Notizen aus der Provinz


Als latenter Anhänger oder glühender Fan von Rot-Weiss Essen kann man dieser Wintertage mal wieder etwas verzweifeln. Ist doch am Wochenende die Partie beim SC Wiedenbrück den Witterungsbedingungen zum Opfer gafallen, ebenso das Spiel (welches schon ein Nachholspiel war) unter der Woche beim Wuppertaler SV. Auch steht das Match beim SC Wegberg-Beeck am kommenden Samstag unter dem dringenden Generalverdacht, aufgrund von Umständen nicht angepfiffen zu werden, über die sie in Norwegen nur müde lächeln würden. Hier die abgesagten Spiele des letzten Wochenendes in der Regionalliga West:

  • Bonner SC – Wegberg-Beeck
  • Fortuna Düsseldorf II – SV Rödinghausen
  • Wuppertaler SV – Gladbach II
  • SC Wiedenbrück – Rot-Weiss Essen
  • Borussia Dortmund II – SC Verl
  • TuS Erndtebrück – Viktoria Köln
  • KFC Uerdingen – Westfalia Rhynern

Wie man sehen kann, nahezu ein kompletter Spieltag. Summa summarum sind es jetzt schon rund 30 Partien in der Regionalliga West, die dem Winter zum Opfer gefallen sind. Und das nicht nur in dieser Saison, auch in all den Jahren zuvor. Was zur Folge hat, dass die Tabelle schon jetzt völlig krumm und schief ist und es wohl bis kurz vor dem Ende der Saison so bleiben wird. Dieser böse, böse Winter.

Moment… Winter? Ähm, man kann dieses Intermezzo von etwas Schnee und leicht kälteren Temperatuten zwischen Dezember und Anfang März in diesen Breitengraden doch nicht ernsthaft als Winter bezeichen. Einen richtigen Winter, den gibt es oben in Skandinavien, in Alaska oder Kanada; vielleicht noch ab und an in Bayern oder in den kargen Steppen Sibiriens. Aber hier? Das ist gar kein richtiger Winter!

Was hier in der Regionalliga West Jahr für Jahr im Winter passiert, respektive nicht passiert, ist der Tatsache geschuldet, dass das Gros aller Vereine über eine Anlage oder über ein Stadion verfügt, welches den Anforderungen von, nennen wir es mal vorsichtig Profifußball, nicht genügt. Entweder sind es die letzten Kartoffelacker, oder es gibt keine Rasenheizung, oder beides [Anm.: Im Stadion Essen gab es zwar schon immer eine Rasenheizung; diese ist aber erst seit Kurzem dank des vorbildlichen Einsatzes der Essener Stadtwerke in Betrieb. Also ist hier in Essen jetzt alles im sattgrünen Bereich. Danke dafür.] Etwas absurd wird es, wenn eine Spielabsage – wie jene in Wiedenbrück – mit einem Bonmot begründet wird, welches einerseits fast schon charmant ist, andererseits aber wirklich zum Nachdenken anregt:

„Leider ist die Seite, wo unsere Tribüne steht vereist. Da ist es sehr schattig und die Sonne kommt nicht durch. Der Rasen ist steinhart.“ Björn Mehnert, Trainer des SC Wiedenbrück

Hilfe! Verflucht, in was für einer verrückten Provinzposse bin ich denn hier gelandet? Sorry, liebe Kraut- und Rübenvereine à la Wiedenbrück & Co. – schön, dass es Euch gibt. Ganz sicher verfügt Ihr über eine Existenzberechtigung. Aber Ihr werdet bestimmt verstehen, dass ich einen weiteren Verbleib meines Vereins in einer Liga mit Euresgleichen für nicht wünschenswert erachte. Ich bin es nämlich wirklich leid, diese überflüssigen Notizen aus der Provinz, nicht nur im Winter.

Und daher bin ich ganz klar für den Aufstieg in der kommenden Saison. Vielleicht werdet Ihr uns vermissen, ich vermisse Euch nach bald einem Jahrzehnt ganz sicher nicht.

Eine gepflegt auftretende Arroganz in diesem Blogeintrag bitte ich aufrichtig zu entschuldigen. Aber immerhin geht es hier um Rot-Weiss Essen.

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2 Gedanken zu “Notizen aus der Provinz

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