Ich hege eine große Bewunderung für diese wenigen Spieler, die nicht der Norm des heutigen Profifußballers entsprechen. Diesem gleichgeschalteten, immer denselben langweiligen Schrott absondernden Lutscher, dem man spätestens nach 10 Sekunden eh nicht mehr zuhört.

AAAAA

Wieder bitte nicht falsch verstehen: Natürlich befürworte ich keine Schlägerei auf dem Platz oder in der Kabine. Wenn, dann nur erkennbar humorig. Aber was ich absolut befürworte – wenn jemand aus diesem engen Rahmen fällt, den Journalisten, Funktionäre und letztendlich auch wir Fans für heutige Fußballprofis geschaffen haben. Wahrscheinlich fällt uns erst nach Partien wie gestern wieder einmal auf, dass wir den rohen, ungeschliffenen Typ eigentlich mehr lieben als das Weichei, welches uns bei den meist eh unsäglichen Field-Interviews mit langweiligen und weichgespülten Aussagen beglückt.

Menschen wie unser Bundes-Jogi und Nivea-Repräsentant Herr Löw sehen das womöglich anders. Aber, ganz ehrlich – wenn ein Fußballer nachts um die Häuser zieht oder am Pokertisch zockt, dann kann er das meinetwegen gerne machen. Solange er seine Leistung auf dem Platz erbringt. Ist das der Fall, interessieren mich Nebengeräusche im Privatleben herzlich wenig.

Ja, ich finde, wir brauchen wieder mehr Spieler wie Max Kruse. Denn sie verkörpern ganz gut den Fußball, so wie ich ihn mir vorstelle.

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