Poldi


Das Bemerkenswerteste an Lukas Podolski ist nicht seine linke Klebe, oder allgemein sein Torabschluss. Nein, es ist schlicht die Tatsache, dass er sich nie über den Zeugwart, den Busfahrer oder sonstige Menschen gestellt hat, die den Betrieb Fußball erst möglich machen.

„Es geht nicht um System-Fußball oder einen anderen Scheißdreck.“  Lukas Podolski

Natürlich kann man Lukas Podolski auch von einer anderen Warte aus betrachten. Immer einen leichten Hang zur Schnöseligkeit, manchmal etwas sehr vorlaut. Rotzig. Aber ist es nicht genau das, was heute den meisten Profis völlig abgeht? Den glattgebügelten Phrasenmonstern, die in 23 Interviews 23 Mal exakt die drei oder vier Satzbausteine von sich geben, die eifrige Berater oder Social Media Trainer ihnen eingebläut haben. Ich schalte heute meistens ab, wenn nach einem Spiel Fußballprofis um ein Statement gebeten werden. Es kommt nichts, was ich nicht schon tausendmal gehört habe. Leere Worthülsen, mehr nicht. Podolski war da anders. Sicher, manchmal kam da auch ziemlicher Unsinn bei raus. Aber immer ehrlich, immer frei von der Leber weg. Und mir ist liebenswerter Unsinn um einiges lieber, als glatt frisierte Aussagen ohne jedwede Substanz.

Einmal jedoch ging mir der Prinz mal so richtig auf die Nerven, um nicht zu sagen: Er hat mir komplett einen Tag versaut. Irgendwann im Oktober 2004 spielte Rot-Weiss Essen in der 2. Bundesliga gegen den 1. FC Köln. Alles lief ziemlich entspannt, RWE war deutlich überlegen und führte kurz vor Ende verdient mit 2:0. Der Sieg war quasi eingetütet. Bis – ja, genau richtig geraten – der noch blutjunge Lukas Podolski in der 88. und 91. Minute zweimal kurz im Essener Strafraum auftauchte und ziemlich humorlos einnetzte. Danke nochmal, Poldi! Du Sack!

Aber ich hege deswegen keinen Groll. Mit Lukas Podolski geht einer der Letzten seiner Art, ein Straßen- und Instinktfußballer par excellence. Und auch der letzte Protagonist, der letzte Spieler des Sommermärchens 2006. Als – jetzt mal gekaufte WM hin oder her – die deutsche Nationalmannschaft den Rumpelfußball der vergangenen Dekade abstreifte und endlich wieder ansehnliche und auch begeisternde Spiele aufs Parkett legte.

Alles Gute, Poldi.

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