5 Fragen an Michael Welling


Das Jahr neigt sich dem Ende zu, ebenso die Amtszeit von Michael Welling, langjähriger 1. Vorsitzender von Rot-Weiss Essen. Eine gute Gelegenheit, Danke zu sagen und ihm ein paar abschließende Fragen von teils höchster Priorität zu stellen.

Wenn Du an Deine nun bald endende Zeit bei Rot-Weiss Essen zurückdenkst, welches waren die drei schönsten Momente für Dich?

Das ist schwierig, nur drei? Eigentlich gab es sehr, sehr viele schöne Momente, angefangen beim Aufstieg in Siegen bis zu den Pokalspielen und Siegen sowohl im Finale des Niederreinpokals als auch im DFB-Pokal. Aber auch der Moment, in dem wir offiziell das Insolvenzverfahren beendet haben, war ein schöner und emotionaler Moment, viele „Deals“, die wir im Bereich Sponsoring gemacht haben aber ebenfalls. Schließlich gab es mit vielen Menschen aber auch sehr viele schöne Begegnungen; ich erinnere mich etwa gern an einen „versumpften“ Abend mit zwei RWE-Fans in deren Bandkeller, die Auswärtsmottofahrt oder auch die Spiele gegen das Frauenteam mit deren Hardcore-Fans…

Natürlich auch, ohne geht es nicht – welches war der enttäuschendste, gar bitterste Augenblick?

Auch hier gab es einige Dinge, die an die Nieren gegangen sind. Am Vortag des Abschieds vom GMS etwa haben wir von der „Wettenproblematik“ erfahren, die Stunden und die Nacht danach waren hart, vor dem Spiel und vor der Abschiedschoreo habe ich auf dem Platz stehend die Fans informiert, danach habe ich die erste Halbzeit dann recht derangiert verbracht… Bitter war auch der Moment des Pokalsieges im Niederrheinpokalfinale, als man mitten im Jubel davon erfahren hat, dass ein Fan schwer verunglückt ist. Und auch den Heiligabend hätte ich lieber ohne Gespräche mit Cebio Soukou verbracht als in dem Moment zu analysieren, wie die Situation aussieht und wie man weiter damit umgehen kann und muss. Der bitterste Moment war aber ehrlicherweise der Tag, an dem die WAZ von meinem bevorstehenden Abschied berichtete und ich meinen Kollegen das unvorbereitet bestätigen musste. Das war ein kompletter Niederschlag und emotional der heftigste Moment in jeder Hinsicht, weil ich mir gewünscht hätte, die Kollegen vorbereitet und als Erster und persönlich zu informieren. Dass mir dies nicht vergönnt war, ist wirklich bitter.

Hand aufs Herz – wie oft wärst Du gerne auf den Platz gestürmt, nach einer für Dich völlig unverständlichen Entscheidung des Schiedsrichters?

Geschimpft habe ich in den Momenten sicherlich oft aus der Emotion heraus, aber so weit, dass ich auf den Platz stürmen wollte, war es nie. Man darf – ich weiß, ist zu rational – nie vergessen, dass auch jeder Schiedsrichter sicherlich stets alles versucht und man muss Schiedsrichtern einfach auch eingestehen, dass sie Fehler machen. Da muss man manchmal – leider – eben auch die Fanbrille absetzen und darf nicht ungerecht sein.

Viele haben nicht recht verstanden, warum Du dich während Deiner Amtszeit immer auch für Belange eingesetzt hast, die auf den ersten Blick nichts oder nur über drei Ecken etwas mit RWE zu tun haben. Sei es soziales Engagement in der Stadt Essen, den Ausbau der ortsansässigen Messe, die überfällige Regionalligareform des DFB oder die Kritik an der Chinesischen U20 in der Regionalliga Südwest. Ich nenne es „über den Tellerrand sehen“. Was ist eigentlich Dein Antrieb? Ich halte mich selbst für einen latenten Gerechtigkeitsfanatiker, und ich denke, das trifft auch auf Dich zu.

Gerechtigkeitsfanatiker trifft es schon sehr gut, ich kann mit – von mir empfundener – Ungerechtigkeit nur sehr, sehr schwer umgehen. Die von Dir angesprochenen Themen sind aber zu differenzieren: das soziale Engagement von RWE ist meines Erachtens eine Selbstverständlichkeit und dies gab es auch bei RWE schon lange vor meiner Zeit, vielleicht haben wir das etwas stärker kanalisiert auf die Themen Bildung und Jugend, aber der Verein RWE selbst hat das immer schon gemacht. Ich denke, das wird es weiter geben und sollte es auch. RWE ist eben mehr als „nur Fußball“. Was Regionalligareform oder U20 China angeht sieht die Sache wieder anders aus: das sind Kernfußballthemen, auch wenn wir mit dem Aufstieg momentan nichts zu tun haben, betrifft uns das Thema und könnte uns auch das Thema U20 China treffen. Da meine ich, muss man als Verein, der sich interessiert und auch für eine bestimmte Form von Fußball steht, einfach zu Wort melden. Wir müssen und können hier auch durchaus aufmüpfig sein – im positiv verstandenen Sinne – und können nicht zu allem was die Verbände entscheiden Ja und Amen sagen, nur weil es dann möglicherweise verbandsseitig Gegenwind geben könnte. Das Thema „Messe Essen“ war hingegen eher „Privatsache“, ich habe mich hier gerne engagiert, weil ich die Argumente für sinnvoll erachtet habe.

Im Laufe der letzten Jahre hatte man den Eindruck, dass Du hin und wieder mit Deiner Frisur zu kämpfen hattest. Ist dieser Prozess mit dem exquisiten Modell „Robert De Niro in einem Mafiafilm von Martin Scorsese“ nun abgeschlossen?

Ich kämpfe sicherlich weiter… der Wandel der Frisur ist dabei wohl die einzige Konstante in meinem Leben… verbessert hat sich da aber selten etwas, glücklicherweise bin ich aber an der Stelle auch nur bedingt eitel… erst wenn meine Frau sagen würde, dass ich nicht mehr nach Hause darf mit einer bestimmten Frise würde ich wohl aktiv werden…

Thanks a lot, Doc.

 

 

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