Früher war nicht alles besser, aber vieles halt ein wenig anders


Ich muss ehrlich zugeben, dass ich auch drei Tage später noch ziemlich konsterniert bin. Angesichts der „Leistung“, die ich und knapp über 5.600 andere am Freitag zu begutachten hatten, beim im Großen und Ganzen desaströsen Auftritt der Essener Rot-Weissen gegen den SC Verl. Dass ich auch deswegen ziemlich angefressen bin, weil ich mich schon mit einer leichten Erkältung behaftet zur Hafenstraße schleppte und natürlich noch einmal so richtig pitschnass wurde, soll hier nicht weiter ausgeführt werden. Das bin ich schließlich selbst schuld, außerdem ist es ein Teil der Fußball-Folklore. Dazu mag ich – eigentlich – Flutlichtspiele an einem Freitagabend, aber das erwähnte ich ja schon an anderer Stelle.

kkkkk

Aber wo anfangen, und wo aufhören? Fangen wir beim Klischee an. Ja, seit Jahren, wenn nicht seit etwa zwei Jahrzehnten, weiß man an der Hafenstraße: Der SC Verl ist ein schwieriger und äußerst unangenehm zu bespielender Gegner. Die liegen uns einfach nicht. Und, Freunde des gepflegten Klischees: Wenn man sich das nur oft genug einredet, dann glaubt man irgendwann auch daran! Verflucht nochmal! Dann kommen schon viel zu viele Zuschauer ins Stadion Essen, mit dieser minderen Erwartungshaltung! Und irgendwann wabert dieser Unsinn dann wie ein Nebel der Angst durch die Kabine der Spieler: „Oh, der SC Verl kommt. Unsere Vorgänger sahen gegen die noch nie gut aus.“ Was für ein elender Scheiß! Und das Schlimme ist, dass mittlerweile schon damit begonnen wird, diesen Habitus auf andere Dorfclubs zu übertragen. Sagt mal, geht’s noch? Wenn das meine Einstellung, meine Grundhaltung als RWE-Fan ist, schon im Vorfeld Panik zu schieben wenn Verl oder Rödinghausen kommen, dann gute Nacht. So nicht. Nicht für mich.

Kommen wir nun zu ebendieser Einstellung, und zwar die der Spieler. Und gehen wir einfach mal davon aus, dass vor dem Spiel kein Klima der Angst und der Verunsicherung in den Katakomben herrschte. Schließlich wurde ja vorher, und das recht souverän, mit 3:0 in Lippstadt gewonnen. Ich, der ich nun am Freitag dieses Spiel gegen Verl sah, frage mich ernsthaft: Wollt Ihr uns verarschen? Und wenn ja, wie lange noch?

Denn die Sache ist die – wenn ich als Zuschauer an der Hafenstraße erkenne, dass bei einem Spiel nicht wirklich viel zusammenläuft; wenn ich sehe, dass spielerisch an diesem Tag einfach nichts klappt, dann erwarte ich wenigstens folgendes: Dass sich diese Mannschaft, die da unten auf dem Rasen das Trikot, die Farben von Rot-Weiss Essen trägt, den Allerwertesten aufreißt und den Gegner bis zum Ende der 90 Minuten plus X bekämpft! Wie früher ein Dirk Helmig, ein Sascha Wolf, ein Stefan Lorenz oder ein Erwin Koen! Nur, um mal ein paar Namen zu nennen!

Okay, das war jetzt bewusst einen Tacken zu pathetisch und extra in populistischer Fettschrift. Aber, ist da nicht doch was dran? In der wievielten Saison in Folge sind wir jetzt, in der wir ein Mentalitätsproblem beim jeweiligen Team feststellen mussten, welches irgendwann einsetzt und sich dann wie ein Roter Faden durch den Rest der Spielzeit zieht? In der sechsten, siebten? Gab es auch nur eine Spielzeit, seit dem Aufstieg in die Regionalliga, in der RWE nicht irgendwann wie ein Kartenhaus zusammengefallen ist?

Noch einmal zur Einstellung der Mannschaft. Es liegt mir fern, Einzelne herauszupicken und an die Wand zu nageln. Es hat eh jeder Anhänger seine persönliche Streichliste. Ich beurteile diese Mannschaft als Ganzes, Hier und Heute. Und es ist teilweise eine Unverschämtheit, was für erbärmliche Minusleistungen im Namen des Vereins in unschöner Regelmäßigkeit abgeliefert werden. Spiele wie in Lippstadt sind leider als Ausnahme der Regel zu betrachten. So schwer diese Erkenntnis auch fallen mag.

Nein, es macht mir wirklich keine Freude, diesen Kader so vernichtend zu beurteilen. Ganz sicher nicht. Aber man kann und sollte es auch nicht mehr schön reden. Ich als Anhänger/Blogger des Vereins kann es schlicht nicht mehr. Auch dann nicht, wenn ich es wollte. Wie gerne würde ich über ein Team schreiben, das sich auf dem Platz zerreißt. Man kann nur hoffen, dass, wenn es im Niederrheinpokal zu den hoffentlich zwei entscheidenden Spielen auf größerer Bühne kommt, diese Mannschaft noch einmal verinnerlicht, was es bedeutet, das Trikot von Rot-Weiss Essen zu tragen. Und einzelne Spieler diese Bühne auch dazu nutzen, sich für andere Vereine zu empfehlen. Denn meine Hoffnung für die kommende Saison ist die, dass sich der Kader radikal und grundlegend verändert. Denn so wie jetzt, so wie in der jüngeren Vergangenheit, so darf und kann es nicht weitergehen. Diese Form der bewussten oder unbewussten Mentalitätsverweigerung muss hier in absehbarer Zeit ein Ende haben.

Nur der RWE.

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