Es ist Fußball, all das


Zweifelsfrei gehört der Volkssport Fußball zu den überragendsten Hobbys, die man sich aussuchen kann. Als Aktiver, wie auch als Beobachter. Als Fan. Und das sogar weltweit. Nun ja, bis auf die USA. Dort ist er eher ein Refugium für College-Mädchen sowie Altstars wie Andrea Pirlo (Gott!), die nicht nur wegen dem schnöden Mammon, denn dann wäre China die erste Option, sondern tatsächlich auch wegen einer neuen Lebenserfahrung dort dem runden Leder (eigentlich ja schon seit 1986 vollsynthetisch) nachjagen. Aber ich schweife ab, die USA sollen zur Zeit ein Thema für die bleiben, die endlos und immer und immer wieder über Politik und immer wieder… chrrrrr…

Nein, ich muss nicht über andere Länder schwadronieren, um hier und jetzt auf den Punkt zu kommen. Fußball macht mir zur Zeit recht wenig Spaß. Punkt. Anfang dieser Woche verstarb mit dem RWE-Original Ruhrmichell ein echtes Unikat und Bollwerk der Essener Fanszene. Und das in einem Alter, in dem man noch nicht mal im Ansatz darüber nachdenkt, wo man in vielleicht 15 Jahren sein wird. Gibt es eigentlich einen halbwegs gerechten Gott, da oben? Ich frage mich das, obwohl Agnostiker und trotz Andrea Pirlo zur Zeit ziemlich oft. Ruhrmichell, gib ihm mal ordentlich Tacheles, da wo du jetzt bist. Da bist du genau der richtige Mann für.

Alles andere dagegen ist recht klein in der Wertigkeit, geht mir aber nichtsdestotrotz gewaltig auf den Kamm. In Dortmund attackieren völlig Durchgeknallte im Namen des Fußballs – besser, ihres Fußballs – Frauen und Kinder, und bevor jetzt jemand empört aufschreit: nein, das ist nicht entschuldbar und schon gar nicht relativierbar. Zero. Wer dergleichen macht, der disqualifiziert sich als Fußballfan und sollte auch von niemandem als solcher betrachtet werden. In meinen Augen – noch nicht mal als denkender Mensch. Was allerdings auch gar nicht geht, ist die öffentliche Aufarbeitung dieser Ereignisse von Medien wie der „Bild“. Offensichtliche Fake-Interviews mit angeblichen Leipzig-Fans, die nicht vorhandene Erinnerungen aus dem Dortmunder Krisengebiet zum Besten geben. Lachhaft, aber „Bild“ halt. Und wie immer, mittendrin statt nur dabei, der großartige Politiker-Darsteller und Bundesinnenminister [sic] Thomas de Maizière, der redegewandt irgendwo zwischen britischer Kriegsrhetorik und empörter Prinzessin Lillifee auf einem Einhorn sitzend kulminiert. Oder Schlimmeres.

Geht’s noch, so mal an alle? Muss man sich im Stadion oder davor aufführen wie der letzte Mensch? Wie ein Irrer? Und kann man dann nicht im Nachgang, wenn solche Dinge leider passiert sind, diese in aller gebotenen Sach- und Dringlichkeit aufarbeiten, aber ohne billige Polemik (billige Polemik ist schließlich mein Ding, manchmal)? Zu dem Thema hier noch ein hervorragender Kommentar von Sylvia vom Rote Erde Blog. Sachlich, differenziert und alle Seiten beleuchtend. Was mir persönlich hin und wieder schwerfällt, oder ich möchte es einfach nicht. Und ohne jedwedes Gebrülle, welches nur die objektive Sicht auf geschehene Ereignisse ad absurdum führt. Aber mittlerweile ist man ja schon fast nichts anderes mehr gewohnt.

So, fertig. Am 18.02. geht es dann für Rot-Weiss Essen wieder los, und ich hoffe, dass ich dann meinen Spaß am Fußball wiederfinden werde. Nein, ich bin mir eigentlich sicher. Denn immerhin kriegt dann die Kölner Vicky auf heimischen Geläuf mal so richtig schön den kleinen knochigen Hintern versohlt. Bis dahin trinke ich etwas trockenen Rotwein, der hilft gegen Erkältung und lindert den Weltschmerz. So long.

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5 Gedanken zu “Es ist Fußball, all das

    1. Catenaccio 07

      Haha 🙂 Das sind die, die noch nirgendwo waren und trotzdem zu allem eine Meinung haben. Und die unbedingt loswerden müssen. Natürlich müssen die Vorfälle angemessen aufgearbeitet werden. Aber sicher nicht in der WDR2-Arena.

      Gefällt 1 Person

  1. Über diese Durchgeknallten gibt es keine zwei Meinungen, denke ich. – Aber mir geht auch die Unfähigkeit vieler auf die Ketten, solche Geschehnisse sachlich aufzuarbeiten. Da ist die wdr2-Arena, die ich allerdings nicht gehört habe, keine Ausnahme.
    Offenbar hat der BVB mit einem (kleinen) Teil seiner Fans auf der Süd Probleme, die er alleine nicht lösen kann. Warum bietet man da seitens der Liga oder meinetwegen auch des verbalmasturbierenden Ministerdarstellers keinerlei Hilfen (zur Selbsthilfe) an?

    Mal eine vielleicht gewagte Theorie, nochmal: THEORIE! Gab es nicht mal BVB-Anhang, der in Wanne- Eickel auf sich aufmerksam gemacht hatte? Haben ja schließlich die gleichen Vereinsfarben. Wer hat diese Farben eigentlich noch? Wenn jetzt nun Anhänger jenes Vereines mit Muttis selbstgestricktem Schal ohne Emblem unterwegs sind, kämen die glatt als Dortmunder durch… Den Rest überlasse ich mal Eurer Phantasie…

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