Die Empörung um der Empörung willen


Eine fürchterliche, gar grausame Provokation ereignete sich gestern Abend in der Fußballarena zu Augsburg. Eine wirklich schlimme Szene, die wohl noch in 100 Jahren als Sinnbild für die totale Verrohung dieser Sportart Pate stehen wird.

In der 74. Minute des Bundesligaspiels Augsburg vs. RB Leipzig ließ sich der rohe Urmensch und Fußballprofi Daniel Baier auf ein dermaßen schreckliches und primitives Steinzeit-Niveau herab, dass Millionen von unschuldigen Kindern in ganz Deutschland sich in den unruhigen Schlaf geweint haben dürften. Wenn sie ihn denn überhaupt noch fanden.

Er zeigte beiläufig diese Geste, in Richtung Ersatzbank des Gegners.

Baier

„Schleudertrauma“

Gut, und jetzt fernab jeder Ironie: Natürlich muss er das nicht machen. Ist jetzt nichts, worauf man unbedingt stolz sein sollte. Aber – die Empörungsmaschinerie, die wegen Belanglosigkeiten wie dieser jetzt wieder auf Hochtouren läuft, ist schlicht und ergreifend absurd. Insbesondere gängige Argumentationen wie „Fußballer haben doch Vorbild zu sein“, in Zeiten von Neymar, Dembélé und Co., machen nur noch fassungslos ob ihrer unbedarften Naivität. Nein, ganz ehrlich: Fußballer müssen keine Vorbildfunktion erfüllen, besser – sie sollten es auch einfach nicht.

Ich sehe wirklich gerne Fußball, und tatsächlich: Ich freue mich über jede Szene, die aus dem glattgebügelten und dreimal chemisch gereinigten Alltag der Bundesliga herausfällt. Eben auch eine Szene wie diese. Vielleicht ist diese Geste tatsächlich hart an der Grenze zum guten Geschmack. Aber ich mag die archaische Seite des Spiels, und ich hoffe, dass sie uns noch lange erhalten bleibt. Auch wenn das denen nicht passt, die sich immer so wahnsinnig gerne empören.

„Ich bin empört meist über das, was keinen anderen stört.“  – Michael Jung

Foto Eurosport

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3 Gedanken zu “Die Empörung um der Empörung willen

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