Liebe kennt keine Liga – in vino veritas


In diesen Tagen entscheidet sich im deutschen Fußball wieder einmal, in welcher Liga der eigene Verein kommende Saison spielt. In den direkten Auf- und Abstiegsfragen war dies schon der Fall; nun stehen noch einige Relegationsspiele zwischen diversen Ligen an, die weitere Vereine in den Aufzug nach oben oder halt nach unten befördern. Mein Verein, Rot-Weiss Essen, wird eine weitere Spielzeit in der Regionalliga West antreten. Zum achten Mal in Folge. Ist nicht wirklich schön, kann ich aber jetzt spontan nicht ändern. Ich hoffe nur, dass es diesbezüglich kein 10-jähriges Jubiläum gibt. Aber vorerst gilt wie gewohnt trotzig für alle Anhänger von RWE: Liebe kennt keine Liga.

Jedoch scheint mir dieses an sich lobenswerte Motto in dieser Zeit, nun ja, von einigen Leutchen etwas zweckentfremdet. Ich möchte da jetzt niemandem ans Bein pinkeln, weder anderen Fans noch deren Vereinen. Nur – wenn ich zum Beispiel einen juvenilen Fan des Hamburger Sportvereins erblicke, der im Brustton der Überzeugung Liebe kennt keine Liga! in die Welt posaunt; oder wenn ein, sagen wir, 19-jähriger Anhänger des VfL Wolfsburg im Angesicht des drohenden Abstiegs seines Clubs die Gemeinde auf Twitter mit Liebe kennt keine Liga! beglückt, dann denke ich mir insgeheim: Jungs, auf diesen Spruch habt ihr schlicht kein Anrecht.

Denn was passiert mit diesen beiden Vereinen, die ich jetzt mal als Beispiele herausgepickt habe? Sie steigen aus der 1. in die 2. Bundesliga ab. Nicht schön, klar. Aber ein klassisches Drama Baby? Nein. Wohl eher nicht.

Nun, hier stehe ich und kann nicht anders. Als Fan von Rot-Weiss Essen, der bewusst und oft nicht nüchtern etwa sechs sportliche Abstiege, zwei Zwangsabstiege, eine Insolvenz sowie eine ganze Menge mehr mitgemacht hat. Und deswegen darf ich, nein, dürfen wir RWE-Fans lauthals und jederzeit verkünden: „Liebe kennt keine Liga!“. Dazu noch Anhänger von den Kickers aus Offenbach, dem 1. FC Saarbrücken sowie einer Handvoll anderer Vereine, die Ähnliches mitmachen und ertragen mussten wie wir. Die quasi durch die sportliche Hölle gingen und dies teilweise immer noch tun.

Und wie gesagt: ich möchte niemandem unterstellen, dass er nicht wie ein kranker Hund leidet. Der Abstieg des Herzensvereins ist keine schöne Sache. In keiner Liga. Aber für ein mal eben rotzig hingeworfenes Liebe kennt keine Liga! – mein lieber Freund, dafür muss man schon eine ganze Menge mehr erlebt haben. So wie ich, so wie jeder, der seit einer gefühlten Ewigkeit mit Rot-Weiss Essen durch Dick und Dünn sowie ziemlich viele Ligen geht.

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6 Gedanken zu “Liebe kennt keine Liga – in vino veritas

  1. Moin. Ja. Als alter Fan der Braunschweiger Eintracht – alte Heimat, lang ist’s her – verstehe ich das ein bisschen. Als ich die Tage mit meiner Tochter telefonierte und sie zum Abstieg er Blau-Gelben meinte, dass es Schlimmeres gibt, rief ihre Freundin aus dem Hintergrund: „Alte Liebe kennt keine Liga!“
    Grüße von der Ostsee

    Gefällt 1 Person

  2. Zitat: „Zum achten Mal in Folge. Ist nicht wirklich schön, kann ich aber jetzt spontan nicht ändern…… “

    Positiv sage ich, Kontinuität philosophisch betrachtet 
    bezeichnet einen lückenlosen Zusammenhang, eine Stetigkeit, einen fließenden Übergang, einen durch keine Grenze unterbrochenen Zusammenhang; einen ununterbrochenen, gleichmäßigen Fortgang. Es wird also ausgedrückt, dass sich Prozesse bzw. Veränderungen in der Natur nicht sprunghaft und plötzlich – diskontinuierlich – vollziehen, sondern prinzipiell kontinuierlich bzw. stetig. Er schließt auch aus, dass etwas ins Nichts verschwindet oder aus dem Nichts entsteht. Das ist doch auch schon etwas und läßt hoffen👍
    Frohe Pfingsten und jetzt Pokal.

    Gefällt 1 Person

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