Die süße Frucht


So kann es gehen, wenn man am Vorabend ein Testspiel gegen den amtierenden DFB-Pokalsieger und Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund am Fernseher (Rücken. Ich hatte und hab Rücken.) verfolgt, welches – ho ho ho! – dann auch noch etwas überraschend mit 3:2 gewonnen wird. Man hat am nächsten Tag echt gute Laune.

Also für alle, die im Stadion waren (Ich hatte und hab Rücken!), hier der ultimative TV-Bericht.

Erst einmal ist es eine Wohltat, ein Spiel von Rot-Weiss Essen, wenn denn mal eins bundesweit übertragen wird, auf Sky zu verfolgen. Und nicht – Ihr ahnt es – auf dem peinlichen Quizsender Sport1. Ein unaufgeregter Reporter, welcher sich tatsächlich auf das Spiel bezieht respektive reduziert; also kein brabbelnder Erklärbär à la Jörg Dahlmann, der im Laufe einer Übertragung vor lauter „Und-in der-guten-alten-Zeit-als-noch-alles-viel-besser-war!“-Anekdötchen tatsächlich immer sichtbar alterte. Nein, ein wirklich sachlicher und meistens auch kompetenter Kommentator, der das Spiel so begleitete, dass es in diesem Punkt eigentlich keinen Anlass zur Kritik gab.

Was die Entstehungsgeschichte der Tore betrifft, so war durch die Zeitlupen (die wirklich größte Innovation in der Geschichte des Fernsehens, neben Hugo Egon Balder und Tutti Frutti) wahrscheinlich noch besser zu erkennen, was die meisten Zuschauer vor Ort wohl aber auch so sahen. Ein Stochertor und ein Treffer durch einen fragwürdigen Elfmeter für die Borussia, hingegen drei blitzsaubere Einschläge im Dortmunder Tor durch RWE. Bei zwei Dingern (den beiden Fernschüssen von Baier) war wohl BVB-Keeper Bürki ein wenig mit in der Verlosung, aber das betrachte ich als nebensächlich. Schweizer sind ja auch als freundliche Menschen bekannt. Und wenn er die Qualitäten eines Benjamin Baier nicht auf dem Schirm hatte – selbst schuld.

Vor allem fiel am Fernseher durch den reduzierten Bildausschnitt sehr deutlich auf, wie hoch Essen über die ganzen 90 Minuten presste und die ja eigentlich vorhandene Spielfreude des BVB in weiten Teilen schon im Mittelfeld außer Kraft setzte. Das Ding wird über die ganze Saison betrachtet ziemlich kraftaufwendig sein, aber ich wünsche mir, dass exakt diese Art von Pressing ein fester Bestandteil des Essener Spiels wird. Den Ball jagen, den Gegner jagen. Ihn mürbe machen.

Auch spielerisch waren zwischen beiden Teams eigentlich keine all zu großen Unterschiede auszumachen; schon gar nicht war ein Klassenunterschied von drei Ligen zu erkennen. Klar, in einigen Situation hatte man schon das Glas allein vor Sorge am Mund, wenn so Granaten wie Aubameyang oder später Dembélé im Essener Strafraum zum Abschluss kamen. Aber im Großen und Ganzen – die meisten brenzligen Szenen wurden am Ende recht souverän entsorgt.

Ein bisschen betrüblich war die Berichterstattung rund um das Spiel. Sprich – es gab eigentlich gar keine. Keine Interviews oder Statements zur Halbzeit, bei Abpfiff war die Übertragung nach wenigen Sekunden beendet. Keine charmante Moderatorin, nichts. Aber nun gut, wollen wir da mal nicht so kritisch sein. Alles ist deutlich besser, als die Werbe- und Sprüchezukleisterung bei oben erwähntem Problemsender Sport1.

Und was bleibt jetzt vom Spiel? Nun, erst mal die gute Laune heute, ein regnerischer Mittwoch war schon mal unangenehmer. Das Wissen, dass es nur ein Sieg in einem Testspiel war, und da gibt’s keine Punkte für. Aber hauptsächlich die Erkenntnis, dass diese Mannschaft offensichtlich will und es auch kann. Am Besten schon im ersten Punktspiel der Saison gegen: exakt, die Zweitvertretung von Borussia Dortmund.

Packste die Großen, packste die Kleinen auch. Ist doch nur logisch.

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2 Gedanken zu “Die süße Frucht

  1. Habt ihr denn auch ein vernünftiges Ballbesitzspiel? Den Gegner totzupressen, ist ja das eine, aber da ihr in der Regionalliga-West offenbar (?) zu den Aufstiegskandidaten zählen werdet, werden die „Kleinen“ euch den Ball wohl sowieso lieber herschenken. Denke ich zumindest, ich verfolge die Liga nicht.

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    1. Catenaccio 07

      Das kommt eben auch immer auf den Gegner an, stimmt. Wenn es gegen „Kleine“ geht, ist da natürlich eher Ballbesitz angesagt, da die die Spielkontrolle in der Regel abschenken. Hohes Pressing muss dann nicht über 90 Minuten erfolgen. Ach, dieses Taktikzeugs ist doch in der Regionalliga auch nicht anders, als in der Bundesliga 🙂

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