Neymar, oh Neymar


Ich bin immer noch ziemlich fassungslos, ob der gestrigen „Szene des Spieltags“ bei der WM 2018 in Russland. Nein, es war kein Tor, keine Parade und auch kein Stillleben auf der Tribüne. Nichts erfreuliches.

Es war Neymar. Schon wieder.

Ich meine, ich verstehe es wirklich nicht. Neymar Jr. ist zweifelsfrei ein richtig guter Fußballer; natürlich grandios überbezahlt und latent überbewertet, aber – der Mann kann kicken, das steht völlig außer Frage.

Meine Frage jedoch: was treibt einen Spieler dieses Formats dazu, sich auf dem Platz zu benehmen wie früher Elizabeth Taylor auf dem Set von Cleopatra? Wozu hat er das nötig? Warum ist er bei wirklich jedem Pfiff gegen seine Mannschaft beim Schiedsrichter, um sich weinerlich zu beschweren? Was soll dieses divenhafte Verhalten, fast über die gesamte Dauer eines Spiels? Diese theatralische, fast schon shakespeareske Zurschaustellung der eigenen Befindlichkeiten, die mich an die Pubertät eines beleidigten und verzogenen 14-jährigen Mädchens erinnert.

Was soll der Mist? Dieser Schmierenkomödiant liegt – und das schon äußerst fragwürdig – am Boden, als ein Gegenspieler ihn mit dem Fuß leicht am Bein berührt. Und was passiert? Neymar windet sich mit schmerzverzerrtem Gesicht, wie ein Zitteraal; sein ganze Körper scheint per W-Lan mit einer Starkstrom-Steckdose verbunden zu sein. Eine Szene, wie man sie sonst nur aus Frankenstein kennt, wenn das aus Einzelteilen von der Resterampe zusammensetze Monster zum Leben – oder wie man das so nennen mag – erweckt wird. Man möchte meinen, aller Schmerz dieser Welt vereinigt sich in diesen bizarren Sekunden auf den armen Neymar, der augenscheinlich so sehr leidet wie vor ihm allerhöchstens noch Jesus Christus am Kreuz.

Keine Minute später lächelt er und sprintet wieder à la Usain Bolt über den Platz.

Ich hätte gerne Rote Karten und Sperren – auch noch nachträglich – für Unverschämtheiten dieser Art. Neymar Jr. hat durch seine fußballerische Klasse diesem Sport viel zu geben. Aber auch kann er mit seiner unerträglichen Schauspielerei eine mittelschwere Schande für den Fußball werden.

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6 Gedanken zu “Neymar, oh Neymar

  1. Ich fürchte, er spürt den Schmerz wirklich.
    Der ist so. Im Prinzip ein Kleinkind, der nichts gelernt hat ausser kicken. Da war einfach kein Platz mehr für anständiges, sagen wir zumindest angemessenes Verhalten gegenüber seinen Mitkickern.
    Mich schaudert nur, wenn ich dran denke, was der mal macht, wenn er nicht mehr kickt. Dann braucht und will ihn nämlich keiner mehr. Bei der Kohle muss er zwar nicht gebraucht werden, will es aber. Und daran wird er im Leben irgendwann scheitern.

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  2. Die ARD Doku über Staatsdoping auch in Brasilien (ja im Fußball) legt den Verdacht nahe, dass der Typ gedopt ist. Der Name durfte nicht fallen (laufende Prozesse), aber er wurde immer passend gezeigt. Vielleicht sind das ja Nebenwirkungen.
    Gibt es sicher noch in der Mediathek…

    Gefällt 1 Person

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