Ausgliederung – die Frage aller Fragen


Kaum ein anderes Thema (neben dem Finale des Niederrheinpokals natürlich) treibt den geneigten Fan von Rot-Weiss Essen zur Zeit derart um, wie dieses. Die Ausgliederung der 1. Mannschaft und den damit verbundenen möglichen Einstieg eines potentiellen Investors.

Vorab – ich bin ein Befürworter dieser Maßnahme. Es sollten jetzt also vielleicht alle Hardliner mit dem Lesen aufhören, die derlei Dinge für Teufelswerk halten und bei Investor ausschließlich an Herrn Mateschitz und sein mehr als fragwürdiges Konstrukt RB Leipzig denken. Oder an einen Herrn Kühne beim HSV, dessen Gebaren doch sehr dubios erscheint.

Andererseits, ich habe auch nicht vor, mit diesen Worten hier irgendjemanden zu bekehren, zu belehren oder zu missionieren. Denn das Schöne ist, dass jeder Fan seine Meinung und seine Ansichten zu diesem komplexen Thema hegen und pflegen darf. Und auch sollte. Mir ist es immer wichtig, dass keine Meinung einfach niedergebügelt wird. Selbst wenn sie völlig konträr zu der meinen steht.

Auch bin ich nicht das, was man vielleicht als Vereinshöriger bezeichnen könnte. Ich gehe nicht jede Entscheidung mit, die Rot-Weiss Essen, die Verantwortliche dieses Vereins treffen. Im Gegenteil pflege ich etwa privat seit jeher einen äußerst streitbaren Diskurs mit einem gewissen Vorsitzenden des Vereins, was zum Beispiel das politische Weltgeschehen betrifft. Allerdings im Rahmen dessen, was man unter einer niveauvollen Streitkultur versteht. So wie es sein sollte. Das aber nur am Rande.

Warum bin ich aber jetzt für eine Ausgliederung, für die Öffnung? Nun, es hat mehrere Gründe. Zuerst, ich habe mich sehr gründlich über dieses Thema informiert. Wer diesbezüglich noch offene Fragen hat, der sollte unbedingt die beiden noch ausstehenden Infoabende besuchen, die einen Einblick sowie die Möglichkeit zur Diskussion bieten. Oder sich, auch ergänzend, im Internet informieren. Es kostet noch nicht mal viel Zeit.

Meine Gründe sind ganz schlichter, persönlicher Natur. Auch wenn es mir nicht einfach fällt, dies zu sagen – ich bin tatsächlich keine 22 mehr. Nur ab und zu am Wochenende. Und ich würde es wirklich gerne erleben, meinen Verein noch einmal in etwas höheren Sphären kicken zu sehen. Glaube ich, dass dies im Rahmen der derzeitigen finanziellen Möglichkeiten geschehen kann? Ich habe da große Zweifel. Natürlich ist ein Entkommen aus dem Sumpf der Regionalliga, ein Erreichen der 2. Bundesliga irgendwann vielleicht (persönliches Wunschdenken, klar), auch ohne eine Ausgliederung möglich. Darmstadt 98 zum Beispiel hat in den letzten Jahren gezeigt, wie es funktionieren kann. Nur – ich bezeichne derlei Vorkommnisse gerne als „mittelschweres Wunder“. Es ist immer schön, wenn mal eins passiert. Aber sie passieren recht selten und sind meist nicht von größerer Nachhaltigkeit geprägt. So wie eine Marienerscheinung. Dazu, und das sage ich ganz offen, habe ich explizit bei diesem Thema ein recht großes Vertrauen in die Entscheidungsträger des Vereins. Dessen Seele würde nicht verkauft, verraten, whatever. Meiner Meinung nach.

Und, und das ist eine Ansicht, die mir vielleicht mancher übel nimmt: Ich lebe gedanklich im Jahre 2017. Den Fußball, wie ihn manche heroisieren, den gibt es nicht mehr. Er ist mittlerweile auch Geschäft, Business, und das nicht nur in der 1. Bundesliga oder in der Champions League. Ich kann’s nicht mehr rückgängig machen, Du auch nicht. Es ist jetzt auch nicht so, dass ich geil auf Erfolg binAllerdings ist es auch nicht mein großer Wunschtraum, Rot-Weiss Essen noch in fünf, 15 oder 20 Jahren in der Unterklassigkeit spielen zu sehen. Er gehört dort nicht hin. Klar, ich würde auch weiterhin zur Hafenstraße gehen und über ihn schreiben. Aber ich brauche das in dieser Klasse nicht wirklich, nicht für den Rest meines Lebens.

Klang das jetzt teilweise etwas fatalistisch? Okay, warum auch nicht. Das ist ein Begriff, der das Fansein durchaus gut beschreibt, ab und zu. Und warum habe ich all das überhaupt jetzt geschrieben, dazu etwas überspitzt? Nun, um mich zu positionieren. Mir ist zeitig eine klare Kante zeigen wichtiger, als abwartend auf eine Mehrheitsmeinung zu schielen.

Wichtig ist erstmal aber nur eines – dass dieser Dialog in konstruktiver Art und Weise geführt wird. Und nicht auf der Schlachtbank der undifferenzierten Meinungen inklusive persönlicher Beleidigungen und Abwertungen ausgetragen wird. Dass man sich, ob auf einem Infoabend, im Stadion oder in der Kneipe seines Vertrauens fundiert und sachlich – trotz aller emotionalen Berührungspunkte – über dieses Thema austauscht. Und nicht mit billigem Gebrülle wie auf einem Fischmarkt. Denn das ist die Grundlage jeder vernünftigen Entscheidung. Also seid nett zueinander, wir sind alle Fans desselben Vereins.

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7 Gedanken zu “Ausgliederung – die Frage aller Fragen

  1. Jost Peter

    Abgesehen davon, dass du das Pferd vom Schwanz her aufzäumst bin ich beim Thema auch unbedingt für Information und sachlichen Umgang.
    Die bevorstehenden Infoabende könnten da auch die Perspektive weiten 😉

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    1. Catenaccio 07

      Wenn man mit einem Bauch-Kopf-Gefühl entscheidet, darf der Schwanz doch nicht fehlen 🙂 Klar, ich lege die beiden folgenden Infoabende ja auch jedem nahe, sowie Recherche im Internet. Welche ich bereits ausgiebig hinter mir habe.

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  2. Ich als Nicht-RWE-Fan (*tauche ab und weiche den Schlägen aus*) halte das für eine gute Idee. Will man erfolgreich im Wettkampf mithalten (und das ist der einzige Sinn aller Fußballligen/Staffeln, sonnst bräuchte man an diesen Wettkämpfen nicht teilnehmen), dann braucht man Geld. Der ganze Ostfußball ist untergegangen, weil man die Spieler im „Westen“ besser bezahlt hat. Auch heute noch kaufen die großen Mannschaften gute Spieler (auch außerhalb der eigenen Liga) einfach auf. Die anderen bleiben leer zurück. Dazu kommt, wie du richtig gesagt hast, dass der Fußball heute anders ist als früher. In vielen Dingen auch fortschrittlicher. Zum Mithalten braucht man Personal, Equipment, Ausstattung bis hin zum gut ausgebauten Stadion und Leistungszentrum. Das lässt sich eben durch reine Sympatiebekundungen nicht finanzieren.
    Noch besser finde ich die Idee, diesen Gedankenaustausch konstruktiv und gesittet ablaufen zu lassen, denn das ist nicht nur beim Fußball, aber besonders dort, zurzeit schwer. Weiter so!

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    1. Catenaccio 07

      Vielleicht wäre meine Meinung eine andere, wenn wir im gesicherten Mittelfeld der 2. Bundesliga stehen würden. Aber bekanntermaßen hängen wir ja im sechsten Jahr in der Regionalliga fest. Und jeder weiß, wie schwer es ist diese nach oben zu verlassen. Ich sehe das wirklich pragmatisch – ohne Moos nix los. Und in Zukunft wird das noch drastischer der Fall sein.

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  3. Ich denke, eine Ausgliederung tut schon deshalb heutzutage Not, damit nicht der Gesamtverein im Fall des Falles auf der Kippe steht.
    Und ja, ohne Investor geht es nicht – auch wenn man sich mehr solcher Fälle wie Darmstadt 98 wünscht. Auf Dauer ist die RL der schleichende Abgesang für viele Vereine. Allein, wenn ich mir die Paarungen für die Aufstiegsspiele anschaue, da gehören eigentlich auch vom Namen her alles sechs Kandidaten (vielleicht Ausnahme Elversberg, aber die haben halt einen finanzstarken Mann) in die 3.Liga. – Bei Welling habe ich aus der Entfernung auch nicht den Eindruck, er würde RWE um jeden Preis an einen Investor binden.

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    1. Catenaccio 07

      Die Absicherung des Gesamtvereins ist ja auch so eine Sache, die viele Gegner gar nicht auf dem Zettel haben, oder haben wollen. Ja, Welling verschachert hier nichts um jeden Preis, dafür ist er zu sehr old school und Traditionalist. Aber er erkennt eben auch die Zeichen der Zeit. Viele Hardliner leben ja gedanklich immer noch in den goldenen 50ern. Das ist etwas, was mir völlig abgeht. Ich lebe im Hier und Jetzt.

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